Für Obdachlose mehr als nur ein Zufluchtsort

Von: Philipp Schröders
Letzte Aktualisierung:
wärmebild
Hilfe für die Helfer: Josef Walbert-Jacobs von der Qualitätsallianz, ein Zusammenschluss von 14 Geschäftsleuten, überreicht Gerd Schmidt von der Wärmestube neue Essensgutscheine für Obdachlose. Foto: Schröders

Aachen. Imk Film „Der Solist” hilft ein Journalist einem obdachlosen Musikgenie, sich Schritt für Schritt wieder in der Welt zurechtzufinden. Was Stoff für einen Hollywood-Streifen birgt, ist für Gerd Schmidt und Rolf Klinkhammer Alltag.

Die beiden Leiter der „Wärmestube” bieten in ihren Räumen eine Anlaufstelle für wohnungslose Männer und Frauen an. Daher nutzten sie die Premiere des Films im Apollo-Kino, um ihr Projekt den Besuchern vorzustellen.

Seit 1986 wird die „Wärmestube” von der Wabe betrieben und ist damit das älteste Projekt des gemeinnützigen Vereins. In den Räumen sind die Obdachlosen vor Nässe und Kälte geschützt, erhalten ein warmes Essen und können sich auch waschen.

„Wir bieten eine Atmosphäre, die die Leute oft gar nicht kennen. Bei uns können sie von ihren Sorgen und Nöten erzählen. Jeder wird vom Personal so akzeptiert, wie er ist”, sagte Klinkhammer.

Die Sozialarbeiter nutzten die Premiere des Films auch, um das in Deutschland einmalige Projekt der Verzehrgutscheine vorzustellen. Wer davor zurückschreckt, einem bettelnden Obdachlosen Geld zu geben, kann in verschiedenen Geschäften Gutscheine für ein Essen in der „Wärmestube” kaufen und statt Kleingeld die Bons verteilen.

„Der Schenkende kann dann sicher sein, dass der Beschenkte ein Essen erhält und das Geld nicht für irgendetwas anderes ausgibt”, erklärte Schmidt die Idee hinter dem Projekt.

Da die „Wärmestube” in diesem Jahr von der Ottostraße in den Gasborn umgezogen ist, überreichte Josef Walbert-Jacobs, ein Vertreter der Qualitätsallianz, den beiden Leitern vor der Filmpremiere neue Gutscheine. Die Qualitätsallianz ist ein Zusammenschluss von 14 Aachener Händlern, die in ihren Geschäften die Gutscheine verkaufen.

„Seitdem wir das System im Jahr 2003 eingeführt haben, haben wir viele neue Leute in die Wärmestube bekommen”, sagte Klinkhammer. Dies sei wichtig, um mehr Obdachlosen den Zugang zum Sozialsystem zu ermöglichen.

Die Mitarbeiter der Einrichtung bieten nämlich nicht nur eine Zuflucht, sondern versuchen auch weitere Hilfen zu vermitteln. Die Obdachlosen werden beraten, bei Behördengängen begleitet und haben die Möglichkeit, die „Wärmestube” als Postadresse anzugeben.

„In den letzten vier Jahren habe ich dabei geholfen, ungefähr 45 regelmäßigen Besuchern wieder Wohnraum zu vermitteln”, sagte Klinkhammer. Viel wichtiger sei es jedoch, dass die Menschen sich öffnen und wieder am Sozialleben teilnehmen.

„Da sind kleine Schritte oft von großer Bedeutung. Ich finde es zum Beispiel toll, wenn die Leute montags bei uns angeregt über Alemannia diskutieren, genauso wie andere Aachener in einem Caf oder hier im Foyer des Kinos.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert