Für die Sicherheit schlägt sich die Polizei die Nacht um die Ohren

Von: Wolfgang Schumacher
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Präsenz zeigen: Die Polizei geht und fährt auch nachts in der Innenstadt – wie hier auf der Partymeile Pontstraße – verstärkt Streife. Foto: Ralf Roeger
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Bandidos aus Bonn auf „Aachen-Besuch“: Wenn die Rocker wie hier in der City auftauchen, läuten bei der Polizei die Alarmglocken. Foto: Ralf Roeger
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Auch das Ordnungsamt ist vor Ort: Die städtischen Mitarbeiter legen derzeit ebenfalls so manche nächtliche Sonderschicht ein. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Seit mehr als einem Jahr ist Straßenkriminalität ein Hauptthema der Aachener Polizei. Eine Häufung nächtlicher Überfälle hatte zu Sorge in der Bevölkerung und sogar zu einer Art Bürgerstreife an den Wochenenden geführt. Doch Aachens Polizei hat mit einem neuen Präsenzkonzept nachgerüstet.

Am Wochenende, an dem das letzte Ferienwochenende und schweißtreibend Temperaturen aufeinandertrafen, widmete die Wache West im Mariental den neuralgischen Punkten in der Innenstadt ihre besondere Aufmerksamkeit. Der dortige Bezirksdienst wird koordiniert vom Ersten Hauptkommissar Robert Hintereker.

„Wir haben die Prävention verstärkt“, erklärt der Beamte bei einem Rundgang mit unserer Zeitung, „wir versuchen an den Punkten, die wir im Blick haben, vorher da zu sein und nicht erst, wenn etwas passiert ist.“ Dass das nicht immer so funktioniert, ist klar. Doch das Anwesenheitskonzept führt in der Tat – jedenfalls gefühlt – zu mehr Sicherheit in den Straßen.

Ein Beispiel lässt nicht lange auf sich warten. Bei der Fahrt am Elisengarten – ebenfalls einem neuralgischen Punkt, der später in der Nacht noch einmal in den Fokus rückt – vorbei, geraten zwei über die Peterstraße in Richtung Bushof schlendernde Rocker ins Blickfeld. Hintereker greift zum Funk, gibt die Information an die Streifenkollegen weiter.

Erst kürzlich wieder gab es spontane Aufläufe der Biker an verschiedenen Orten – und die lokalen Gruppierungen haben ein sogenanntes Kuttenverbot, sie dürfen ihre auffällig beschrifteten Clubwesten nicht öffentlich tragen. In kürzester Zeit treffen Streifenwagen und mit mehreren Beamten besetzte Bullis auf der Kreuzung Blondel- und Peterstraße ein, die beiden Rocker der „Bandidos“ werden gestoppt und befragt. Sie sind vom „Chapter Bonn“ und geben an, Aachen „besuchen“ zu wollen – Freizeitvergnügen. Kurzfristig überlegen die Beamten, ihnen ein Platzverbot zu erteilen, gehen aber wieder davon ab, doch die Rocker entfernen sich freiwillig.

Das Problem: Das Kuttenverbot gilt nicht für alle Gliederungen der Rockergruppierung, es werden die Personalien aufgenommen, die Bandidos werden verwarnt. „Wo zwei sind, kann sich schnell eine ganz Gruppe sammeln“, sagt Hintereker. Im Hintergrund schwelen Revierkämpfe mit den verschiedenen Gruppierungen wie Hells Angels, Saturdarah oder den inzwischen eher untätigen Black Jackets aus dem Ostviertel.

Aufgemotzte Luxusschlitten

Schnell waren sechs Polizeifahrzeuge an Ort und Stelle, schnell löst sich die Ansammlung wieder auf. Einige fahren zu anderen Kriminalitätsschwerpunkten wie dem Kaiserplatz, andere zeigen Präsenz in der studentischen Amüsiermeile Pontstraße. Hier ist der Teufel los, alle freuen sich auf die kommende Partynacht, die Stimmung brodelt. Hier, so Hintereker, gehe man jetzt gerne wie früher einfach Streife. So machen es die Beamten denn auch paarweise, drängen sich mit freundlichen Gesichtern durch die Feiermenge und sind „einfach da“. „Wir werden manchmal begrüßt von Leuten, die uns kennen.“ In der Tat: Kaum gesagt, gibt es schon einen Handschlag mit einem Nachtschwärmer.

Eine Fahrerin an der Kreuzung Neupforte wird zufällig beobachtet, wie sie bei Rot losfährt. Warum, ist nicht ersichtlich. Die Einsatztruppe wird verstärkt durch zwei Motorradpolizisten, die aufgemotzte Luxusschlitten auf verbotenes Tuning hin überprüfen. Denn immer wieder rasen testosterongesteuerte Fahrzeugführer mit durchdrehenden Reifen aufs Ponttor zu, um dann wieder in der Nacht zu verschwinden. Die Bilanz dieser Nacht: Ein Fahrzeug wird einkassiert.

An Heilig Kreuz stoßen die Polizeikräfte auf ihre Kollegen des Aachener Ordnungsamtes. Auch sie sind in voller Stärke und sogar noch mit freiwillig Dienst machenden Kollegen auf der Straße, kontrollieren vor allem am frühen Abend die Parks auf Grillverstöße und angetrunkene Jugendliche. Einsatzleiter Ron-Roger Breuer begrüßt die Polizei. Das Ordnungsamt hat am Veltmanplatz bereits einen minderjährigen Jugendlichen mit mehr als einem Promille Alkohol im Blut aufgegriffen. Die Eltern werden benachrichtigt, der Junge muss abgeholt werden, noch sieben weiteren Minderjährigen wird es in dieser Nacht so ergehen. Ebenso wurden Knöllchen wegen Grillverstößen verteilt, ein Kandidat muss 55 Euro blechen.

Breuer stellt bei der Nachlese am nächsten Morgen fest: „Dass dann am späten Abend ein Gewitter kam, hat gerade uns noch viel Arbeit beschert.“ So kann es gehen: Was gut ist für die Polizei auf der Straße, macht den städtischen Kollegen, die für private Ruhestörungen zuständig sind, dann richtig Arbeit. „Die Leute gehen nach Hause und feiern weiter“, erklärt Breuer und berichtet noch über eine „echt stressige Nacht“. Einmal müssen Ordnungsamt und Polizei noch gemeinsam zugreifen. Spät nachts geht es bei einer wahrscheinlich hoch alkoholisierten Gruppe von Nachtschwärmern im Elisengarten hoch her. Man traktiert sich gegenseitig und muss handgreiflich getrennt werden.

Das Fazit von Robert Hintereker: „Das Gewitter hat uns geholfen.“ Das Präsenzverhalten der Polizei, da sind sich zumindest die Beamten sicher, hilft den Bürgern in Sachen Sicherheitsgefühl ebenfalls.

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