Gegen den Alemannia-Boss wird ermittelt

Von: Thorsten Karbach und Holger Richter
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Aachen. Die Akte Horst Heinrichs ist bei Alemannia Aachen am Freitag geschlossen worden. Heinrichs ist mit sofortiger Wirkung als kommissarischer Präsident zurückgetreten, weil eine andere Akte angelegt wurde - bei der Staatsanwaltschaft.

Dort wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Heinrichs eröffnet - als „Auswirkung der Medienberichte nach der Jahreshauptversammlung”, wie Oberstaatsanwalt Robert Deller erklärte. „Nachdem ich von einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Aachen gegen mich wegen Untreue Kenntnis erhalten habe, trete ich mit sofortiger Wirkung von meinem kommissarischen Präsidentenamt zurück”, gab Heinrichs in einer Pressemitteilung bekannt.

„Ich tue dies, damit ich mich diesen Dingen stellen kann und der Verein damit nicht belastet wird. Außerdem darf ich aus meiner beruflichen und privaten Verantwortung meiner Familie gegenüber keine weiteren gesundheitlichen Probleme riskieren”, so der FH-Professor weiter. Zu den Umständen des Ermittlungsverfahrens wollte sich Heinrichs nicht weitergehend äußern. „Ich habe meinen Rücktritt dem Verwaltungsratsvorsitzenden Hubert Herwartz mitgeteilt, damit bin ich aus dem Rennen.”

Bei der Mitgliederversammlung Ende Juni hatte Heinrichs, der nicht mehr zur Wahl stand, einen „Fehler von 600 Euro” eingeräumt. Er betonte aber auch, dass er diese Summe wieder ausgeglichen und sich nie am Verein bereichert habe. Der Bericht dieser Zeitung darüber hatte aber die Staatsanwälte aufgerüttelt. „Es gab keine Strafanzeige oder Anstöße von einer anderen Person”, betont Deller. Es werde - so der offizielle Wortlaut - „von Amtswegen aus wegen des Vorliegens eines Anfangsverdachtes ermittelt”.

Damit ist auch klar, dass Hubert Herwartz in diesem Verfahren keine Hauptrolle gespielt hat. Der Verwaltungsratsvorsitzende, der sich gegen eine weitere Kandidatur Heinrichs ausgesprochen hatte, steht in Diensten der Aachener Staatsanwaltschaft. „Herr Herwartz ist nicht zu jemanden gekommen und hat über den Sachverhalt informiert - auch wenn er möglicherweise schon länger Kenntnis hatte”, erklärt Deller.

600 Euro nicht gravierend

Als Staatsanwalt war Herwartz aber auch nicht verpflichtet, mögliche Vergehen Heinrichs weiterzugeben - dies sei er nur bei Straftaten von „gravierendem Ausmaß”. „Gravierend wäre ein Raubüberfall. 600 Euro zu veruntreuen, sind kein gravierendes Ausmaß”, so Deller. Zu den Hintergründen des Ermittlungsverfahrens wollte sich Herwartz indes mit Hinweis auf seinen Beruf nicht weiter äußern. „Da bin ich ein denkbar schlechter Auskunftsgeber”, sagte er.

„Der Verein wird nach dem Rücktritt von Horst Heinrichs nun kommissarisch von den verbleibenden Vizepräsidenten Karl-Theo Strepp und Klaus Dieter Wolf sowie von Schatzmeister Franz-Wilhelm Hilgers geführt”, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrats. Da die Satzung einen Vorstand von mindestens drei Personen vorsehe, reiche das aus. Diese Entwicklung beeinträchtige aber keinesfalls die Suche nach einem Nachfolger Heinrichs.

„Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun”, so Herwartz, der dabei ist, einen neuen Präsidentschaftskandidaten zu suchen, nachdem Kandidat Günter Reinartz auf der Mitgliederversammlung keine Mehrheit fand. Heinrichs gab bekannt, bei der anstehenden Jahreshauptversammlung nicht mehr für ein Amt zur Verfügung zu stehen.
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