„Für uns ist Freitag, der 13., ein wahrer Glückstag!”

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
Ein Prosit auf Freitag, den 13
Ein Prosit auf Freitag, den 13.: das Goldhochzeitspaar Gretel und Arthur Kläsener mit Standesamtsleiter Lothar Linden (l.).
Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Mit so einem Rummel hatte das Goldhochzeitspaar nicht gerechnet. „Einmal hier hin gucken!” - „Prosten Sie sich bitte noch mal zu!” - „Die Blumen nicht direkt ans Mikro halten!” Gretel und Arthur Kläsener staunten Bauklötze, was ihre kleine Anfrage an die Stadt für große Folgen hatte.

Da standen sie nun im Trauzimmer des Standesamts an der Krämerstraße, umringt von Fotografen, Kamera- und Tonleuten, hoben die Sektgläser, ließen sie aneinander klirren und erzählten, wie es war, damals vor 50 Jahren, als sie sich das Ja-Wort gegeben haben: am Freitag, den 13. Juli 1962. Ein halbes Jahrhundert später schloss sich der Kreis. 2012 fiel der 13. Juli wieder auf einen Freitag. Und die Kläseners führte es nach vielen Jahren erneut nach Aachen. Eine ungewöhnliche Geschichte.

Ein Pechtag? Von wegen!

Viele Menschen zucken zusammen, wenn das ominöse Datum naht: 13 - die Unglückszahl. Und dann noch ein Freitag. Das kann nicht gut gehen! Heiraten an diesem Tag? Auf keinen Fall! Von wegen Pechtag, würden Gretel und Arthur Kläsener Zweiflern entgegnen. „Für uns ist Freitag, der 13., ein wahrer Glückstag!”, sagen die beiden. Dabei war es eher Zufall, dass sie sich an eben jenem Tag trauen ließen. „Wir haben den Tag damals einfach so hingenommen”, erinnert sich Arthur Kläsener.

Er studierte 1962 Maschinenbau in Aachen. Seine Gretel kannte er schon aus Jugendtagen. Beide kommen aus Gladbeck im Ruhrgebiet. Dort besuchte er einst einen Französischkurs an der Volkshochschule. „Die Jungs saßen rechts, die Mädchen links”, berichtet Gretel Kläsener von der damals üblichen Geschlechtertrennung. „Sei doch mal still!” So oder so ähnlich klangen die ersten Worte, die Gretel Arthur zuwarf. Denn der junge Mann quatschte ihr zu viel während des Unterrichts. „Irgendwann hat sie dann doch gemerkt, dass ich eigentlich ganz nett bin”, sagt der 75-Jährige und zwinkert seiner Frau zu. Und wollte man damals zusammenleben, musste nun mal unbedingt ein Trauschein her.

Am Freitag saßen sie wieder im Trauzimmer des Aachener Standesamtes. „Hier hat sich vieles verändert”, sagen beide. Eine Etage tiefer habe damals die Trauung stattgefunden. „Es war ein bescheidener, nüchterner Amtsraum. Es gab keine wohlgesetzte Rede des Standesbeamten. Das Ganze war ein reiner Verwaltungsakt”, erzählt Arthur Kläsener aus der Vergangenheit. 13 Paare fanden sich an jenem 13. Juli 1962 ein. Die Aachener Zeitung titelte damals „13 Brautpaare am 13.”.

Am Freitag herrschte wieder Trubel im Standesamt: Zwölf Paare, berichtet Standesamtsleiter Lothar Linden, gaben sich das Ja-Wort. „Einige suchen sich Freitag, den 13., sogar ganz bewusst als Hochzeitsdatum aus”, sagt er. In diesem Jahr gab es sogar dreimal die Möglichkeit dazu: Schon im Januar und im April fiel der 13. auf einen Freitag. Wurde der Januar-Termin von Brautpaaren noch verschmäht, meldeten sich für den 13. April gleich 15 Paare an. Insgesamt finden in Aachen rund 1300 standesamtliche Trauungen pro Jahr statt.

Statistisch ist der Mythos „Freitag, der 13.” eh nicht haltbar. An diesem Tag passieren nicht mehr Unglücke als an anderen Tagen - warum auch? Die Zürich Versicherung hat einmal erhoben, dass an einem Freitag, dem 13., weniger Schadensfälle gemeldet werden als an anderen Freitagen im Jahr.

Gretel und Arthur Kläsener legen auf solche Zahlenspielereien keinen großen Wert. Sie freute es einfach, nach vielen Jahren mal wieder nach Aachen kommen zu können. Denn nach abgeschlossenem Studium trat der Ingenieur 1964 eine Stelle bei Osram in Heidenheim in Süddeutschland an. Drei Jahre später zog es die Familie - die Kläseners haben vier Söhne - zurück in die Heimat ins Ruhrgebiet.

Eines, betont das Goldhochzeitspaar, sei man nie gewesen: abergläubig. „Es zuckt höchstens mal, wenn die Katze von links gelaufen kommt”, sagt der Rentner mit einem Schmunzeln und verweist sogleich an seine 74-jährige Frau. Die sei nämlich für den Optimismus und eine positive Sicht auf die Dinge im Hause Kläsener verantwortlich. „Der liebe Gott wirds schon richten”, fügt sie an und lacht.

Vier plus neun

Bei dem Ehepaar aus Gladbeck hat er es auf jeden Fall rundum gut gerichtet. Neben den vier Söhnen freuen sich die Kläseners über neun Enkelkinder.

Moment mal! Vier plus neun: Da taucht schon wieder eine 13 im Leben der beiden auf. „Stimmt!”, staunt Gretel Kläsener. Das sei ihr noch gar nicht aufgefallen. Und selbst das kleinste Übel zog an den Kläseners am Freitag vorüber. Denn nachdem sie aus den Händen von Oberbürgermeister Marcel Philipp eine Urkunde entgegen genommen hatten, blickte Gretel Kläsener aus dem Fenster des Trauzimmers und sah, wie sich die Sonne durch die Wolkendecke kämpfte. Selbst der Öcher Regen blieb dem Jubiläumspaar erspart. „Jetzt bummeln wir ein bisschen durch die Stadt, dann gehen wir einen leckeren rheinischen Sauerbraten essen. Hier soll es nämlich ein sehr gutes Restaurant dafür geben”, verabschiedete sich Arthur Kläsener samt Familie vom Aachener Empfangskomitee.
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