Gefrässigem Käfer im Domdach wird nun eingeheizt

Von: Thorsten Karbach
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Heizen dem Nagekäfer im Dachstuhl der Chorhalle ordentlich ein: Dombaumeister Helmut Maintz (von links) und die Experten Daniela Gaiser und Michael Heinrich sorgen mit einer Warmluftbehandlung für einen käferfreien Dom. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Aachens Dombaumeister heizt dem Gescheckten Nagekäfer richtig ein. Helmut Maintz hat aber auch keine andere Wahl. Weil sich Xestobium rufovillosum - so der lateinische Namen des kleinen Käfers - im Dachstuhl der Chorhalle des Aachener Doms gemütlich gemacht hat, muss Dombaumeister Maintz reagieren.

Seit Dienstag wird über vier Gasöfen und durch 60-Zentimeter-breite Rohre warme Luft in den Dachstuhl geführt, die dem Käfer letztlich den Garaus machen wird. Maintz hat keine andere Wahl. Lässt er die etwa einen halben Zentimeter langen Tiere gewähren, wird ihm eines Tages das Dach auf den Kopf fallen. Die ältesten Balken sind von 1656. „Wir müssen etwas tun, bevor der Schaden statisch relevant ist”, sagt er.

Das war das Werk des Nagekäfers nämlich 2004, als im Oktogon die Thermometer nach oben schnellten. Dort waren weit mehr als hundert Käfer unterwegs und bissen sich durch die dicken Balken des Dachstuhls. Und schon damals wurde im Oktogon und in Nikolaus- und Karlskapelle die Heißluftbehandlung angewandt - kompakte 48 Stunden lang, gefördert von der Bundesstiftung Umwelt und wissenschaftlich begleitet.

Die Methode erwies sich als überaus erfolgreich. Seit 2004 ist das Oktogon für den Nagekäfer - auch als Klopfkäfer oder Totenuhr bekannt - offensichtlich ein allzu heißes Pflaster, er ist dort nicht mehr aufgetaucht. Nur über der Chorhalle blieb er Stammgast. Die Methode dagegen wurde fortan flächendeckend in alten deutschen Holzdächern aufgegriffen. Auch in Aachen, wo das Dach des Zeitungsmuseums von einem Käferbefall befreit wurde.

Der Bewohner des Chorhallendachstuhls ist Maintz schon länger bekannt. Eigentlich seit 2004. Aber weil es sich dort nur in ein kleines Eckchen eingenistet hatte, ließ ihn der Dombaumeister gewähren. Seit einem Jahr wurde der Schädling dann aber aktiver, erkundete flächendeckend die gut 3000 Kubikmeter Dachstuhl, wie regelmäßige Messungen ergeben haben. Und so einen Besucher kann Maintz in seinem Dom einfach nicht dulden. Dafür muss er freilich 35.000 Euro investieren. Die kostet die Maßnahme. Eingeplant war dieser Posten in seinem Budget nicht.

Bis Sonntag noch ist es heiß im Dachstuhl der Chorhalle. Die Raumtemperatur beträgt 65 Grad und die Luft wird befeuchtet. Plastikplanen wurden ausgebreitet, damit die Hitze vor allem das Holz an der Traufe erreicht, denn dort sind die Schäden am größten. 55 Grad ist es im Kern der Balken. Versuche haben ergeben, dass der Käfer schon bei 42 Grad mächtig ins Schwitzen kommt, bei 44 bis 46 Grad schwinden die Überlebenschancen dramatisch. „Aber wir gehen auf Nummer sicher”, sagt Daniela Gaiser.

Gaiser und Michael Heinrich sorgen für die Hitze. Sie wissen auch, dass sich die Temperatur bis auf 120 Grad hochdrehen ließe. Aber dann können bleibende Schäden am Holz nicht ausgeschlossen werden. Deswegen ist die bewährte Heißluftbehandlung vielmehr eine Warmluftbehandlung. Aber es ist immer noch zu heiß für die Sprenkelanlage und die Elektronik der Brandmelder im Dom. Beide mussten vorübergehend aus dem Betrieb genommen werden.

Und so wird geheizt und geheizt, 31 Meter über dem Boden der Chorhalle. Stündlich werden 12.000 Kubikmeter Warmluft hinein gepustet. Gaiser und Heinrich haben 48 Messstationen montiert und kontrollieren über einen Laptop im benachbarten Oktogon-Dachstuhl die Daten - hier ist es übrigens angenehm frisch im Vergleich zur Hochluftsauna auf der anderen Seite einer alten Holztür. „Sonntag ist hier alles käferfrei”, sagt Maintz.

Besucher ist als Klopfkäfer und Totenuhr bekannt

Klopfkäfer oder auch Totenuhr wird der Nagekäfer, der sich im Dachstuhl der Chorhalle des Doms ausgebreitet hat, im Volksmund genannt. Das ist auf das Lockritual der kleinen Tiere zurückzuführen. Wenn ein Männchen ein Weibchen anlocken will, ist eine Art Klopfgeräusch zu hören. „Das kann man ganz deutlich hören”, sagen Daniela Gaiser und Michael Heinrich, die mit ihrer Warmluftbehandlung dem Käfer zu Leibe rücken.

Totenuhr wird er zudem genannt, weil die Klopfgeräusche im Gebälk den Menschen einst derart Angst bereiteten, dass sie Todesfälle mit dem Klopfgeräusch in Verbindung brachten. Schaden hat der Nagekäfer aber ausschließlich im Gebälk hinterlassen, vor allem wenn dieses feucht war.
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