Ganoven-Posse endet mit drei Haftstrafen

Von: Janou Müller-Beuermann
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Aachen/Düren. Ein dubioser Fall von gemeinschaftlicher Freiheitsberaubung und versuchter Nötigung ist nach 28 Verhandlungstagen vor dem Landgericht Aachen mit der Verhängung von Freiheitsstrafen zu Ende gegangen.

Zwei 29 Jahre alte Haupttäter verurteilten die Richter der 6. Großen Jugendkammer zu zweieinhalb und zwei Jahren Haft ohne Bewährung. Ein Mitläufer wurde zu anderthalb Jahren ohne Bewährung verurteilt. Der Vierte im Bunde kam mit einer Verwarnung nach Jugendstrafrecht davon.

Sondereinsatz am Badesee

Das Quartett aus Dänemark habe im vergangenen September einen 52 Jahre alten, aus Ägypten stammenden Aachener an den Dürener Badesee verschleppt, um die Auszahlung von mehreren tausend Euro zu erzwingen, begründete der Vorsitzende Richter Hans Günter Görgen das Urteil.

Sondereinsatzkräfte der Polizei hatten die Aktion damals beendet. Hintergrund sei laut Görgen die Geschichte um ein gefälschtes Ausweisdokument, die die Überschrift „Ganoven unter sich“ verdiene. Einer der Täter habe sich über Verwandte aus Aachen einen falschen Pass für 7000 Euro besorgt, um im August 2014 über Brüssel in die Türkei zu fliegen.

Er sei aber nicht hin-, sondern aufgeflogen, habe sich bei den belgischen Behörden als syrischer Flüchtling aus Deutschland ausgegeben und sei abgeschoben worden. In Aachen habe er das Geld für den miserabel gefälschten Ausweis zurückgefordert. Weil er aber hingehalten worden sei, habe er Verstärkung aus Dänemark herbeigerufen. Gemeinsam habe das Quartett das vermeintliche Opfer aufgesucht und im Auto nach Düren gekarrt.

Der Verschleppte hatte vor Gericht erklärt, er habe vom Badesee aus wiederholt Freunde anrufen müssen, die Geld besorgen sollten. Sein Sohn soll später unter falschem Namen die Polizei eingeschaltet haben, die das Geschehen schließlich beendete.

Dass der 52-jährige Verschleppte das reinste Unschuldslamm ist, davon gingen die Richter nicht aus. Einer der Angeklagten hatte ihn als Mitglied einer Schleuserbande bezeichnet, die Menschen arabischer Herkunft illegal nach England bringen. Ob das stimmt, versucht die Staatsanwaltschaft jetzt herauszufinden. Ermittlungen gegen den Mann wurden eingeleitet. Im Prozess jedenfalls habe er es mit der Wahrheit nicht so genau genommen, sagte Görgen. Das Lager der Angeklagten aber auch nicht. „Keiner hatte ein Interesse, den Richtern die Wahrheit näher zu bringen“, fasste der Richter zusammen.

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