Für viele ist in Aachen Endstation

Von: Robert Baumann
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Am Aachener Hauptbahnhof blieb
Am Aachener Hauptbahnhof blieben einige Fahrgäste auf der Strecke: Ein Streik der belgischen Bahn verhinderte für ICE-Züge mit dem Reiseziel Brüssel die Weiterfahrt. Auch Regionalzüge nach Welkenrath waren betroffen. Der Thalys rollte gar nicht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Seit drei Stunden ist Pieter Vanhonsebrouck schon unterwegs. In Mainz hat sich der Belgier in den ICE in Richtung Brüssel gesetzt. Sein Reiseziel: Ostende.

In Aachen ist für ihn aber erstmal Endstation. Die Anzeige auf Gleis 2 ist eindeutig: Dieser Zug endet hier. Vanhonsebrouck folgt der Menschenmenge durch die Bahnhofshalle hinaus zur Bushaltestelle an der Lagerhausstraße. Hier wartet er auf einen der Ersatzbusse nach Brüssel und steht mit vielen anderen Reisenden erstmal buchstäblich im Regen. „Das Umsteigen und die Warterei ist schon nervig. Und dann regnet es auch noch. Die einzige Option wäre gewesen, zu Hause zu bleiben und die Familie über Weihnachten nicht zu sehen. Man muss Geduld haben”, sagt Vanhonsebrouck in aller Seelenruhe.

Es ist ein Generalstreik in Belgien, der ihn und die anderen Reisenden auf eine große Geduldsprobe stellt. Bereits am Mittwoch beginnt die belgische Bahn mit dem Streik. Donnerstag lag dann fast das gesamte öffentliche Leben in Belgien lahm. Das hatte auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr in der Region. Betroffen waren die ICE-Züge der Deutschen Bahn von Frankfurt nach Brüssel und die Regionalzüge der Linie 29 von Aachen nach Welkenrath. Zudem fielen alle Thalys-Züge von Deutschland nach Brüssel und Paris aus.

Drei Ersatzbusse im Einsatz

Für die Weiterfahrt zwischen Aachen und Brüssel stellt die Bahn Ersatzbusse bereit. „Vier unserer ICE sind betroffen. Wir haben drei Busse im Einsatz, die zwischen Aachen und Brüssel pendeln”, erklärt ein Bahnsprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Für die Regionalzüge schaffte die Bahn hingegen keinen Ersatzverkehr. Die Anzahl der Reisenden auf dieser Strecke sei sehr gering, so die Begründung. Und was die Thalys-Reisenden betrifft, so sei man nicht zuständig. „Sie besitzen keine Fahrkarte der Deutschen Bahn und sind somit auch nicht unsere Kunden”, sagt der Sprecher.

Insgesamt fünf Thalys-Züge von Deutschland nach Belgien und Frankreich fielen am Donnerstag aus. „Wir können die Ausfälle nicht kompensieren und raten jedem Reisenden auf andere Verkehrsmittel umzusteigen”, sagt Pia Verheyen von der Pressestelle Thalys. „Die Thalys-Mannschaft steht bereit, aber in Belgien sind die öffentlichen Stellen nicht besetzt. Es gibt also auch keinen, der die Weichen stellt. Da können wir keinen Hochgeschwindigkeitszug durchjagen”, betont sie. Wie viele Fahrgäste durch die Zugausfälle betroffen sind, konnten weder die Bahn noch Thalys abschätzen.

An der Haltestelle des Bahnhofsvorplatzes stehen am Mittag drei Reisebusse. Fahrtziel: Brüssel. Es wird gedrängelt, Koffer und Reisetaschen werden in den Gepäckraum des Busses geworfen, im Bus sichern sich die Menschen einen Sitzplatz. „Wir versuchen alle Fahrgäste mitzunehmen. Wenn die Busse voll sind und noch Leute hier stehen, ordern wir einen weiteren Bus”, versichert ein Service-Mitarbeiter der Bahn in orangefarbener Warnweste, während er versucht, die Menschentraube auf die Busse zu verteilen. Vereinzelt muss er sich Beschimpfungen anhören, die meisten üben sich aber in Geduld. So wie Vanhonsebrouck.

„Ich habe erst in Köln von dem Bus-Ersatz erfahren. Dass bei so etwas Chaos entsteht, ist normal”, sagt er und steigt in dem weißen Bus. Zwei Stunden Fahrt bis Brüssel liegen vor ihm, dann geht es weiter bis Ostende.

Mangelnde Informationen

Lidija Globokar hat die zweistündige Busfahrt Brüssel-Aachen bereits hinter sich. Bepackt mit Rucksack und Rollkoffer steigt sie aus dem Bus, hinein in den Aachener Nieselregen - eine unfreiwillige Zwischenstation auf ihrer Reise nach Stuttgart. Die Studentin kritisiert das schlechte Informationsmanagement der Bahn. „Es gab auf der Internetseite keine klaren Uhrzeiten, wann die Busse abfahren. Auf Anfragen bei Twitter antwortete die Bahn mir nicht. Und dann wies die Bahn noch darauf hin, dass es eventuell nicht genügend Plätze in den Bussen gibt”, ärgert sich die Studentin. „Und was wäre gewesen, wenn ich keinen Platz gekriegt hätte?”, fragt sich Globokar.

Am späten Donnerstagabend sollte der Generalstreik beendet sein. Mit der Organisation am Aachener Hauptbahnhof ist Globokar zufrieden. „Ich bin überrascht, dass es hier so gut klappt”, sagt sie und verschwindet mit ihrem Gepäck im Bahnhof. „Ich muss mich beeilen, damit ich meinen Zug kriege und sicher an Weihnachten zu Hause bin”, schmunzelt sie leicht gequält.
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