Galeristin Marie Helene von der Milwe unerwartet gestorben

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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Eines der letzten Fotos von Marie Helene von der Milwe – hier in der Ausstellung „Syrien“ von Algirdas Milleris im vergangenen Januar. Foto: Andreas Herrmann

Aachen/Düren. Mit dem plötzlichen Tod der Galeristin Marie Helene von der Milwe verliert die Aachener Kunstszene eine eigenwillige und unbeirrbare Persönlichkeit. Sie wurde nur 75 Jahre alt und starb unerwartet nach kurzer schwerer Krankheit am Karnevalsfreitag in ihrer Heimatstadt Düren.

Bereits in den siebziger Jahren, als sie noch eine Galerie in Düren unterhielt, unterstützte sie den Aachener Künstler Peter Lacroix, der seine berühmte „Farbleiter“, die seit ein paar Jahren an der Fassade des Standesamts hängt, an ihrem schmalen Haus in der Kleinkölnstraße anbringen wollte – als Kunst im öffentlichen Raum.

Doch das wurde seinerzeit noch gerichtlich untersagt, weil sie eine Beeinträchtigung für Dom und Rathaus sei, wie gerichtlich mitgeteilt wurde. Mit selbstgenähten Säcken voller Erde und Steinen inszenierte Marie Helene von der Milwe ihre berühmte Aktion „Ein Sack graues Aachen“, die ihr schon damals große Sympathien in kunstaffinen Kreisen einbrachte.

Seit den achtziger Jahren stellte sie auch in Aachen Kunst aus und gab der Galerie im Herzen der Stadt ihren eigenen Namen – eine Empfehlung der Künstlerin Rune Mields, deren Arbeiten hier zwei Mal gezeigt wurden.

Kulturpolitische Aktionen

Schritt für Schritt entwickelte Marie Helene von der Milwe ihren eigenen, unverwechselbaren Stil, dem sie bis zuletzt treu blieb. Junge Kunst war es, frisch, minimal und unkonventionell wie sie selbst, auf dem Punkt, häufig zwischen den Genres.

Als eine Art Pionierin aus Aachen nahm sie an großen Kunstmessen teil, etwa der Art Frankfurt, Paris Photo und der Arco Madrid. Besonders am Herzen lag ihr die Düsseldorfer Art Multiple, da sie kleine Auflagen zu aktuellen Ausstellungen liebte und relativ preiswert anbieten konnte.

Neben ihrem regulären Galeriebetrieb mit mehreren Ausstellungen jährlich engagierte sie sich mit großen Aktionen im kulturpolitischen Bereich. Mit der Fluxuskünstlerin Inge Broska und Filmemachern dokumentierte sie auf ihre Art die Zerstörung von gewachsener Kultur durch den Braunkohlentagebau Garzweiler. Ein künstlerisches Highlight war auch die Gestaltung der Gartenkolonie „Roland“ durch Künstler ihrer Galerie, ehe die Abrissarbeiten zugunsten des neuen Tivoli jahrzehntelang blühendes Leben vernichteten.

Die erst Ende Januar eröffnete Foto-Ausstellung von Algirdas Milleris wird regulär bis März zu sehen sein, für April plant Ehemann und Witwer Manfred von der Milwe eine Ausstellung mit Künstlern der Galerie unter dem Titel „Danke! Danke!“.

Wer sich von Marie Helene von der Milwe am Sarg verabschieden möchte, ist am Donnerstag zwischen 15 und 18 Uhr willkommen im Beerdigungsinstitut „InMemoriam“, Eifelstraße 1b, wo Mann und Sohn die Trauergäste in Empfang nehmen.

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