G8-Belastung nimmt nicht so schnell ab, sagt Ministerin Löhrmann

Von: Thorsten Karbach
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Stellte sich den Fragen: Schul
Stellte sich den Fragen: Schulministerin Sylvia Löhrmann (von links) bezog auf dem Podium neben Moderator Jürgen Karl, Schülervertreterin Inés Rogge, Lehrer Rainer Siemund und Schulleiter Günther Sonnen Stellung. Außerdem waren die Elternm durch Anja Fitter und Susanne Hollmann bei der Diskussion im Couven vertreten.

Aachen. Nein, G8 hat Schulministerin Sylvia Löhrmann in den 90 Minuten am Couven-Gymnasium nicht verbessert. Aber wie der Weg zum Turboabitur in acht Jahren für die Schüler weniger beschwerlich werden könnte, davon hat die Grünen-Politikerin sehr offen gesprochen.

Und auch von den Problemen, die ihre rot-grüne Landesregierung nicht lösen kann. Es war eine durchaus spannende Podiumsdiskussion, zu der Schulpflegschaft, Schülvertretung und Schulleitung des Couven-Gymnasiums unter dem Titel „G8 verbessern! Aber wie?” eingeladen hatten. Nicht, weil Schulministerin Löhrmann eine befriedigende Antwort geben konnte. Sondern weil sie viele Antworten auf die Fragen und Thesen von Eltern, Schülern, Lehrern und Schulleiter Günther Sonnen gab. Also rein in die Diskussion anhand einiger konkreter Beispiele.

„Die Schüler sind oft erst nachmittags nach 17 Uhr zuhause, müssen dann noch Hausaufgaben machen und sagen deswegen ihr Turnen ab. Die Belastung durch G8 ist zu hoch. Wo bleibt da die Zeit, Kind zu sein?”, fragte Schülervertreterin Inés Rogge. Und die Schulministerin nahm die Schulen in die Pflicht. Laut eines Erlasses sind Hausaufgaben nur zeitlich begrenzt und zur Vertiefung des Stoffes gestattet. „Da sind die Schulen auch selber gefordert, eine Regelung zu finden”, erklärte Löhrmann. Der geschilderte Fall dürfe keinesfalls zur Regel werden.

„Unsere Kinder sind überlastet. Wir müssen weg von den 34 Wochenstunden”, forderte Susanne Hollmann von der Schulpflegschaft. Vergeblich. Schulministerin Löhrmann musste auf das Hamburger Abkommen von 1967 verweisen, einer Vorgabe der Kultusministerkonferenz zur Vergleichbarkeit des Abiturs. Über das könne man sich nicht hinwegsetzen. „Wir wollen doch, dass das nordrhein-westfälische Abitur auch in Bayern anerkannt wird”, sagte Löhrmann.

„Wenn die Schüler durch G8 jeden Tag länger bleiben, müssen auch die Lehrer länger bleiben. Aber es gibt dafür keine angemessenen Arbeitsplätze und keine Ausrüstung. Das ist eine Frage mangelnder Infrastruktur”, erklärte Lehrer Rainer Siemund. Und auch dieses Problem kennt Löhrmann und kann es doch nicht lösen. Nicht an diesem Tag im Couven. Nicht in den nächsten Wochen oder in den Sommerferien. „Wir brauchen mehr Mittel für Bildung”, sagte sie zwar. Die können aber nicht allein vom Land kommen. Und auch die Kommunen seien beim Ausbau beispielsweise der Mensen allein gelassen worden. Löhrmann nimmt die schwarz-gelbe Bundesregierung in die Pflicht. „Die Kanzlerin kann nicht zu einem Bildungsgipfel laden und Inklusion versprechen, und die Länger und Kommunen sind die Dummen, weil sie alles finanzieren müssen”, sprach Löhrmann. Und ohnehin müsse mehr Geld sinnvoll und nicht nach dem Gießkannenprinzip eingesetzt werden.

„Unsere Kinder arbeiten mehr Stunden als mancher Beamter. warum wird der Unterricht nicht kompetenzorientierter ausgerichtet?”, fragte Schulleiter Günther Sonnen und erinnerte an den sogenannten integrierten Naturwissenschaftsunterricht, der von der schwarz-gelben Vorgängerregierung wieder abgeschafft wurde. „Ein Fehler”, kommentierte dies auch die aktuelle NRW-Ministerin. Die Überarbeitung der Stundentafel steht längst im Fokus.

Doch Löhrmann weiß auch, welche Widerstände es gibt. „Viele Lehrer würden doch um ihr Fach am liebsten einen Zaun ziehen. Immer nach dem Motto: Gekürzt soll bei den anderen werden. Das ist am Couven bestimmt nicht anders”, sagte sie. Da müssten auch Impulse aus den Schulen kommen. „Jedes Fach hat seine Rolle, aber wir müssen die Synergieeffekte bündeln”, erklärte Löhrmann. Auch Physiklehrer müssten auf Rechtschreibung achten. So würde sich moderner Unterricht für alle rechnen.

Was blieb waren - so ist es eben an einer Schule - Hausaufgaben. Für die Schule, innere Reformkonzepte anzugehen. Und für die Ministerin, die Fragen, Sorgen und Nöte der Schüler, Eltern und Lehrer anzugeghen. G8 bleibt eine ungelöste Aufgabe.
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