Ganztagsschule: Der Ausbau läuft gut, doch es fehlt an Fachkräften

Von: Stefan Herrmann
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Für viele ein Erfolgsmodell: In Aachen besuchen im laufenden Schuljahr 5063 Kinder eine offene Ganztagsgrundschule. Foto: imago/Joker

Aachen. Eine gute offene Ganztagsschule in NRW zu finden ist in großen Teilen Glückssache. Denn es laufe an vielen Stellen reichlich holprig im System OGS. So lautete zumindest der Tenor zahlreicher Medienberichte in jüngerer Vergangenheit. Für Aachen, so stellten es am Donnerstag Verwaltung, Politik und beteiligte Träger klar, gelte dieses Bild keinesfalls.

Im Gegenteil: „Wir sind im Großen und Ganzen im Landesvergleich vorbildlich aufgestellt“, betonte Heinrich Brötz, Leiter des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, im Rahmen einer Bilanz-Pressekonferenz. Und dies zeige sich sowohl in der Quantität als auch in der Qualität des Angebots, pflichtete ihm der Vorsitzende des Kinder- und Jugendausschusses, Bernd Krott (SPD), bei. Trotzdem sind sich die Verantwortlichen bewusst, dass weitere Herausforderungen beim OGS-Ausbau auch in Aachen gemeistert werden müssen.

224 Gruppen an 34 Grundschulen

Eine besonders schwerwiegende Aufgabe liege vor allem darin, auf dem in großen Teilen leer gefegten Markt geeignetes Fachpersonal zu finden, bestätigte Stefanie Koszucki von der Arbeitsgemeinschaft OGS. „Wir haben eigentlich fast immer Bedarf“, sagte sie. Derzeit arbeiten etwa 500 festangestellte Menschen, davon knapp 100 bei der Stadt, in dem Bereich.

Hinzu kommen Kursleiter für besondere Angebote. In diesem Schuljahr ist die 5000-Plätze-Schallmauer durchbrochen worden. In der Regel 25 Kinder besuchen eine der insgesamt 224 OGS-Gruppen an 34 Grundschulen im Stadtgebiet.

Neben der Stadt sind zehn freie Trägerorganisationen mit ihren Angeboten engagiert (Verein Betreute Grundschulen, In Via, Pädagogisches Zentrum, Verein Kinder- und Jugendhilfe Driescher Hof, Verein Euro-Jugend, Verein Zauberhut, Förderverein Grundschule Haaren, Förderverein Grundschule Brühlstraße, Pfarrei Christus unser Bruder, Pfarrei St. Anna in Walheim).

Doch die reinen Fakten und Daten sind für die Schulausschussvorsitzende Maria Keller (CDU) nur eine Seite der Medaille. „Es geht nicht allein um die Zahlen, es geht um die Kinder“, sagt sie. Und gerade bei den Qualitätsstandards sei man in Aachen sehr gut aufgestellt.

Dies liege daran, dass man vom Schuljahr 2003/04 an – dem Start der OGS in Aachen mit damals 140 Kindern – pädagogische Konzepte erstellt und stetig erweitert habe, die in NRW gerade zu Beginn keinesfalls üblich gewesen seien. Dazu habe unter anderem die intensive Vernetzung der beteiligten Akteure – von den Verwaltungen von Stadt Aachen und Städteregion über die Schulen, Träger und das Fachpersonal – beigetragen.

Deutlich wurde aber auch mit jedem weiteren Jahr OGS: Die tatsächliche Nachfrage der Eltern nach Plätzen überstieg schnell die ersten Prognosen. Ging man zunächst von gerade einmal 30 Prozent der Grundschulkinder aus, die den offenen Ganztag besuchen werden, liegt die Quote im aktuellen Schuljahr bereits bei 68,5 Prozent.

Die Zahl 70 Prozent ist als (nächste) Ausbaustufe von der Politik bereits festgezurrt und mit entsprechenden Finanzmitteln im Haushalt hinterlegt worden. Doch auch dieses Ziel dürfte, so vermuten es die Experten, mittel- und langfristig nicht reichen. „Daher ist ein großes Thema, das uns derzeit beschäftigt, die Raumfrage“, sagt Krott. Denn an vielen Schulen ist das Raumkonzept trotz multifunktionaler Nutzung mittlerweile ausgereizt. Vor allem die Mensen sind oftmals viel zu klein.

Die Verpflegung der Kinder am Mittag stellt Schulen und OGS-Betreiber vor enorme organisatorische Aufgaben. Die Politik hat daher auch in diesem Bereich ein weiteres Ausbauprogramm abgesegnet. In einer ersten Phase werden die Grundschulen Am Höfling, Hanbruch, Passstraße und Michaelsbergstraße ausgebaut.

Zehn Millionen Euro pro Jahr

Was aber bereits jetzt gelungen sei, darüber freut sich Magda Wiesener besonders. „Die Zeiten der langen Wartelisten von Eltern, die auf einen OGS-Platz für ihr Kind warten müssen, haben wir größtenteils nicht mehr“, berichtet die Teamleiterin OGS des zuständigen städtischen Fachbereichs.

Bleibt die Frage nach dem Geld: Das System OGS schlägt in Aachen mit gut zehn Millionen Euro pro Jahr zu Buche. Die Hälfte davon finanziert das Land, knapp zwei Millionen Euro spülen Elternbeiträge in die Kasse, 3,5 Millionen Euro steuert die Stadt als freiwillige Leistung bei.

„Davon ist jeder Cent gut investiertes Geld“, ist Krott überzeugt. Wohl wissend, dass absehbar wohl noch mehr Geld in die Hand genommen werden muss, um den offenen Ganztag in Aachen weiter an die Bedürfnisse der Kinder, Eltern und Schulen anzupassen.

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