Für die Familienfeuerwehr ist „kein Einsatz wie der andere”

Von: Sarah Sillius
Letzte Aktualisierung:
familienfeuerwehr-bu
Sie „löschen”, wenn es im Alltag der Aachener Familien plötzlich „brennt”: Projektleiterin Heidi Baumsteiger und die Mitarbeiterinnen Sabrina Petry und Simone Hengstler (v.l.). Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es ist 10 Uhr, noch hat Sabrina Petrys Notruf-Handy nicht geklingelt. Aber das hat nichts zu sagen. Am Morgen weiß die 30-Jährige nie, wie viele Familien kurzfristig in Notsituationen geraten sind und „Erste Hilfe” brauchen. Nein, einen Alltag kennen die Mitarbeiterinnen der Familien-Feuerwehr nicht. „Jeder Tag ist anders, jede Situation stellt sich anders dar”, erzählt Petry.

Da gab es die Frau, die im neunten Monat schwanger war, deren Mann sich auf Dienstreise befand, die sich eine Grippe eingefangen hatte und sich nicht um ihr kleines Kind kümmern konnte. Oder die alleinerziehende Mutter mit sieben Kindern. Die eigentlich alles super im Griff hatte, bis sie plötzlich an Krebs erkrankte und nach der Chemotherapie zu geschwächt war, um sich allein um Kinder und Haushalt zu kümmern. „Es ist ein Querschnitt durch die gesamte Bevölkerung, es sind nicht nur Alleinerziehende, nicht nur sozial schwache Familien, die uns anrufen”, erzählt Heidi Baumsteiger. Sie hat 2007 die hauptamtliche Leitung des Caritas-Projektes übernommen, das im Jahr 2005 mit dem Innovationspreis der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen ausgezeichnet wurde.

Wenn ein Anruf bei Sabrina Petry eingeht, nimmt sie Kontakt zu den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen auf, koordiniert, wer von ihnen „das Feuer löschen” kann. Viele der Frauen - bislang gibt es keine Männer bei der Familienfeuerwehr - haben selbst Familie und einen medizinischen oder pädagogischen Beruf erlernt.

Simone Hengstler zum Beispiel. Die gelernte Erziehungspflegerin ist eine von zurzeit acht Ehrenamtlerinnen, die Familien in brenzliger Lage beistehen. Wenn Petry ihr einen Auftrag übermittelt hat, telefoniert Hengstler zunächst mit den Eltern - damit sie weiß, wie sie die Kinder am besten beschäftigen kann. „Ich bin schnell in die Aufgabe reingewachsen”, sagt die 26-Jährige. Über das Internet wurde sie vor einem Jahr auf die Familienfeuerwehr aufmerksam. „Ich suchte eine Beschäftigung neben meinem Studium, die mich ausfüllt.”

Hohes Maß an Flexibilität erforderlich

Die ehrenamtliche Mitarbeit verlange ein hohes Maß an Flexibiliät, erklärt Baumsteiger - zeitlich, und auch, was den Umgang mit vielen verschiedenen Menschen angeht. „Man muss offen sein und auf andere zugehen können.” Den richtigen Weg zwischen Nähe und Distanz finden, sich immer wieder auf neue Umstände und Haushalte einstellen können, das müssen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen beherrschen. „Bei uns ist kein Einsatz wie der andere”, weiß Petry.

Die Mütter und Väter, die die Familienfeuerwehr alarmieren, sollten ihrerseits besonders eines können: Vertrauen zu den Mitarbeiterinnen aufbauen - und das ganz schnell.

Das Vertrauen zur Familienfeuerwehr sei aber auch über die Jahre gewachsen. „Man kennt uns”, sagt Petry. Sie hat vor allem eine Entwicklung wahrgenommen. Viele Eltern rufen vorsorglich an, wenn sie befürchten, dass ihr Alltag aus der Bahn geraten könnte. Zum Beispiel weil sie merken, dass sie krank werden. „Das verschafft ihnen Sicherheit, auch wenn sie die Hilfe nachher vielleicht doch nicht brauchen”, erklärt Petry.

Spenden und ehrenamtliche Mitarbeit

Die Familienfeuerwehr finanziert sich ausschließlich über Spenden. Das Geld wird vor allem für Fortbildungen der Ehrenamtlichen benötigt. Spenden können an das Spendenkonto: 7070, Stichwort Caritasverband, „Familien-Feuerwehr”, Bankleitzahl: 39050000, Sparkasse Aachen, überwiesen werden.

Spenden kann man ganz einfach auch per Internet im Rahmen der Caritas-Kampagne „Tut gut und klebt nicht”, die zahlreiche Hilfsangebote vorstellt. Jeder Euro fließt zu 100 Prozent ins jeweilige Projekt.

Es werden weiterhin ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht. Wer Interesse hat, kann sich bei Projektleiterin Heidi Baumsteiger melden unter 949270 oder unter h.baumsteiger@caritas-aachen.de per E-Mail.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert