Fürsorgepflicht endet nicht an der Bürotür

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Stehen für den Unternehmensservice: Marco Breuer, Melanie Kugelmeier und Thomas Antkowiak (rechts). Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nicht nur die nächste Programmierung oder der nächste Projektantrag kann Kopfzerbrechen bereiten. Manchmal verbraucht das Leben zuhause deutlich mehr Energie: Kinderbetreuung, Organisation von Pflege, Partnerschaftsprobleme, Sucht oder Schulden.

„Für uns ist alles Sonne. Aber bekommen wir wirklich alles mit?“, fragt sich Marco Breuer, beim IT-Unternehmen Aixigo für Personal und Finanzen verantwortlich, angesichts seiner 95 überwiegend jungen, dynamischen Mitarbeiter. Und wenn er es mitbekommt, wie kann er dann helfen?

Angebot für 9000 Mitarbeiter

Der Caritas-Unternehmensservice bietet genau diese Hilfe an – anonym und außerhalb des Unternehmens – zurzeit für rund 9000 Mitarbeitende aus 24 städteregionalen Unternehmen sehr unterschiedlicher Branchen. Aixigo ist eins davon, das Hilfswerk Misereor ein anderes. „Der Unternehmensservice weiß, wie es weitergehen kann“, zeigt sich auch Thomas Antkowiak, als einer von drei Misereor-Geschäftsführern für Personal zuständig, zufrieden mit der bei der Caritas eingekauften Leistung. Gut investiertes Geld, findet er, denn „bei 340 Mitarbeitenden bilden wir sehr sicher alle Probleme der Gesellschaft ab“. Und die können sich eben auch auf die Arbeitsergebnisse und das Betriebsklima auswirken. „Privates und Dienstliches hängt zusammen“, weiß Antkowiak.

Der Unternehmensservice der Caritas ging 2013 an den Start. Seitdem können Mitarbeiter, deren Firma Kunden des Unternehmensservices sind, bei einer kostenlosen Nummer anrufen – egal, was sie bedrückt. „Mal ist der Unterstützungsbedarf sehr konkret: Am Freitag wird bekannt, dass die Mutter am Montag aus dem Krankenhaus entlassen wird, sie sich aber noch gar nicht wieder selbst versorgen kann“, erzählt Melanie Kugelmeier vom Caritas-Unternehmensservice. „Dann heißt es, schnell Pflege zu organisieren. Zur Not springen wir auch selbst ein.“

Sehr oft hätten die Anrufer aber ein eher diffuses Überforderungsgefühl. „Sie wissen, dass sie Unterstützung brauchen, sie wissen aber noch nicht wobei.“ Das findet das Team des Unternehmensservices gemeinsam mit dem Anrufer heraus und vermittelt dann an die entsprechenden Fachberatungsstellen weiter – oft caritasintern, aber eben auch an andere Träger. „Wir kennen das Hilfesystem der Städteregion und wollen es auch nutzen“, so Kugelmeier.

Oder der Hilfesuchende kennt sein Problem, weiß aber nicht, an wen er sich in der weitläufigen Soziallandschaft wenden soll. „Unser Sozialslang kann für Außenstehende schon sehr verwirrend sein“, merkt Kugelmeier selbstkritisch an. Manchmal geht der Weg aber auch zum Vorgesetzten zurück, denn auch Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, mit dem Chef oder im Team, werden an den Unternehmensservice herangetragen. „Die Menschen haben grundsätzlich ein Interesse an einer Lösung“, hat Kugelmeier festgestellt. „Wir stärken sie in ihrer Eigenverantwortung. Da gehört manchmal eben auch ein Gespräch mit dem Chef oder der Chefin zu.“

Auch damit haben Breuer und Antkowiak kein Problem – auch weil sie wissen, dass Interna absolut vertraulich behandelt werden. Und weil sie so über anonymisierte Auswertungen – ihre Unternehmen sind dafür groß genug – auf grundsätzliche Probleme in einer Abteilung oder allgemeinen Informationsbedarf im Haus aufmerksam werden können. „Das hilft uns auch in der Personalführung und dem Erstellen von Fortbildungsprogrammen weiter“, erläutert Antkowiak.

Die räumliche Nähe des Caritas-Unternehmensservice zu ihren Kunden ist nicht zuletzt dann von Vorteil: „Wir kommen auch für Info-Veranstaltung zum Beispiel zum Thema Patientenverfügung in die Unternehmen. So kennen die Mitarbeiter schon mal ein Gesicht von uns, was ihnen dann wieder hilft, sich bei uns telefonisch zu melden. Die meisten sind sehr froh, dass sie nicht irgendwo in Berlin oder München anrufen müssen“, hört Kugelmeier immer wieder.

Grundsätzlich steigert das für Mitarbeiter kostenlose Angebot des Unternehmensservices auch die Attraktivität des Arbeitgebers. In der zunehmenden Konkurrenz um Fachkräfte ein durchaus wichtiges Argument, wie Breuer weiß: „Der Unternehmensservice ist eine Blume in einem Blumenstrauß, den wir anbieten wollen und müssen.“ Und Antkowiak bestätigt: „Die Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter hört nicht an der Bürotür auf.“

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