Aachen - Ganz Hahn feiert den schwarz-gelben Bilderbuchtag

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Ganz Hahn feiert den schwarz-gelben Bilderbuchtag

Von: André Schaefer
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Beim Einmarsch dominierte Alemannia auf den Tribünen: Die beiden Kapitäne Kevin Klinkenberg und Michael Lejan (links im schwarzen und schwarz-gelb gestreiften Trikot) mit kleinen Hahnern an der Hand. Am Ende randalierten die großen Alemannia-Fans – mal wieder. Foto: Wolfgang Birkenstock
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Hat manches Spiel erlebt – das vom Samstag wird er nicht vergessen: Heinz Esser (rechts) durfte zwei Mal für seinen Verein jubeln.
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Sonderschals: Die beiden langjährigen Vereinsmitglieder Ellen und Udo Kindel verkauften Fan-Utensilien, die historischen Wert bekommen.
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Bitteres Ergebnis für Alemannia Aachen: Der Bezirksligist FC Inde Hahn erzielte am Ende einen deutlichen 2:1-Sieg. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Heinz Esser verschlägt es selten die Sprache. Das Hahner Urgestein, das seit 1967 Dauergast am Kitzenhausweg ist, dürfte den meisten Zuschauern des FC Inde Hahn besonders wegen seiner Stimme bekannt sein. Schließlich ist Esser Inde Hahn-Fan mit Leib und Seele. Ein misslungener Fehlpass ist schon mal schnell der Grund dafür, dass der Rentner während des Spiels lautstark flucht. Böse ist ihm deswegen niemand.

Den einen oder anderen Fehlpass hat es am Samstag in den Reihen der Hahner gegen den immer noch großen Favoriten von der Krefelder Straße auch gegeben. Wie in jedem Spiel. Zu hören war Essers Stimme hingegen ausnahmsweise nicht. An diesem Nachmittag, dem größten Ereignis der Vereinsgeschichte, saß das Urgestein wie paralysiert auf seinem Sitzplatz mit bester Aussicht auf den Rasen, wo seine Mannschaft gerade gegen den Regionalligisten Alemannia Aachen für etwas gesorgt hatte, über das man in dem kleinen Dorf im Süden Aachens vermutlich noch in 100 Jahren reden wird.

„Wir werden heute zumindest nicht hoch verlieren“, war sich Esser vor der Erstrundenpartie im Mittelrhein-Pokal sicher. Dass nach 90 packenden und leidenschaftlichen Minuten ein verdienter 2:1-Sieg des Bezirksligisten auf dem Papier stehen sollte, hätte sich hingegen auch Esser in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. „Das wird man wahrscheinlich erst nach einer oder zwei geschlafenen Nächten so richtig realisieren“, strahlte auch Hahns Vorsitzender Helmut Jentges nach dem Pokalkracher.

An Schlaf war in den vergangenen zehn Tagen bei dem sympathischen 404 Mitglieder großen Verein nicht zu denken. Jeder Einzelne aus dem rund 20-köpfigen Organisationsteams konnte einen 15-Stunden-Tag nicht unterbieten. Der enorme Aufwand sollte sich jedenfalls lohnen. Noch vor dem Anpfiff ertönten die ersten Lobeshymnen – und zwar aus dem Lager der Alemannia: „Wer solch einen Kraftakt in solch einem Rahmen auf die Beine stellt, verdient ein riesen Kompliment“, begrüßte Alemannias Stadionsprecher Robert Moonen die gut 2400 angereisten Zuschauer in der eigens für das Spiel installierten kleinen Arena am Kitzenhausweg.

Dass der Anstoß eine viertel Stunde später erfolgte, war das einzige Ereignis, das an diesem Tag aufgrund des zwischenzeitlich stauenden Verkehrs außer Plan lief. „Der Stau auf der Hahner Straße hat auch etwas Gutes, denn jetzt hat auch der letzte Hahner bemerkt, dass hier oben etwas Großes passiert“, nahm Jentges den verspäteten Anpfiff mit Humor.

Alle im Vorfeld durchaus berechtigten Bedenken hinsichtlich An- und Abreise sowie der provisorischen Parkplatzsituation räumte der Bezirksligist mit all seinen fleißigen Helfern wie selbstverständlich aus dem Weg. Ja, man hätte meinen können, der FC Inde Hahn empfange quasi wöchentlich große Vereine zu großen Spielen. „Es ist uns wichtig, zu zeigen, dass auch wir als kleiner Verein etwas leisten können“, betonte Jentges.

Die große nicht kalkulierte Feuertaufe gab es dann ausgerechnet in dem Moment, als ganz Hahn in einem schwarz-gelben Freudenrausch die Pokalsensation bejubelte. Denn während die einen ihr Glück nach Spielende kaum fassen konnten, sorgten die anderen Schwarz-Gelben von der Krefelder Straße für Unruhe. Anhänger der Alemannia ließen ihrem Zorn ob der peinlichen Vorstellung des Regionallisten freien Lauf, randalierten vor der Gästekabine und blockierten zwischenzeitlich die Ausgänge. Mit Hilfe der Polizei sowie der 60 Ordnungskräfte konnte die aufgeladene Stimmung jedoch nach kurzer Zeit beruhigt werden.

Der schönste und bislang mit Sicherheit ereignisreichste Tag der Hahner Vereinsgeschichte wurde durch die Szenen nach Spielende nicht getrübt. „Ein bisschen werden wir feiern, aber wir bleiben auf dem Teppich“, meinte ein glücklicher und erleichterter Jentges.

Am kommenden Donnerstag steht in Hahn der Alltag wieder auf dem Plan. Zum Meisterschaftsspiel gegen Spartha Gerderath wird es dann keine 60 Ordnungskräfte, keine 1000 Parkplätze und auch keine 2400 Zuschauer geben. Vermutlich wird es rund 100 Besucher zum Kitzenhausweg verschlagen. Heinz Esser wird jedenfalls dabei sein. Seine Stimme wird man dann auch wieder hören.

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