Für Fairtrade reist er durch die Welt

Von: Sarah Sillius
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Aachen. Immer mehr Menschen kaufen fair gehandelte Produkte, und immer mehr Städte unterstützen Fairtrade. So bemüht sich auch Aachen derzeit um den Titel der „Fairtrade-Town”, um damit ein Zeichen gegen Armut und Ausbeutung zu setzen.

Einer, der hautnah miterlebt, wie es den Kleinbauern vor Ort geht und was der faire Handel für sie und ihren Arbeitsalltag bedeutet, ist Nikolaus Bieger. Der 55-Jährige ist erst vor ein paar Tagen aus Madagaskar wieder nach Aachen zurückgekehrt.

Bieger arbeitet als Auditor für die Zertifizierungsgesellschaft der Fair Trade Labelling Organizations International, kurz „FLO-Cert”. Bieger besucht Kleinbauern und überprüft, ob sie berechtigt sind, ihre Produkte zu den Fair-Trade-Konditionen zu verkaufen. In Madagaskar hat Bieger zum Beispiel Produzenten von Vanille, Zimt und Pfeffer besucht.

Um das Fairtrade-Zertifikat zu erhalten, müssen die Kleinbauern gewisse Standards einhalten. „Das Allerwichtigste ist, dass die Gruppe demokratisch funktioniert”, erklärt Bieger. Dazu müsse sie zum Beispiel Vollversammlungen abhalten, ihren Vorstand demokratisch wählen und ihr Geld transparent verwalten. „Die Kleinbauern müssen bestimmte Umweltauflagen einhalten, damit ein dauerhaftes Wirtschaften möglich ist.”

Häufig werde organisch produziert. Wenn Bieger zu den Kleinbauern reist, kontrolliert er diese nicht nur. Er begegnet ihnen auf Augenhöhe und lernt die Menschen, ihre Kulturen und Besonderheiten kennen und schätzen. „Ich liebe den westafrikanischen Humor”, sagt er. Bieger ist überzeugt, dass der Faire Handel „in den allermeisten Fällen” gut funktioniert.

Bevor er Fairtrade-Auditor wurde, war Nikolaus Bieger Berufsimker. Irgendwann habe er sich nach einem „break” in seinem Leben gesehnt und ging für den Deutschen Entwicklungsdienst in den westafrikanischen Staat Niger. „Das war der Eintritt in eine neue Welt.” Später studierte Bieger Agrarwirtschaft, arbeitete als entwicklungspolitischer Berater und wechselte schließlich zu FLO-Cert. Eine Arbeit, die ihn überzeugt.

„Die Früchte resultieren auf Eigenleistung der Bauern, keinesfalls sind es Geschenke!” Denn die Kleinbauern, die bei Transfair mitmachen, könnten selbst über ihre Fairhandels-Verdienste bestimmen, sagt er: „Häufig können sie ihren Kindern mit dem Geld ermöglichen in die Schule zu gehen.”

Bieger hat miterlebt, wie Brunnen, Straßen oder Brücken gebaut, neue Produktionszweige geschaffen, Schulen restauriert wurden - alles mit Hilfe der Verdienste aus fair gehandelten Produkten. Bieger freut es darüber hinaus, dass die Menschen durch den fairen Handel selbstbewusster werden. Eine Gruppe in Madagaskar habe ihn bei seinem ersten Besuch noch mit gesenktem Blick begrüßt. „Beim nächsten Mal, als sie das Zertifikat hatten, waren sie stolz auf ihre Leistung, das fand ich toll!”

Westafrika war lange Zeit das Hauptgebiet für Biegers Audits. Das wird sich nun ändern. Seine Aufgabe werden Bio-Auditoren aus den afrikanischen Ländern selbst übernehmen. Dass Westafrika in Sachen Fairer Handel selbstständiger ist, begrüßt Bieger natürlich. „Für mich persönlich ist es aber schade”, sagt er. Denn mittlerweile habe er Land und Leute ins Herz geschlossen. „Viele Gruppen habe ich lange Zeit jährlich aufgesucht und ihren Weg mit verfolgt.”

Dennoch ist Biegers Weg noch nicht zuende: Als nächstes wird er nach Palästina reisen und Olivenöl-Produzenten besuchen.
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