Aachen - Für den Notfall: „Erste Hilfe“ steht im Lehrplan

Für den Notfall: „Erste Hilfe“ steht im Lehrplan

Von: Tim Habicht
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Lebenswichtiger Einsatz: Pius-Schüler trainieren beim Projekt „EMuRgency“, wie eine Herzmassage im Notfall durchgeführt wird. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Das Pius-Gymnasium integriert das Erste-Hilfe-Training fest in den Lehrplan – und schlüpft damit bundesweit in eine Vorreiter-Rolle. „EMuRgency“ – im Unterschied zum englischen „Emergency“ (Notfall) heißt das Interreg-Projekt in der Euregio Maas-Rhein (EMR) – darauf gründet offenbar der konstruierte Projektname.

Das generelle Ziel: die Erhöhung der Aufmerksamkeit für das Problem des Herzstillstandes in der Euregio Rhein-Maas und die Verbesserung der Überlebensraten.

Der Grund für die Aufnahme in den Lehrplan liegt laut Schulleitung auf der Hand: Bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde. Bis der Notarzt vor Ort ist, dauert es in der Regel fünf Minuten. In diesen fünf Minuten geht es um Leben und Tod. Erste Hilfe ist indes sofort dringend erforderlich. Diese erfahren aber nur 20 Prozent der Notfallopfer. Jeder Zweite, bei dem keine Erste Hilfe erfolgt, stirbt an den Folgen des Herzstillstandes. Umso wichtiger sei das Erste-Hilfe-Training, betont Dr. Niklas Lenssen, Anästhesist vom RWTH-Uniklinikum, im Pius-Unterricht. Damit Schülerinnen und Schüler die Angst vor der Ersthilfe verlieren und gut für einen möglichen Notfall vorbereitet sind, wird das „EMuRgency“-Training aus europäischen Fördertöpfen mitfinanziert und an die weiterführenden Schulen gebracht.

„Oft haben Passanten oder Freunde einfach Angst vor der Ersthilfe. Sie trauen sich nicht, zu helfen. Aber oftmals fehlt auch einfach das Wissen“, sagt Dr. Lenssen. Seit 2012 gibt es das Projekt. Vor gut einem halben Jahr fand das erste Erste-Hilfe-Training an den ersten weiterführenden Schulen statt. „Seitdem haben wir rund 10 000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Und wir sind noch lange nicht fertig“, erklärt der Mediziner.

Am Pius-Gymnasium hat das Erste-Hilfe-Training eine gewisse Vorgeschichte. Vor einigen Jahren erlitt ein Lehrer einen Herzinfarkt im Unterricht. Alles verlief glimpflich – der Lehrer unterrichtet inzwischen wieder. Und die Schule reagierte: „Wir haben inzwischen einen Defibrillator und einen Schulsanitäter an der Schule“, sagt Birgit Lohmann, Lehrerin und Gesundheitsbeauftragte. Eine große Besonderheit am Pius-Gymnasium sei nunmehr, dass das Erste-Hilfe-Training ab sofort fest in den Lehrplan integriert werde – eine bundesweite Premiere, wie Lohmann herausstellt. Die Lehrerin erläutert: „In Zukunft werden wir mindestens einmal jährlich ein Erste-Hilfe-Training durchführen. Das ist sehr wichtig für alle Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrkräfte. Daran werden alle ab der siebten Klasse bis in die Oberstufe teilnehmen.“

Training wird ernst genommen

„EMuRgency“-Training bedeutet am Pius: Jeder übt nach einer kurzen Einführung in der Aula die Reanimation unter professioneller Betreuung. „Auch wenn ihr alle noch jung seid: Jede Altersgruppe ist betroffen“, sagt Lenssen. Schließlich könne auch ein Bekannter oder Verwandter einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden, warnt der Arzt.

Deswegen wird das Training am Pius ernst genommen. Zum Beispiel von Jan Steins aus der 7d. Der Junge ist nach der Unterrichtseinheit überzeugt: „Die Reanimation war zwar sehr anstrengend. Aber es ist enorm wichtig, dass wir lernen, wie das geht“, sagt er. Und fügt hinzu: „Außerdem finde ich es gut, dass wir das jetzt einmal jährlich wiederholen. Denn man vergisst vielleicht Kleinigkeiten. Deswegen ist es wichtig, dass wir das Wissen immer wieder auffrischen.“ Das Pius-Beispiel soll somit auch woanders weiter Schule machen – als fester Bestandteil des Lehrplans.

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