Ganz im „Dienste Ihrer Märkte“

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Intelligent und unterhaltsam: Die Kabarettgruppe „Muita Merda“ begeisterte ihr Publikum mit dem neuen Programm.

Aachen. Über 70 Besucher waren der Einladung von Verdi gefolgt, um das neue Programm „Im Dienste Ihrer Märkte“ der Aachener Kabarettgruppe „Muita Merda“ zu erleben. Die vier Frauen und zwei Männer hatten ihr neues Programm ganz im Sinne der „Götzen dieser Zeit“ gestellt, die „längst nicht mehr von den zehn Geboten des Alten Testamentes, sondern von den drei großen Gs – Geld, Gier und Geiz – diktiert werden“.

Dabei bekamen aber nicht nur die Zocker ihr Fett weg, sondern auch die Politiker, die „als Marionetten der Finanzwirtschaft dieses Zocken erst möglich gemacht haben“. Schließlich blieb auch der kleine Mann nicht vom Spott verschont. Etwa wenn er feststellen musste, dass sich sein eigenes Verhalten gar nicht so sehr von den Zockern unterscheidet. Vor allem aber die Politiker, die vorgeben, alles im Griff zu haben, wurden auf die Schippe genommen: Die Kanzlerin etwa, die als Lady Aha (Gaga) mit einem tänzelnden Westerwelle an ihrer Seite gesanglich alles an sich abperlen lässt und sich an ihren eigenen Lobsängen erfreut. Böse, wie im Stile eines James Bond der Nahrungsmittel-Spekulant „Ramsch Bond“ feststellte: „Den Hunger in der Welt kann man nicht bekämpfen.

Aber organisieren kann man ihn schon.“ Das Bondgirl merkte an: „Meine Oma hat immer gesagt, mit Essen spielt man nicht.“ Köstlich, wie sich die emanzipierte, engagierte Frau von heute oder der rassenreine Hundebesitzer sich Stück für Stück selbst entlarven. Schonungslos, wie der kleine Mann mit seinen Vorbehalten gegenüber den Griechen erkenne musste, dass sein Steuergeld gar nicht an Griechenland, sondern an die Banken geflossen ist. Unterhaltsam, wo der Waffenhändler in bekannten Loriot-Szenen eingebaut wurde und sich die Verkaufsstrategie gegenüber Heern Assad ins Absurde drehte. Entlavernd, wo die Quizshow nur noch vom Hype um die eigene Begeisterung, Einschaltquote und Oberflächlichkeit lebte. Kurios, wie sich eine unsichere Arbeitslose voller Hoffnung an der Körpersprache von Angela Merkel orientierte. Mitleiderregend, wie ein alter Mann auf der Suche nach einer neuen Leber bei der Hotline eines kommerziellen Organhandels landete. Über all das thronte der unerschütterliche Glaube an die Macht der Märkte.

Begleitet von der Pianistin Lydia Hilgers gelang es der Gruppe, aktuelle politische und nicht nur die leichtverdaulichen Themen der Zeit in einer äußerst unterhaltsamen Weise aufzubereiten. Lieder, Texte und gespielte Szenen mit Anleihen an die derzeitigen Jubiläen von Loriot und James Bond wechselten in dem bunten Nummernkabarett einander ab.

Das Publikum war begeistert und entließ die Kabarettisten Claudia Häfner, Iris Witt, Josie Bockholt, Jürgen Jansen, Katharina Lennartz und Kurt Lennartz erst nach drei Zugaben.

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