Aachen - Für Griechen gibt es am Europatag die Spendenbox

Für Griechen gibt es am Europatag die Spendenbox

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Ihm liegt die Rolle am Rednerpult: Pius-Schüler Benedikt Quarch (linkes) begründete den Antrag „seiner” Conservative Party, die die Abschaffung der EU-Staatsbürgerschaft forderte. Joschko Rehder, Präsident des simulierten EU-Parlaments am Pius-Gymnasium, bat anschließend zur Abstimmung. Foto: Julian Omonsky

Aachen. Nach einer Doppelstunde Religion macht sich Benedikt Quarch daran, die EU-Staatsbürgerschaft abzuschaffen. Es besteht kein kausaler Zusammenhang zwischen beidem, der Zwölftklässler hatte sich vielmehr bereits im Vorfeld auf die Rolle des Europa-Skeptikers festgelegt.

Quarch steht als Abgeordneter der britischen Conservative Party vor dem Plenum. Das tagt in der Aula des Pius-Gymnasiums. Die Schüler simulieren eine Sitzung des EU-Parlaments, Anlass dafür ist der Europatag, der jährlich am 9. Mai gefeiert wird.

Leichtes Spiel am Pius

An vielen Schulen gibt es solche Aktionen. Stets steht das Bemühen dahinter, jungen Menschen die Europäische Union näher zu bringen. Am Pius-Gymnasium hatte Lehrer Norbert Weitz vergleichsweise leichtes Spiel. Sein Part war die Organisation. Die Idee zum Europaparlament kam von den Schülern. Namentlich waren es Lukas Wolters und Christoph Lohschelder, die den Lehrer davon überzeugten, dass das doch eine gute Sache wäre.

Lohschelder wird einen Antrag einbringen. Auf französisch, schließlich vertritt er die Belange der Parti socialist und die fordert, keinen Handel mit Staaten zu betreiben, die Menschenrechte verletzen. Noch aber gehört die Bühne Benedikt Quarch.

Der junge Mann fühlt sich wohl dort oben, das wird schnell klar. In lupenreinem Englisch garniert mit breitem britischem Akzent wettert der vermeintlich Konservative gegen die EU-Staatsbürgerschaft. Gelungen gestikulierend, erklärt Quarch, dass nur 30 Prozent der Europäer wissen, dass es eine EU-Staatsbürgerschaft überhaupt gibt.

Quarch sagt, dass die Bürgerrechte doch schon durch die nationalen Verfassungen ausreichend garantiert sind und das die Versuche der EU, mittels Hymne und Flagge eine eigene Identität zu schaffen, grandios scheiterten. „Freude schöner Götterfunken”, sagt der Zwölftklässler, „wer verspürt da Stolz?”

Als der Redner fertig ist, erntet er von den Mitschülern stürmischen Applaus. Nicht für die Inhalte, was macht die anschließende Abstimmung verdeutlicht. Überzeugt hat die Art des Vortrages. Nur aus der ersten Reihe tönen Buhrufe. Dort sitzen Alt-OB Dr. Kurt Malangré, Achim Ferrari, Bezirksbürgermeister Aachen-Mitte, und Dr. Wolfgang Cornely von Amnesty International. Ihre Kritik richtet sich gegen den Inhalt von Quarchs Rede. Malangré, selbst einst EU-Abgeordneter, stellt einen Antrag, damit die Gäste mitabstimmen dürfen. Die Sitzung mag simuliert sein, packend ist sie allemal.

Die Europa-Route führt weiter von der Eupener Straße, über Luxemburger und Brüsseler Ring, zur Lütticher Straße. Die Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt ist ins Couven-Gymnasium gekommen. Sie sitzt in einem kleinen Klassenraum, neben ihr Schulleiter Adolf Bartz, um sie herum formen die Schüler einen Stuhlkreis. In dessen Mittelpunkt steht natürlich Europa.

Nach anfänglicher Scheu ist eine lebhafte Diskussion in Gang gekommen. Warum Rumänien in die EU aufgenommen wird, die wirtschaftlich weiter entwickelte Türkei hingegen nicht, wollen die Schüler wissen. Schmidt sagt, dass sie der Meinung ist, das die Türkei beitreten darf, sobald sie gewisse Kriterien erfüllt.

Die Schüler fragen die ehemalige Bundesgesundheitsministerin auch, wie es Griechenland mit seinen maroden Finanzen in die EU geschafft habe. Nun, man müsse eben den Angaben der nationalen Regierungen vertrauen, sagt Schmidt. Irgendwann verabschiedet sie sich dann, dankt für das angeregt Gespräch. „Eure Ideen”, sagt Ulla Schmidt „werden gebraucht.”

Auf einer Idee gründet auch die Europäische Union. Es war der damalige französische Außenminister Robert Schuman, der am 9. Mai 1950 vorschlug, eine europäische Produktionsgemeinschaft für Kohle und Stahl zu schaffen. Aus der Retrospektive erschien diese Idee so bahnbrechend, dass nach Robert Schuman Straßen benannt wurden. Auch eine in Aachen und dort wird ebenfalls der Europatag gefeiert. Im Einhard-Gymnasium, um genau zu sein.

Dort hat sich jede Klasse mit einem EU-Mitgliedsstaat beschäftigt, die Ergebnisse präsentieren sie gemeinsam. Frankreich in Raum 303, die Slowakei in Raum 209, Deutschland in Raum 309 und so weiter. Griechenland ist auch dabei. Die 5c hat sich intensiv mit Europas aktuellem Sorgenkind beschäftigt. Es gibt Salat mit Oliven und Feta, im Schichtbetrieb stellen die Schüler Götter wie Zeus und Aphrodite dar.

Lena hat gerade Pause. Was typisch ist für Griechenland? „Essen, Olympische Spiele, Finanzkrise”, sagt die Elfjährige. Neben dem Salatbuffet haben die Schüler eine kleine Box mit der Aufschrift „Spenden” platziert. Spätestens hier stellt sich unausweichlich die Frage, was uns Griechenland wert ist.
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