Für Flüchtlinge ist der Boden bereitet

Von: Stephan Mohne
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Platz für 40 Flüchtlinge: Die Turnhalle Barbarastraße ist fast bereit. Ein Laminatboden ist verlegt, Betten sind aufgestellt. Möglicherweise ziehen schon in wenigen Tagen die ersten Menschen ein. Foto: Andreas Steindl
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Täglicher Kampf um Unterbringungsmöglichkeiten: Heinrich Emonts, Leiter des Sozialamtes. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Boden ist bereitet. Im Wortsinn. Laminat ersetzt den Turnhallenbelag. Aus Brandschutzgründen, sagt Sozialamtsleiter Heinrich Emonts. Bald nämlich werden in dem sonst recht schmucklosen Gebäude an der Barbarastraße Menschen nicht nur hin und wieder Sport treiben, sondern dort leben.

Die Turnhalle an der Grundschule wird zur Notunterkunft für Flüchtlinge – nach Möglichkeit nur für kurze Zeit, bis sie in eine andere Bleibe „umgesiedelt“ werden können. An diesem Morgen sind Helfer noch damit beschäftigt, Metallbetten zusammenzustecken und Matrazen zu verteilen. Es folgen noch „Dinge des Alltags“. Bettwäsche beispielsweise oder auch Waschmaschinen. Heinrich Emonts hofft indes, dass das alles gar nicht oder nur in begrenztem Umfang benötigt wird. Wenngleich er weiß, dass die nackten Zahlen diesem Wunsch entgegenstehen. Von 40 Flüchtlingen pro Quartal war die Stadt noch zu Beginn des Jahres ausgegangen.

Doch seit August sind diese Zahlen Makulatur und förmlich explodiert. Jetzt wird mit 300 Flüchtlingen pro Quartal gerechnet. Plus die „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“, die nach ihrer Odyssee in Aachen stranden. Und jene volljährigen Flüchtlinge, die Aachen nicht vom Land zugewiesen werden, sondern die „einfach an unsere Tür klopfen und hier bleiben wollen“, so Emonts. Weswegen sich die Stadt im Kampf um jede Unterbringungsmöglichkeit befindet, „weil das nicht so ohne weiteres zu stemmen ist“. Angesichts der Rasanz, mit der die Zahlen steigen, musste man eben auch nach dem Strohhalm Turnhalle greifen. Im Laufe der nächsten Tage wird sich laut Emonts entscheiden, wann die ersten Flüchtlinge an der Barbara-straße einziehen. Wobei man dann auch genau hinschaut, dass die Menschen, die dort einziehen, zueinander passen. Nationalität, Religion, Familienstand – viele Faktoren gilt es zu berücksichtigen.

Es wird viel getan, aber reicht das überhaupt? Angesichts der Zahlen könnte man daran zweifeln. Dazu sagt Heinrich Emonts nicht ohne Stolz: „Ich hätte auch nicht gedacht, dass wir es in kurzer Zeit hinbekommen würden, unsere Kapazitäten zu verdoppeln.“ Hinzu kommt der hohe Personalaufwand. Rund um die Uhr wird man die Flüchtlinge in der Turnhalle betreuen – zum Beispiel durch erfahrene Hausmeister, die laut Emonts selber teils einen Migrationshintergrund haben. Ausnahmslos werde übrigens städtisches Personal eingesetzt. Alles zusammen kostet allerdings auch viel Geld.

Von den Kosten erhält die Stadt laut Emonts nur rund ein Fünftel erstattet. Diskussionen über die Bereitstellung der Mittel habe es jedoch nie gegeben – auch nicht mit der Kämmerin. Diese wird am Mittwoch ihren Etatentwurf dem Rat vorlegen, der am selben Tag alleine für 2014 acht Millionen Euro zusätzlich bewilligen muss, die im Bereich der minderjährigen Flüchtlinge an Kosten über die bisher kalkulierten etwa vier Millionen hinaus anfallen. Dieses Geld bekommt die Stadt zwar zurück, aber mit rund einem Jahr Zeitverzug.

Wenig Widerstand hat es indes gegen die Turnhallenbelegung gegeben. Emonts räumt ein, mit mehr Gegenwind gerechnet zu haben. Bei ihm habe sich beispielsweise eine Mutter gemeldet, die kritisierte, dass die Halle nun der Schule nicht mehr zur Verfügung steht. Andererseits habe es sehr gute Gespräche mit den vielen betroffenen Vereinen gegeben, die nun anderswo trainieren müssen. Unter dem Strich macht Emonts einen „Ruck in der Bevölkerung“ aus – auch in Sachen private Hilfsangebote, die die Stadt gleichwohl nur eingeschränkt wahrnehmen könne. Einigen Unkenrufen, die Stadt habe es sich mit der Wahl der Halle ausgerechnet im Ostviertel einfach gemacht, tritt Emonts entgegen: „Wir sind nicht den Weg des geringsten Widerstands gegangen. Es ging rein um fachliche Kriterien.“ Dazu gehöre die geringe Auslastung der Halle oder auch die gute Anbindung an den ÖPNV und die Infrastruktur (Einkaufen etc.) in der Umgebung.

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