Aachen - Geburtstagsparty endet gewaltsam

Geburtstagsparty endet gewaltsam

Von: Oliver Schmetz
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Am Morgen danach ein friedlich
Am Morgen danach ein friedliches Bild: Nur Stunden zuvor war im „langen Turm” bei einer Party ein Polizeieinsatz eskaliert. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es sollte ein rauschender 18. Geburtstag werden, doch der Gastgeber landete kurz nach seinem Sprung in die Volljährigkeit gleich hinter Gittern. Und nicht nur er.

Zwei Festnahmen, ein verletzter Polizist, möglicherweise mehrere verletzte Gäste - so lautet die Bilanz einer Party, die in der Nacht zum Dienstag im „langen Turm” an der Junkerstraße stieg und durch einen Polizeieinsatz am frühen Morgen um kurz nach 5 Uhr ein ebenso jähes wie gewaltsames Ende fand.

Was bleibt, sind schwere Vorwürfe gegen die Polizei. War es eine „regelrechte Razzia”, bei der die Beamten so rigoros mit Schlagstock und Pfefferspray vorgingen, dass die Lage eskalierte, wie ein empörter Zeuge der AZ berichtet? Oder ging die Aggression gegen die Polizei vom Gastgeber aus, wie Polizeisprecherin Sandra Schmitz betont. „Und eine Razzia war das auf keinen Fall”, fügt sie hinzu.

Selber die Polizei um Hilfe gerufen

Kurioserweise hatten die Feiernden im „Turm” die Polizei selber zu Hilfe gerufen, weil sie sich - so schildert es der Zeuge Alexander Klee - von einigen „zwielichtigen Gestalten” bedroht fühlten. Als die Polizei eintraf, seien diese aber schon weg gewesen. Die Beamten seien mit Taschenlampen in den Partyraum gestürmt und hätten den Gastgeber „sofort festgenommen”.

Dieser sei „durch die Gegend geschleudert” und mit auf den Rücken gefesselten Händen „gegen ein Geländer geknallt” worden, berichtet der 24-jährige Student. Als die Beamten den Gastgeber hätten mitnehmen wollen, habe sich dieser zur Wehr gesetzt, auch hätten einige andere versucht, ihm zu helfen - „und die Situation eskalierte zusehends”. Mehreren Gästen hätten die Beamten Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, ein Schlagstock sei zum Einsatz gekommen - und der Gastgeber sei „blutüberströmt” abgeführt worden. Auch ein Partygast sei einkassiert worden. „Wir wurden wie asoziales Pack behandelt”, beklagt Klee. Und betont: „Die Aggression ging von der Polizei aus.”

Dem widerspricht die Polizeisprecherin: „Man hat mit dem Veranstalter vor Ort Kontakt aufgenommen, um den Sachverhalt zu klären”, sagt sie. Doch sei dieser alkoholisiert gewesen und habe sich „sehr aggressiv gebärdet und einem Kollegen gegen die Beine getreten”. Deshalb habe man ihn in Gewahrsam genommen. Als er weiter getreten und geschubst habe, habe „ein Polizist ihm mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen”. Danach habe der Mann geblutet, bestätigt Schmitz. Obwohl die Kollegen ihm Handfesseln angelegt hätten, sei der Mann weiter aggressiv gewesen, habe gespuckt und einem Beamten einen gezielten Kopfstoß versetzt. „Der Kollege musste wegen Gesichtsverletzungen untersucht werden.”

Alle Beamten werden nun befragt

Die Polizeisprecherin beruft sich auf einen ersten Bericht, den zwei Beamte verfasst haben, die an den Festnahmen beteiligt waren. Darin steht aber nichts über Pfefferspray oder Schlagstöcke. Wohl aber etwas über ein Tütchen Marihuana, das man bei einem der beiden Festgenommenen fand. Außerdem wurden gegen beide Anzeigen geschrieben, unter anderem wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Insgesamt waren zwölf Polizisten vor Ort. Befragt werden konnte noch keiner, die Beamten des Nachtdienstes hatten am Dienstag frei. Diese Gespräche stehen aber in Kürze an. „Wir wollen das lückenlos aufklären und nichts unter den Teppich kehren”, verspricht Schmitz. „Aber wir können den Einsatz noch nicht abschließend bewerten.” Alexander Klee, der sich am Dienstag auch schriftlich bei der Aachener Polizei beschwerte, tut das schon: „Das war ein total missglückter Einsatz.”
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