Aachen - Galerie: Drei Investoren auf der Matte

Galerie: Drei Investoren auf der Matte

Von: Stephan Mohne
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Schuttwüste: An der Baustelle
Schuttwüste: An der Baustelle der Kaiserplatz-Galerie wird derzeit nicht mit Volldampf gearbeitet. Der Grund ist laut Geschäftsführung, dass noch Mieter in ihren Wohnungen leben. Dennoch soll das Projekt - mit neuen Geldgebern - bis Herbst 2013 fertiggestellt sein. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein einsamer Bagger röhrt an der Baugrube. Rundherum türmt sich der Schutt niedergelegter Häuser. Ansonsten tut sich nicht allzu viel zwischen St. Adalbert, Beeckstraße und Kugelbrunnen.

Was nicht zuletzt daran liegen mag, dass sich der „Vater” der Galerie, Professor Hans Kahlen, derzeit in Duisburg vor Gericht mit zwei Anklagen und Vorwürfen wie Kreditbetrug und Insolvenzverschleppung konfrontiert sieht. Der Prozess ist das Ergebnis langer Ermittlungen, in deren Verlauf 2007 Kahlens Haus durchsucht und er selbst vorübergehend festgenommen wurde. Dass dieses Verfahren Auswirkungen auf die Kaiserplatz-Galerie haben könnte, glaubt in der Aachener Politik gleichwohl kaum jemand.

Manchem Ratspolitiker ist es in Sachen Kaiserplatz-Galerie mittlerweile dennoch unüberhörbar mulmig zumute. Mulmig war den Politikern schon, als sie Anfang 2009 den Bebauungsplan beschlossen und bis kurz vor der entscheidenden Sitzung noch wichtige Unterlagen zu Grundstücks- und Finanzfragen fehlten.

Heutzutage ist nichts mehr zu beschließen: „Wir können da nichts machen und haben keine Einflussmöglichkeit”, betont Michael Rau, Grünen-Fraktionssprecher, ebenso wie die Fraktionschefs von CDU und SPD, Harald Baal und Heiner Höfken. Zuschauen und hoffen ist vielmehr angesagt. Harald Baal erklärt: „Es bewegt sich alles im Rahmen dessen, was vereinbart ist.” Wenn-gleich er noch hinzufügt: „Die Bautätigkeit ist sicher nicht so, wie wir uns das wünschen würden.”

Heiner Höfken hat sich am Montag noch ein Bild vor Ort gemacht und drückt es denn auch etwas deutlicher aus: „Für eine so große Baustelle ist da schon erschreckend wenig los.” Nach „Vollgas” in Sachen Kaiserplatz-Galerie sehe das nicht gerade aus, sondern eher nach „verlassener Westernstadt”. Zwischen den Zeilen hört man indes bei allen Politikern durch, dass es ein Szenario gibt, an das so recht noch niemand denken mag: dass die Baugrube noch ein paar Jahre so liegen bleibt.

Stopp, den Film auf Anfang, zurück zum einsamen Bagger: Dass man derzeit nicht wie geplant voran komme, bestätigt Herbert Pontzen, Geschäftsführer der Projektentwicklungsgesellschaft Adalbertstraße (PEA). Pontzen beantwortete am Dienstag einen Fragenkatalog der AZ ausführlich. Erst im Mai könnten die weiteren Abriss- und Stützmaßnahmen mit Volldampf weitergehen, weil in einigen Häusern rundherum immer noch Menschen leben.

Im Falle eines Geschäftes gab es gar ein Gerichtsverfahren. Insgesamt habe man es in 42 gekauften Immobilien mit 172 Mietverhältnissen zu tun gehabt, so Pontzen. Deswegen sei ein einstmals genannter Fertigsstellungstermin 2009 auch zu optimistisch gewesen. Im September nun könnte Baubeginn sein, glaubt Pontzen.

Mit wessen Geld gebaut wird, dass wird derzeit hinter den Kulissen fleißig verhandelt. Geldgeber waren bislang in erster Linie die Niederländer Pim Kaufman und Johan van den Bruele. Doch nicht erst seit Dienstag pfeifen die Spatzen von den Dächern, dass der Hamburger Branchenriese ECE das Projekt übernehmen wolle.

ECE betreibt bundesweit etliche große Einkaufszentren und ist bei der Kaiserplatz-Galerie seit Ende 2007 mit im Boot. ECE soll das Center betreiben, die Mieter hereinholen und veranlasste einst bereits eine Umplanung des Innenlebens. Herbert Pontzen bestätigt das ECE-Interesse nicht. Er sagt aber, dass derzeit mit gleich drei sehr interessierten wie namhaften Investoren verhandelt werde, mit denen Vertraulichkeit vereinbart sei. Ob sie Mehrheitsgesellschafter werden, sei eine offene Frage.

Ende April soll das Ergebnis feststehen, verhandelt werde schon seit Monaten. Pontzen: „Schließlich geht es hier nicht um eine Frittenbude.” Auf keinen Fall habe besagtes Kahlen-Verfahren in Duisburg einen Einfluss auf die Galerie-Pläne, betont Pontzen. Kahlen sei bei dem Projekt der ursprüngliche Ideengeber, sei aber nur einer von mehreren Gesellschaftern - und er sei auch nicht der Mehrheitseigner.

Glaubt man Pontzens Worten, könnte die Galerie alsbald wachsen. Und der Geschäftsführer nennt auch einen neuen Eröffnungstermin: „Herbst statt Frühjahr 2013, das ist realistisch.”
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