Ganz besonderes Interesse am kleinen Karl

Von: Hans-Peter Leisten
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Sie hat einen Karl: Karin Schölers (am Mikro) Söhne waren in der Domsingschule und im Domchor – da ist ein Herrscherabbild für sie ein „Muss“. Foto: Andreas Herrmann
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Absprachen vor der Präsentation: Stadtpressesprecher Hans Poth (rechts) und sein Kollege der FH, Roger Uhle (links) gehen mit dem Künstler Ottmar Hörl die letzten Informationen durch. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Botschaft an zwei bislang unbekannte Diebe: Man kann die Karlsfiguren auch noch kaufen. Nur für den Fall, dass es sich bei den Männern um Kunstliebhaber handeln sollte, die vor lauter Gram über den vermeintlichen Ausverkauf zwei Karlsfiguren vom Katschhof stibitzten.

Kurz vor 6 Uhr reduzierte sich die Zahl der Figuren am Sonntagmorgen von 495 vorübergehend auf 493 – immerhin ein goldener Karl wurde nach Verfolgung eines ersten Diebes durch den Sicherheitsdienst kurze Zeit später an der Klappergasse wiedergefunden.

Der Kaiser hatte sich dann doch als zu schwergewichtig erwiesen. Und auch der rechtmäßige Besitzer der zweiten – immer noch vermissten – Figur kann sicher sein, das der Vater der überaus imposanten Installation auf dem Katschhof, der Künstler Ottmar Hörl, einen Ersatzmann signieren und mit der limitierten persönlichen Besitzernummer versehen wird. Es waren gerade mal 18 Stunden seit der offiziellen Eröffnung der Open-Air-Ausstellung „Mein Karl 2014“ vergangen – man darf den Diebstahl durchaus als extravanganten Beweis für das enorme Interesse an den purpurnen und goldenen Figuren interpretieren. Und man darf sagen: So hat den Katschhof noch niemand gesehen.

Mit den Worten „Die Ausstellung ist eröffnet“ schloss Oberbürgermeister Marcel Philipp seine Begrüßung am Samstagvormittag auf dem historischen Platz zwischen Dom und Rathaus. Da konnte auch die Öffentlichkeit einen ersten offiziellen Blick auf die 495 Abbilder des fränkischen Kaisers, der dem Kunstprojekt „Mein Karl 2014“ den Namen gegeben hat, werfen. Auf ein hölzernes Lattenraster hat der Konzeptkünstler Ottmar Hörl seine Karlsfiguren platziert und damit das Karlsjahr auch augenfällig eröffnet.

Dass die Installation ein Erfolg wird, ist angesichts der enormen Besucherzahl zur Premiere zu vermuten. Denn es waren weit mehr als die Käufer der Figuren vor Ort. Aber genau sie sind es, die dem Projekt bereits vor seiner Präsentation zum Erfolg verholfen hatten. So wurden nicht nur die Kosten vorab gedeckt, das Interesse war und ist so groß, dass auch weiterhin Figuren verkauft werden. Bislang haben 700 Karl-Figuren ein neues Zuhause gefunden. „Es ist das erste Mal, dass Privatleute einer Stadt eine Ausstellung komplett finanziert haben. Dafür gehört den Bürgern mein Dank“, lobte Hörl selbst diese besondere Form von Bürgerinitiative.

Überblick übers Reich wahren

Er sei vor 20 Jahren mit seiner Kunst auf die Straße gegangen: „Kunst sollte man nicht für 200 Leute machen“, präzisierte er seinen gedanklichen Grundansatz. Die Grundfläche des Katschhofes ist jetzt komplett gefüllt mit den Abbildern des Frankenherrschers, der zwar in strenger Symmetrie aufgestellt ist, aber in alle Himmelsrichtungen blickt. Die Idee, die dahinter steckt: „Karl musste den Überblick wahren, um sein Reich zusammenhalten zu können“, erklärte Hörl die Ausrichtung der Figuren.

Er selbst habe sich als Künstler zurückgenommen und bewusst keine originäre Skulptur geschaffen. Es sei nicht darum gegangen, ein zwei Meter hohes Denkmal des Kaisers zu kreieren. „Die Figuren sollen jetzt in die Welt hinausgehen und die Idee des Botschafters für Aachen und das Karlsjahr 2014 übernehmen. Ich hoffe, dass diese Idee funktioniert. Die Botschaft wird um die Welt gehen und dazu gratuliere ich der Stadt Aachen“, beschrieb der Künstler seine Intention. In der Tat haben viele überregionale Medien – auch die New York Post und ABC News – schon aktuell über die Aachener Aktion berichtet.

Die Nr. 1 kommt ins Rathaus

Die soll jetzt nach der Überzeugung des Oberbürgermeisters viele Fragen provozieren. Auch die, ob der Herrscher verniedlicht werde. Oder ob es vielleicht zu viel Karl in Aachen sei. In einem Punkt ließ Philipp aber keine Frage zu: „Das Ganze hier sieht phantastisch aus.“

Er selbst wird sich künftig an der signierten Nr. 1 in Gold erfreuen können. „Die bekommen Sie dafür, dass wir Ihre Hälfte des Katschhofes nutzen dürfen“, dankte Werner Schlösser, Direktor des Aachen Tourist Service und einer der Hauptmotoren bei der Umsetzung der Aktion. Die Nr. 2 geht ans Domkapitel, dem die zweite Hälfte des Platzes gehört. Die anderen Figuren sollen jetzt möglichst im öffentlichen Raum – auf Plätzen, in Schaufenstern, in Hotels – ihr vorübergehendes werbewirksames Zuhause finden. Und könnten am Ende des Jahres in Privaträumen verschwinden – und dann wirklich „Mein Karl“ werden.

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