Ganoven fahren auf Parkautomaten ab

Von: Robert Esser
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Kiloweise Münzen: Der Diebstahl eines Parkscheinautomaten ist ein „schweres Vergehen”. Foto: Plitzner

Aachen. Kriminelle fahren offenbar wieder auf Parkscheinautomaten ab: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen haben unbekannte Täter einen kompletten Ticketapparat in Aachen abmontiert und gestohlen. Am Karnevalswochenende war ein Parkscheinautomat in der Oligsbendengasse von der Halterung gesägt und abtransportiert worden. Jetzt nahmen Ganoven ein Gerät an der Borngasse/Wespienstraße ins Visier - wurden aber diesmal von einer Überwachungskamera gefilmt.

„Wir gehen davon aus, dass die offenbar erfahrenen Täter schweres Metallschneidewerkzeug verwendet haben”, erklärte Herbert Sliwinski, Prokurist der Aachener Parkhaus GmbH (APAG). „Das muss ziemlichen Lärm verursacht haben. Uns wundert, dass sich noch keine Zeugen gemeldet haben.”

Zwischenzeitlich behebt die APAG den Sachschaden. Sie kümmert sich in der Kaiserstadt um 230 Parkscheinautomaten. Jedes Gerät kostet zwischen 3000 und 5000 Euro. Zwei der Ticketkästen, jeder rund 30 Kilogramm schwer und eigentlich alarmgesichert, sind mit den Tätern - wahrscheinlich per Auto - verschwunden. Die APAG bittet die Bürger darum, etwaige Beobachtungen der Raubzüge oder andere Auffälligkeiten an Aachens Parkautomaten der Polizei oder der APAG-Leitstelle unter 41351300 zu melden.

Raubzüge auf die kiloschweren Münzsafes in den Parkzettel-Maschinen haben eine lange Tradition. Von 2000 bis 2003 zweigte ein Beamter, der für die Aachener Stadtverwaltung das Kleingeld aus sämtlichen Parkuhren zählen sollte, mindestens 950.000 Euro in die eigene Tasche ab - Münzen mit einem Gesamtgewicht von bis zu 18 Tonnen. Vier Jahre und drei Monate schickte das Landgericht den Mann hinter Gitter. Dort landete auch eine ausländische Bande, auf deren Konto 2007 eine ganze Serie von Parkautomatenaufbrüchen ging. Noch schlimmer traf es 2005 die Stadt Köln. 250 Automaten wurden innerhalb eines Jahres geknackt.

Wie viel Bargeld bei den beiden jüngsten Aachener Coups an Oligsbenden- und Borngasse erbeutet wurde, ist unklar. Die Stadt spricht von „wenigen Euro, die in keinem Verhältnis zum Diebstahlrisiko stehen”.

Doch die Masse macht´s: Legt man die 2,5 Millionen Euro zugrunde, die pro Jahr über die 230 Parkscheinautomaten erwirtschaftet werden, entfallen durchschnittlich auf jeden Apparat knapp 11.000 Euro. Geleert wird in unregelmäßigen Intervallen.

Zwei neue Automaten dürften sich also schnellstens bezahlt machen. Zumal Aachen deutlich mehr an Knöllchen als an Parkscheinen verdient: 2008 gab´s rund 280.000 Strafzettel für falsches Parken. Dafür kassierte die Stadt 3,3 Millionen Euro an Verwarnungsgeldern. Ganz legal.
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