Gedenkprojekt: Viele Postkarten erinnern an die NS-Zeit

Von: Svenja Pesch
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Haben die Karten präsentiert: Michael Göbbels, Dr. Jürgen Nendza und Dr. Peter Johannes Droste (stehend von links) mit den Schülerinnen Voina, Nada und Mona. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Auf bräunlichem Karton angefertigt und mit einem kleinen Loch am oberen Rand erinnern die Karten an die Akten der NS-Zeit – wenn auch mit völlig anderer Intention: Mit Sätzen wie „Zusammen gegen die Dunkelheit“ oder „Nichts stirbt, was in der Erinnerung bleibt“ beteiligen sich Schüler des Couven- Gymnasiums an dem internationalen Gedenkprojekt „never/forget/why“.

In dessen Mittelpunkt stehen 15.000 jüdische Kinder, die zwischen 1942 und 1945 in Theresienstadt interniert waren. Fast alle diese Kinder wurden von dort aus nach Auschwitz deportiert, in den berüchtigten KZ-Lagern ermordet oder starben dort auf andere Art. Nur etwa 150 dieser Kinder überlebten.

Anna Wexberg aus Wien ist Organisatorin des Projektes und maßgeblich dafür verantwortlich, dass alle 15.000 Karten diesen Sommer im Rahmen verschiedener Veranstaltungen präsentiert werden. Jedes Dokument steht dabei symbolisch für eines der ermordeten Kinder. Ein digitaler Datenträger, auf dem das gesamte Projekt dokumentiert wird, soll im Anschluss „begraben“ werden.

Lehrer Dr. Jürgen Nendza engagierte sich mit dem Historiker Dr. Peter Johannes Droste am Couven-Gymnasium für die Aktion. „Schülerinnen und Schüler von der 5. bis zu 12. Klasse haben insgesamt 817 individuelle Karten angefertigt. Als zertifizierte ,Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus‘ ist die Erinnerungsarbeit für uns ein besonderes Gebot“, so Nendza.

In dem Zusammenhang erinnern die Kinder und Jugendlichen mit ihren Beiträgen an Fredy Hirsch, einen fast vergessenen stillen Helden von Auschwitz, der sich dort vor allem für die jüngsten Opfer des KZ-Terrors eingesetzt hatte. Hirsch besuchte von 1926 bis 1931 die Hindenburgschule, die Vorgängerschule des Couven-Gymnasiums. Dank seines Einsatzes konnte er zahlreiche Kinder in Theresienstadt und Auschwitz das Überleben ermöglichen.

Für die Fünftklässlerin Nada war die Auseinandersetzung mit dem Thema neu, wie sie erzählt: „Ich fand es sehr interessant, Dinge über das Leben von Fredy Hirsch zu erfahren. Für mich waren es neue Inhalte. Auf meiner Karte habe ich ihn helfend dargestellt, um an sein Wirken zu erinnern.“ Schulkameradin Mona tat sich bei der Gestaltung indes ein wenig schwerer.

„Für mich war es etwas problematisch, ein passendes Motiv oder einen passenden Spruch zu finden, denn die heftigen Emotionen, die dabei eine Rolle spielen, lassen sich meiner Meinung nach nicht so leicht darstellen“, meinte sie. Wie die Jugendlichen auch dies auf ihre Art bewältigt haben, zeigt sich nun: In wenigen Wochen gehen die Postkarten auf Reise und finden einen Platz in der berühmten Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in Jerusalem.

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