Gage geht an Flüchtlinge bei Söder „dahoam“

Von: os
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Pointierter Protest gegen den designierten Ordensritter: Die Aachener Band Lagerfeuer tritt zwar beim AKV-Open-Air „Net fiere“ am Holzgraben auf, spendet ihre Gage aber Flüchtlingen in Markus Söders Wahlkreis Nürnberg. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Als die beliebte Aachener Liveband Lagerfeuer vom Aachener Karnevalsverein (AKV) die Anfrage erhielt, ob man nicht am 6. Februar bei der jecken Open-Air-Veranstaltung „Net fiere“ am Holzgraben auftreten wolle, fingen Bernd Weiss, Heiko Wätjen und Yann Le Roux das erste Mal an zu überlegen. Schließlich würde das Trio mit einem Auftritt beim AKV absolutes Neuland betreten. Doch nach kurzem Nachdenken sagte man zu.

Dann kamen die schrecklichen Anschläge in Paris und gleich danach die seitdem heftig kritisierten Aussagen des designierten Ordensritters und bayrischen Finanzministers Markus Söder, der die islamistischen Terrorakte mit der Flüchtlingsfrage in Deutschland in einen Topf warf – und beim Lagerfeuer-Trio fing man erneut an zu überlegen. Nicht darüber, was man von den Söder-Sätzen hielt, denn das war unter den Dreien sofort klar. Die Aussagen halte man für „absolut inakzeptabel“, postete die Band im Internet.

Karneval sei ein Fest, bei dem Menschen „ungeachtet ihrer sozialen, religiösen oder geographischen Herkunft gemeinsam feiern“, und die Musik solle „Menschen verbinden und nicht trennen“, fügte man hinzu und erklärte: „Wir hoffen sehr, dass Herr Söder diesbezüglich bei seinem Besuch in Aachen bleibende Eindrücke mitnehmen kann.“

Ins Grübeln brachte das Trio aber die Frage, wie man darüber hinaus reagieren sollte. Den eigenen Auftritt beim AKV absagen, wie es die 4 Amigos bei der Ordensverleihung selber nun tun (siehe 1. Lokalseite)? Oder anders ein Zeichen setzen? „Wir haben auch über eine Absage nachgedacht“, räumt Bernd Weiss gegenüber der AZ ein, „aber dann haben wir überlegt, wie wir vielleicht auch außerhalb von Aachen Aufmerksamkeit erregen können.“

„Gruß aus der Europastadt“

Die Lösung, die Lagerfeuer gefunden hat, zeugt nun durchaus von Humor und dürfte sozusagen bei Söder „dahoam“, in seinem bayrischen Wahlkreis registriert werden. Denn genau dorthin schickt die Band ihre „Net fiere“-Gage, genauer: ans Sozialamt Nürnberg, Abteilung Flüchtlinge, „als kleinen Gruß aus der Europastadt Aachen“, wie das Trio schreibt.

Der AKV übrigens hat nach Darstellung der drei Musiker diese Vorgehensweise nicht kritisiert und die Buchung der Band nicht storniert, was Lagerfeuer mit einem einzigen Wort kommentiert: „Chapeau!“

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