Aachen - „Ganz gleich, welcher Herkunft: Jedem wird geholfen“

„Ganz gleich, welcher Herkunft: Jedem wird geholfen“

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
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Setzt auf Solidarität für alle, die kein eigenes Dach über dem Kopf haben: Simone Holzapfel, Leiterin des Café Plattform.

Aachen. Täglich sind derzeit ungezählte Menschen im Einsatz für die Flüchtlingshilfe. Drohen „traditionelle“ Anlaufstellen für Gestrandete angesichts der aktuellen Entwicklung ins Hintertreffen zu geraten? Eher im Gegenteil, meint Simone Holzapfel.

„Das Miteinander klappt sehr gut“, sagt die Leiterin der Caritas-Einrichtung für Obdachlose am Veltmanplatz. Aber: „Wir benötigen noch einiges an Spendengeldern, um unser Angebot aufrecht erhalten zu können.“

Naturgemäß weiß niemand genau, wie viele Flüchtlinge sich derzeit „illegal“ in Aachen aufhalten. Wie bekommen Sie das zu spüren?

Holzapfel: Wir bekommen dies relativ wenig zu spüren. Zu uns kommen einige, die inzwischen länger in Deutschland sind und ihre erste Unterkunft verloren haben oder einige, die sich nicht länger in Deutschland aufhalten dürfen, aber die Hoffnung haben, doch noch eine Arbeit zu finden, um bleiben zu können. Insgesamt kommen inzwischen mehr Menschen unterschiedlichster Nationalitäten zu uns. Das Miteinander klappt aber sehr gut, auch wenn ungewöhnliche Wege der Verständigung entwickelt werden.

Sehen Sie die Gefahr, dass „normale“ Obdachlose gegen Asylsuchende ausgespielt, dass sie sozusagen angesichts der aktuellen Debatten „vergessen“ werden?

Holzapfel: Ich sehe, dass es tatsächlich manchmal geschieht, dass Obdachlose gegen Asylsuchende ausgespielt werden und dass in den Notlagen unterschieden wird. Wir hatten anfänglich Menschen, die ausschließlich an Flüchtlinge spenden wollten, und seit ein paar Wochen haben wir Menschen, die möchten, dass die Spenden nur an deutsche Obdachlose gehen. Da für mich der Gedanke der Nächstenliebe zählt, werde ich sicher nicht die verschiedenen schwierigen Lebenssituationen gegeneinander ausspielen. Jeder, der Unterstützung braucht, muss sie, gleich welcher Herkunft, bekommen. Wir unterstützen alle Menschen, die unsere Hilfe benötigen.

Haben Sie jetzt Probleme, ehrenamtliche Helfer zu halten und vor allem neue zu gewinnen?

Holzapfel: Nein, im Gegenteil. Ich habe den Eindruck, dass wir von der Hilfsbereitschaft der Menschen profitieren, da durch die Flüchtlingsdebatte viele auf die Idee gekommen sind, sich ehrenamtlich zu betätigen. Viele haben durch dieses Interesse den Weg zu uns gefunden. Ich finde toll, dass es doch sehr viele Menschen gibt, die aktiv unsere Gesellschaft mitgestalten wollen. Wir konnten in den letzten Wochen einige neue Ehrenamtliche gewinnen.

Spüren Sie einen Spendenrückgang, weil das Thema Flüchtlinge derzeit alles beherrscht?

Holzapfel: Diesen Zusammenhang möchte ich so nicht sehen. Ja, wir benötigen noch einiges an Spendengeldern, um unser Angebot so aufrecht erhalten zu können, aber dies liegt sicher nicht an der Flüchtlingsdebatte. Ich möchte niemanden dafür verantwortlich machen, wenn uns noch Spendengelder fehlen. Viele Einrichtungen benötigen Unterstützung, jeder wirbt für seine Arbeit, und die Spender entscheiden, wofür sie ihr Geld geben möchten. Wenn uns noch Gelder fehlen, liegt das allein daran, dass wir nicht kreativ genug waren, unser Anliegen zu transportieren.

In der Politik ist im Herbst hart um die Zuschüsse der Städteregion für die Wohlfahrtsverbände gerungen worden. Ist die Förderung des „Plattform“ zumindest im gleichen Rahmen gesichert wie bislang?

Holzapfel: Wir vom Café Plattform waren von dieser Diskussion nicht betroffen, so dass die bisherige Finanzierung durch die Stadt im selben Rahmen weiterläuft wie bisher, das heißt, die Notschlafstelle wird zu 100 Prozent von der Stadt Aachen finanziert, und das Café Plattform bekommt einen Zuschuss, welcher aber bei weitem nicht ausreicht, um die Kosten für unser Café zu decken. Daher benötigen wir jedes Jahr sehr viel Geld, um unsere Anlaufstelle zu sichern.

Reichen die Kapazitäten, wenn der Winter härter wird?

Holzapfel: Im Winter wird es in jedem Jahr knapp, aber wir werden jedem, der kommt, eine Schlafmöglichkeit zur Verfügung stellen. Wenn die Betten nicht ausreichen, helfen wir uns mit Isomatten und Schlafsäcken. Keiner muss draußen schlafen.

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