Für Friedenspreis wollen sie nicht mehr Partei ergreifen

Von: Thorsten Karbach
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Sieht Unabhängigkeit gefährdet: Ex-Vorsitzender Karl Heinz Otten tritt aus dem Friedenspreis aus.

Aachen. Von wegen Frieden. Der gegenwärtige Kurs des Vereins Aachener Friedenspreis entzweit. Der letzte Vorsitzende Karl Heinz Otten und die vormals stellvertretende Vorsitzende Vera Thomas-Ohst haben nun ihren Austritt erklärt. Beide kritisieren in einer Erklärung die Entwicklung des Friedenspreises. Letztendlicher Auslöser des gemeinsamen Schrittes ist aber ein Foto, das eine Scheckübergabe dokumentiert.

Auf dem Motiv überreicht Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linken, der stellvertretenden Vorsitzenden Tina Terschmitten und Kassierer Frank Kreß 600 Euro. Solche Spenden wollen Otten und Thomas-Ohst nicht akzeptieren. „25 Jahre nach der Gründung des Aachener Friedenspreises e. V. aus der Aachener Friedens- und Bürgerbewegung wird der Verein seit einem Jahr von Köpfen der beiden Parteien SPD und Die Linke gelenkt“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Stellvertretende Vorsitzende Tina Terschmitten – einen Vorsitzenden gibt es seit einem Jahr nicht – zeigte sich am Montag „überrascht“ vom Austritt Thomas-Ohsts und Ottens. „Das kommt unerwartet, ist mir bislang unbekannt und ich finde es auch unüblich, einen solche Austritt über die Presse zu erklären“, sagte sie. Die Vorwürfe weist sie aber entschieden zurück: „Das war keine Parteispende“, betont Terschmitten.

Das Geld stammt aber von der Linken. Die Bundestagsfraktion zahlt Diätenerhöhungen nicht mehr an die Abgeordneten aus, sondern sammelt sie, um Vereine, in denen die Politiker Mitglied sind, zu unterstützen. Und Hunko ist eben Mitglied im Aachener Friedenspreis. „Wir sehen das Problem nicht“, sagt Terschmitten.

Thomas-Ohst und Otten sehen in der plakativen Scheckübergabe dagegen „Vorwehen“ des Bundestagswahlkampfes 2013. „Politische Aussagen und eine erkennbare politische Haltung von unten weichen sukzessive den Inhalten der jeweiligen Parteiideologien“, beschreiben sie die jüngsten Entwicklungen des Vereins. „Der Aachener Friedenspreis legte seit seiner Gründung stets Wert auf finanzielle Unabhängigkeit und Autonomie. Spenden aus der Wirtschaft wurden und werden nach wie vor abgelehnt. Parteispenden werden nun offensichtlich weniger kritisch betrachtet“, steht in der Erklärung. „Das Foto war nur zur internen Dokumentation, wir werden es nicht veröffentlichen“, entgegnet Terschmitten. Die 600 Euro werden zur Finanzierung der Reisekosten der Preisträger – der mexikanische Menschenrechtler Alejandro Cerezo Contreras und „Borderline Europe“ – eingesetzt. „Wir sind als Verein leider finanziell klamm“, erklärt Terschmitten.

Bemängelt wird von Thomas-Ohst und Otten zudem der Informationsfluss im Verein, der „kaum noch“ stattfinde. Vermisst werden die Friedenstage, die der Verein nicht mehr ausrichte. „Die Streichung der Erinnerungsarbeit und Aufarbeitung, die sich den Themen Krieg und Frieden seit nunmehr 13 Jahren nicht nur theoretisch widmeten, wird eine große Lücke hinterlassen.“

Demzufolge formulieren Thomas-Ohst und Otten: „Mit unserem Austritt dokumentieren wir, dass eine parteipolitisch geprägte Friedensarbeit, die nicht von unten, sondern von Parteikadern und anderen Funktionären gelenkt und bearbeitet wird, in eine Richtung steuert, die von uns nicht gewünscht und mitgetragen werden kann.“ Für diesen Friedenspreis wollen sie nicht mehr Partei ergreifen. Terschmitten sagt hingegen: „Wenn es eine Kursänderung ist, dass wir im Verein kollegial und konstruktiv zusammenarbeiten, dann gibt es diese Kursänderung.“

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