Aachen - Fürs Rendezvous mit „Daisy” gewappnet

Fürs Rendezvous mit „Daisy” gewappnet

Von: Stephan Mohne und Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
lennartzwinterbild
Was wird kommen? Dieter Lennartz als Chef des städtischen Winterdienstes erwartet für sein Team heute und morgen wieder „Großkampftage”. Die Waffen gegen Tief „Daisy” sind allerdings stumpf. Salz gibt es kaum noch, nur Split ist gestern noch geliefert worden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Und so hat sich ganz Aachen am Freitag noch einmal vorbereitet. Auf das, was in der Nacht zum Samstag begonnen hat und was die Stadt bis Sonntagabend in Atem halten soll: starker Schneefall, heftiger Wind, Sturmböen, Schneeverwehungen.

Ganz genau wollten sich die Meteorologen dabei noch gar nicht festlegen, was Tief „Daisy” für Aachen überhaupt im Gepäck hat. Tenor: Super viel Schnee wird´s wohl in der Bilanz gar nicht sein. Aber der starke Wind aus Nordost, der macht die Sache knifflig. Schneeverwehungen können sich nämlich enorm auftürmen - auch auf den Straßen. Die Schneedecke gleicht dann eher einem Wellental. Nicht zuletzt die Einsatzkräfte haben sich deswegen vorbereitet, als würde der Katastrophenfall eintreten.

Das gilt für den Winterdienst des Stadtbetriebs allerdings nicht nur heute, sondern bereits seit einiger Zeit. „Die Mitarbeiter des maschinellen Winterdienstes stehen derzeit um 4 Uhr zum Dienst auf der Matte”, erzählt Dieter Lennartz als Chef des Winterdienstes.

Ob dazu noch die 200 Mitarbeiter aus dem Schlaf geholt werden, die für die „manuelle Reinigung” - zum Beispiel auf Gehwegen - zuständig sind, wird je nach Lage der Dinge kurzfristig entschieden. Lennartz erwartet fürs Wochenende wieder „Großkampftage” für seine Truppe.

Allein: Die Waffen gegen die Schneemassen sind derzeit eher Stumpf - im Wortsinn. Denn „auftauende Mittel” - Streusalz - sind kaum noch vorhanden und werden auch nicht kommen: „Die Fahrzeuge sind beladen, das reicht für eine Tour über die Straßen der höchsten Priorität”, so der Abteilungsleiter.

Ein schwacher Trost ist, dass am Freitag zumindest noch 150 Tonnen „abstumpfende Mittel” - Split in diesem Fall - geliefert wurden. Nach der Kritik, die der Winterdienst am vergangenen Wochenende einstecken musste, als die Straßen teils erst spät oder auch gar nicht richtig geräumt werden konnten, sagt Lennartz: „Wir tun unser Bestes. Wenn es aber nicht möglich ist, sich gefahrlos mit dem Auto zu bewegen, sollte man das auch mal stehenlassen. Man sollte kein unnötiges Risiko eingehen, so wichtig kann fast kein Termin sein.”

„Wir nehmen die Sache sehr ernst”, sagt jedenfalls Hans-Georg Schümmer, während der vergangenen Nacht „Lagedienstleiter” und damit Koordinator der Feuerwehr und der Rettungsdienste. Zusätzliche Fahrzeuge sind in Bereitschaft, so es ganz dick kommt. Zudem sind Schneepflüge angebracht worden.

Schneeketten gibt es hingegen nur für kleinere, nicht für die großen Löschfahrzeuge. Das Lagezentrum stehe in ständigem Kontakt zu anderen Einsatzzentralen - etwa jener der Stawag, wenn es um Gas, Wasser und Strom geht, oder auch jener der Polizei und natürlich der Deutschen Bahn. Nicht nur die Zugunfälle dieser Tage im Münsterland haben nochmals deutlich aufhorchen lassen. „Wenn die Lage so ist wie dort zuletzt, dann könnte es schon Probleme geben”, so Schümmer.

„Wir lassen es erst einmal auf uns zukommen”, sagt Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei. Erstaunlich sei nämlich, dass es bislang zu Schneezeiten deutlich weniger Unfälle gab als sonst bei normalen Straßenverhältnissen. Die Autofahrer gingen offensichtlich sehr vorsichtig zu Werke. Kemen ist indes froh, dass diese Wetterlage ausgerechnet am Wochenende eingetreten ist. Keine Schule, kein Berufsverkehr - das macht es einfacher. Sollte es dennoch erforderlich sein, stehe Nachschub bereit.

Bei der Aseag hat man aktuell noch einmal das Profil der Reifen gecheckt, so Pressesprecherin Anne Linden. Auch sonst sind Vorbereitungen getroffen: mehr Personal, eigene Räumfahrzeuge. Man werde alles tun, um durchzukommen, aber: „Bei extremer Wetterlage kann es auch sein, dass die Fahrt unterbrochen wird. Schließlich wollen wir niemanden gefährden - weder den Fahrer noch die Fahrgäste”, so Linden.

Die Stawag hat die Rufbereitschaft verstärkt, um schnell eingreifen zu können, so Sprecherin Eva Wußing. Dass es zu Stromausfällen kommt, sei eher unwahrscheinlich. In Aachen liegen die Leitungen mittlerweile in der Erde. Aufs europäische Netz habe man keinen Einfluss, es sei aber nicht mit Engpässen zu rechnen.

Die 20 Notschlafplätze im Café Plattform sind dieser Tage permanent „ausgebucht” - was allerdings praktisch das ganze Jahr über der Fall ist. „Wir öffnen teils früher, wenn Menschen schon Mittags statt wie normalerweise ab 15 Uhr vor der Tür stehen”, berichtet Sozialarbeiter Mark Krznaric. „Und wir stehen in besonders intensivem Kontakt mit anderen Einrichtungen wie der Wabe-Wärmestube, der Franziska-Schervier-Stube und auch der Bahnhofsmission.” In jedem Fall sei gewährleistet, dass rund um die Uhr niemand draußen bleiben müsse.

Überhaupt nichts geht auf den meisten Baustellen - sei es an Häusern oder auf Straßen. Das hat Folgen. Beispiel: An der Erzbergerallee wurde der Baustopp, den es zunächst wegen der Ferien gegeben hatte, deutlich verlängert. Zunächst bis zum 17. Januar wird sich dort nichts mehr rühren.

Wem zwischenzeitlich aufgefallen ist, dass er zu wenig Streusalz zuhause hat, dem wird selbst eine Odyssee durch die Geschäfte wenig nützen. Das knappe Gut zu bekommen, ist Glückssache. Ist gerade eine Palette angeliefert, ist sie ruckzuck wieder leergeräumt. In Baumärkten findet man wegen der Flut der Anfragen bereits an der Information Schilder à la „Streusalz ist derzeit ausverkauft”.

Eigentlich eher verwunderlich, darf doch kaum ein Bürger dieses verwenden. „Auf Gehwegen ist der Salzeinsatz grundsätzlich verboten”, unterstreicht Dieter Lennartz. Ausnahmen gibt es für den Fall von Eisregen sowie an starken Steigungen und Treppenaufgängen. „Ansonsten reichen Sand oder Granulat”, so Lennartz. Er selbst würde sich mit einem Blick aus dem Fenster wünschen, mehr zu haben - von allem.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert