„Für Wirtschaftsförderung braucht man langen Atem“

Von: Berthold Strauch
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Aachen. „Die wirtschaftlichen Zeiten sind gut“, sagt Prof. Johannes Gartzen. Und damit liefert der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) auch schon eine Begründung dafür, dass die Zahl der Neugründungen im vergangenen Jahr etwas abgenommen hat.

Denn wenn Arbeitskräfte von den Unternehmen heiß begehrt sind, überlege es sich mancher Hochschulabsolvent zweimal, ob er den mühsamen Weg in die Selbstständigkeit beschreite oder einen vermeintlich sichereren Angestelltenposten anstrebe.

2013 vermittelte die Agit mehr als 200 Unternehmen und Personen Gründungs-, Wachstums oder Innovationsberatungen – das wiedergewonnene Kerngeschäft nach der Neuaufstellung der Gesellschaft als Spezialist für Wirtschaftsförderung. Aus 54 Gründungsberatungen seien mit Agit-Hilfe 27 neue Betriebe ins Leben gerufen worden. Im Ergebnis planen diese Firmen zunächst Investitionen in Höhe von sieben Millionen Euro, wobei unterm Strich rund 130 Arbeitsplätze geschaffen werden sollen.

Für neue Jobs ist das Technologiezentrum (TZA) der Agit am Aachener Europaplatz ein wirksamer Brutkasten, wie auch die 13 ähnlichen Einrichtungen in der Region. Neben dem TZA trägt die Agit auch das Medizintechnische Zentrum und ein Zentrum für Biomedizintechnik, allesamt praktisch komplett ausgelastet. Agit-Geschäftsführer Helmut Greif verwies zudem über die rund 40.000 Besucher, die an den organisierten Veranstaltungen und Seminaren teilgenommen haben.

Das Thema Neuansiedlungen sei mühsam, doch nicht ohne Erfolge, bilanzierten Gartzen und Greif. 2013 habe die Agit 60 Kontakte zu potenziellen Investoren gepflegt, überwiegend aus Deutschland (43 Prozent), aber auch aus China, wo in Aachens Partnerstadt Ningbo ein Büro unterhalten wird.

Exzellenz und Campus

Stolz war Greif insbesondere auch über die Akquisition des Korea-Instituts für industrielle Technologie (Kitech) – einer ähnlichen Einrichtung wie die Agit, die Kontakt zu etwa 260 Unternehmen halte. Dieses Büro habe man im Übrigen gegen starke Konkurrenz aus München an Land ziehen können, betonte Greif. Zu der spürbaren Anziehungskraft der Region trage der Exzellenzstatus der RWTH und deren Campus-Aktivitäten ganz entscheidend bei. Darauf führt Greif zudem die Etablierung eines Büros des amerikanischen Versandriesen Amazon im TZA zurück. Dessen Mitarbeiter suchen eine enge Anbindung an die Hochschule und deren Mathematiker und Informatiker, Thema ist Sprachforschung für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine.

Unterm Strich kamen insgesamt 13 Neuansiedlungen von außerhalb der Region zustande – „so viele wie lange nicht mehr“, bekräftigte Greif. Als entscheidenden Schwerpunkt der Agit-Arbeit nannte der Geschäftsführer zudem die Förderung von Technologietransfer, insbesondere auch über die nahen Grenzen hinweg. Zudem sei die Gesellschaft als Partner in wichtigen regionalen Innovationsclustern engagiert, speziell in der Automobil- und Schienentechnik, Lebenswissenschaften, Medizintechnik und Logistik.

Gartzen verwies zudem auf die neu aufgelegte Veranstaltungsreihe „Innovationsimpulse“, bei der Unternehmen fachspezifisch zusammenkommen, um Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen, eng angelehnt an das Forschungspotenzial der Hochschulen. „So möchten wir den Technologietransfer aktiv forcieren“, fügte er an. Für Wirtschaftsförderung, bilanzierte Helmut Greif, brauche man „einen langen Atem“ – etwa wie bei der Baesweiler Cook Medical, die nun nach Jahren der Präsenz über eine eigene Fertigung vor Ort nachdenke.

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