Gates glänzende Geschäfte kosten 350 Jobs

Von: Robert Esser und Thorsten Karbach
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Dunkle Wolken über der Produktionsstätte von Gates: Der Automobilzulieferer wird ab 2010 nicht mehr in Aachen produzieren. 350 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wie geschmiert läuft das Geschäft mit hochmodernen Ölpumpen aus Aachen, in drei Schichten, 24 Stunden pro Tag - trotz Konjunkturkrise. Sogar einen neuen Großauftrag hat der Automobilzulieferer Gates in Rothe Erde in der Tasche.

Der garantiert in anderthalb Jahren Pumpenproduktion in riesigen Stückzahlen. Allerdings nicht mehr aus der Kaiserstadt, sondern aus dem türkischen Billiglohn-Standort Izmir.

Bis 2010 fallen 350 der rund 500 Jobs am Aachener Standort nach dem Willen der amerikanischen Gates Corporation weg. Gates ist in der Hand des börsennotierten Mega-Konzerns Tomkins PLC.

Die Belegschaft reagierte am Donnerstagmittag entsetzt auf die Hiobsbotschaft, die der langjährige Geschäftsführer Lambert Pasch - neben seinem jüngeren englischen Co-Chef Gordon Hensley - vor versammelter Mannschaft aussprechen musste.

Sämtliche Mitarbeiter wurden nach Hause geschickt, die Produktion gestoppt. Gleichzeitig ließ man die Telefonanlage des Betriebs sperren.

Verordnete Funkstille, sogar im Pförtnerhäuschen. Der Betriebsratsvorsitzende Klaus Meyer vereinbarte indes für Freitagmorgen, 9 Uhr, ein Krisengespräch mit Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden.

„Erst müssen wir uns ein umfassendes Bild von der Situation bei Gates machen - dann den Menschen helfen, soweit die Politik dies eben kann”, sagt der OB am Abend.

Es sei „eine strategische Entscheidung”, „Kapazitäten sollen konsolidiert und Produktionskosten gesenkt werden”, heißt es am Donnerstag lapidar in einer Presseerklärung von Gates.

Dahinter steckt mehr. Auch für Pasch, der einräumt, am Donnerstag den schwersten Gang nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit erlebt zu haben.

In dieser Zeit habe der Aachener Betrieb die Umsätze von 20 auf über 160 Millionen Euro gesteigert. 120 Mitarbeiter habe man vor 25 Jahren am Eisenbahnweg gezählt, jetzt 500 - bald nur noch 150.

„Davon hat niemand etwas geahnt”, betont Pasch. Im November habe er bei einer Betriebsversammlung noch geschwärmt, wie profitabel man in Aachen arbeite.

Vor kurzem nahm Gates hier sogar noch zwei neue Produktionslinien in Betrieb. Und derzeit werden neue Büros gebaut. „Alles ist wie neu. In Topzustand”, sagt Pasch.

Doch die Entscheidung steht. In Izmir wird ein Werk aus dem Boden gestampft. Dafür wird neben Aachen das Werk in Erembodegem (bei Brüssel) eingedampft.

Nur Forschung und Entwicklung bleiben in der Kaiserstadt. „Aus Sicht des Konzerns ergibt die Entscheidung Sinn”, muss Pasch erklären. Und fügt hinzu: „Man erinnert sich an Nokia.”

Indes schlagen Mitarbeitervertreter in Aachen Alarm. Für die Industriegewerkschaft Bergbau Energie Chemie ergibt das Aus für die Gates-Produktion keinerlei Sinn: „Das ist keine Entscheidung, die sich betriebswirtschaftlich festmachen lässt. Aachen gehört zu den rentabelsten Standorten Europas. Das muss politische Gründe haben”, sagt Gewerkschaftssekretär Dennis Radtke.

„Wir werden das nicht kampflos hinnehmen.” Radtke weiß um die gute Auftragslage bei der technisch weit entwickelten Ölpumpen-Produktion.

Anders das Zahnriemengeschäft: Der Markt werfe weniger ab, heißt es. Deswegen soll die zweite Gates-Produktschiene - Gummi-Zahnriemen - nach Schottland abwandern.

„Unsere Mitarbeiter können nichts dafür, sie genießen einen super Ruf - bei Kunden und Konzernspitze”, betont Pasch.

350 Menschen wird das ab 2010 kaum trösten. Bis Montag, 6 Uhr, haben alle frei. Dann soll die Produktion wieder laufen. „Jetzt beginnt eine harte Zeit”, seufzt der Chef.
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