Aachen - Gazebo: Hier sind Flüchtlinge die Experten

Gazebo: Hier sind Flüchtlinge die Experten

Von: Ricarda Timm
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Interkulturelles Lernen mit geflüchteten Jugendlichen: Ingenieurin Roya Abel (blaues Shirt) und Tanja Wansel von der Sparkasse (rechts daneben) begleiteten das Projekt Gazebo. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Am Couven-Gymnasium ist in diesen Tagen ein wertvolles Projekt zu Ende gegangen: Gazebo. Es ist so einfach wie genial: Schülerinnen und Schüler aus Integrations- und aus regulären Klassen werden mit schuljahrbegleitenden technischen AGs und Projekten von Studierenden zusammengebracht.

Interkulturelles Lernen, Begabungen und technisches Knowhow – das alles wird auf einmal gefördert. Idee und Umsetzung stammen von den Aachener Ingenieuren ohne Grenzen. Die studentische Hilfsorganisation setzt sich nicht nur für Entwicklungszusammenarbeit in fernen Ländern ein, sondern auch für die Förderung interkultureller Kommunikation in der Region. Eine „Win-win“-Situation. Denn sowohl die geflüchteten Kinder, als auch die regulären Schüler können einiges dazulernen. Und das auf mehreren Ebenen.

Solare Station für Handys

Thema am Couven-Gymnasium waren erneuerbare Energien, zu denen kleine und große Erfindungen umgesetzt werden konnten. Das große Abschlussprojekt wird eine solare Handy-Ladestation, die in der Schule aufgestellt wird.

Eine der Stärken des Projektes war es, Bau- oder Bedienungsanleitungen in den Muttersprachen der geflüchteten Kinder herauszugeben. Ein Perspektivwechsel, der die geflüchteten Kinder zu Experten machen, auf die die deutschen Kinder angewiesen sind. „Die Technik wirkt hier also als Mittel zum Zweck“, erklärt Ingenieur Robin Krekeler.

Dass das Projekt fruchtet, ist deutlich in der Gruppe sichtbar. Zwischen den Schülerinnen und Schülern entstehen Freundschaften, in der Pause wird gemeinsam auf dem Schulhof gekickt. Die kulturellen und sprachlichen Hürden werden nebenbei und gemeinsam überwunden und mit den Projektleitern zusätzlich reflektiert.

Am Couven-Gymnasium ist das Programm mit den Projekttagen in der letzten Schulwoche abgeschlossen worden. Zuvor gab es seit Februar 2016 eine AG für 20 Kinder aus den Klassen 6 bis 9. In der Projektwoche konnten nun auch Schülerinnen und Schüler teilnehmen, die zuvor nicht in der AG dabei waren.

Das schafft zusätzlich Möglichkeiten, dass erfahrenere Schülerinnen und Schüler Neuankömmlingen (ob geflüchtet oder nicht) Mentoren sein können. Die Kompetenzen, die hierbei intra- und interkulturell erlernt werden, seien von elementarer Bedeutung, so Tanja Wansel vom Förderer, der Sparkasse Aachen.

Die Planung hat bereits im August 2015 begonnen. Fördergelder mussten akquiriert und interessierte Schulen gefunden werden. Durch das „zdi“-Netzwerk (Zukunft durch Innovation) Aachen und Kreis Heinsberg konnte schnell Kontakt zu Schulen hergestellt werden, die inzwischen auch separate Integrationsklassen eingerichtet haben.

Fortsetzung erwünscht

Die Bürgerstiftung für die Region der Sparkasse Aachen begeisterte sich schnell für dieses Projekt. Die Fördersumme für diese „erste Runde“ betrug rund 9000 Euro. Das Couven-Gymnasium ist die erste Schule, an der das Projekt stattfinden konnte, eine weitere ist das Carolus-Magnus-Gymnasium in Übach-Palenberg.

Ingenieure ohne Grenzen würden das Projekt aber gerne fortsetzen und ausweiten. „Wir würden uns freuen, wenn es auch auf die anderen Schulformen ausgeweitet würde“, erklärt Robin Krekeler. Schulen, die sich dafür interessieren, können sich unter https://www.ingenieure-ohne-grenzen.org/de/projekte/fluechtlinge-iog02 informieren und melden.

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