Für Jörg Laufenberg ist der Tivoli das schönste Stadion der Welt

Von: Hans-Peter Leisten
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Ein Mann und sein Stadion: Jörg Laufenberg liebt den alten Tivoli - und freut sich trotzdem auf den neuen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Natürlich war Jörg Laufenberg damals in Athen. 2004, als die Mannschaft von Dieter Hecking 2:0 im Uefa-Cup gewann. Aber während die meisten Alemannia-Fans die Akropolis erklommen, sah er sich ein griechisches Pokal-Spiel an.

So etwas lässt sich der 34-Jährige nicht entgehen. Weil: Im Laufe seines immer noch recht jungen Lebens hat er rund 1500 Stadien auf dieser Fußball-Welt besucht. Athen hatte er 2001 schon besichtigt. Und er sagt selbstverständlich: „Das schönste Stadion ist einfach der Tivoli.”

Ab Freitag wird heruntergezählt: Noch neun Mal können die Fans ihren Fußball-Klub im alten Tivoli anfeuern, dann steht der Umzug an. Natürlich wird Jörg Laufenberg jedes Spiel mitverfolgen. Erstens, weil er das als eingefleischter Fan sowieso getan hätte, und zweitens, weil er seit 2005 quasi in Diensten seines Lieblingsarbeitgebers steht, denn seither ist er als Assistent der sportlichen Leitung aktiv.

Man mag dem echten Öcher aber auch so glauben, dass er keine Spielminute verpasst hätte. Sein Opa hat ihn 1981 zum ersten Mal zum Tivoli mitgenommen, 1981, gegen 1860 München. Der Opa war übrigens Jugendleiter bei der Alemannia und sogar Ehrenmitglied.

Verpasst hat der Enkel seither kaum eine Minute. Das letzte Spiel - Auswärtspartien inklusive - ohne ihn wurde 2000 auf St. Pauli angepfiffen. Damals konnte ihn nur ein Unfall von der Tribüne zurückhalten. Die Alemannia ist viel mehr als nur Leidenschaft für Fußball. Deshalb sieht sich Jörg Laufenberg auch nicht als „Groundhopper”, als einer der Fans, die die Stadionbesuche wie Trophäen sammeln. „Mir geht es nämlich immer um den Fußball.” Und den sieht er eben am liebsten auf dem Tivoli. Noch neun Mal.

In der Bodenhülse für die Eckfahne vor dem Spielertunnel hat er einen Cent versteckt, als es 2007 gegen den VfL Wolfsburg final gegen den Abstieg aus der 1. Bundesliga ging. „Hat leider nichts genutzt”, sagt er gelassen. Aber der Sport hat bei ihm nach wie vor Vorrang vor dem emotionalen Countdown in Sachen Stadion. Und wie so oft kann „Laufi”, wie ihn Ex-Coach Dieter Hecking stets nannte, eine Geschichte erzählen.

„Ich war mal beim Spiel Derby County gegen Nottingham Forest, das vorletzte Spiel im alten Baseball-Ground. Erzrivale Forest verlor und war so gut wie abgestiegen. Das war einfach eine Genugtuung für County. Aber bei uns - da kann es doch bei jedem Spiel noch um so viel gehen! Das hat Vorrang. Die Stadiongeschichte kann mit dem Aufstieg enden.”

So richtig lässt der Mann mit dem gutmütigen Lächeln diese letzten Spiele noch nicht an sich ran. Abschiedsschmerz spürt er (bislang) noch nicht. Das kann aber auch daran liegen, dass das neue Stadion nur einen Steinwurf entfernt entsteht. Und darauf freut er sich unübersehbar. Beweis? „Jeden Morgen fahre ich über Gut Wolf auf den neuen Tivoli zu. So ähnlich muss es sein, wenn man mit seiner schwangeren Frau zur Ultraschall-Untersuchung geht: Mal erkennt man ein Beinchen, mal ein Ärmchen...” Und dass der Tivoli auch seinen Namen behält, findet er ganz wichtig. So rettet er auch für sich persönlich ein Stück Tradition vom alten ins neue Stadion.
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