Aachen - Für das Traumhaus reichen 50 Puzzle-Teile

Für das Traumhaus reichen 50 Puzzle-Teile

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
arcchitektbild
Bequemlichkeit pur: Klaus Bömeke und Lebensgefährtin Cornelia Schlebusch bewohnen mit ihren zwei Kindern ein, wie es im Architekten-Jargon heißt, „Passivwohnhaus in Holzständerbauweise”. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Als der Entschluss gefallen war, ging Klaus Bömeke zum Zimmermann seines Vertrauens und gab ein Puzzle in Auftrag. Gut anderthalb Jahre ist das jetzt her und es war ein ziemlich großes Puzzle. An der Professor-Wieler-Straße wurde es dann zusammengesetzt.

40 Deckenelemente, acht Wandbauteile und zwei tragende Balken: Nach nur anderthalb Tagen war das Wesentliche miteinander verschraubt. Sechs Monate später bezog Bömeke gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Cornelia Schlebusch und zwei Kindern das neue Domizil. Aus dem Puzzle war ein Haus geworden. Nicht irgendeins, sondern „ein Passivwohnhaus in Holzständerbauweise.”

So nennt es zumindest Architekt Thomas Müller-Simon, der für den Entwurf verantwortlich zeichnete. Und weil solche Häuser im Stadtbild immer noch exotisch wirken und mit vielen Vorurteilen behaftet sind, luden Cornelia Schlebusch und Klaus Bömeke am „Tag der Architektur” zu sich ein.

Dass ihr Zuhause etwas Besonderes ist, fällt sofort ins Auge. Statt einer Steinfassade dominiert Holz das äußere Erscheinungsbild. Für Bömeke ohnehin die bessere Alternative. „Holz als Werkstoff ist für mich genial”, sagt der Garten- und Landschaftsbauer.

Hinter der äußeren Fassade kann das Passivhaus besonders mit seinen inneren Werten überzeugen. Die 165 Quadratmeter große Wohnfläche auf zwei Etagen ist hell und einladend. Das dieses Haus 50 Prozent weniger Energie verbraucht als vergleichbare Stahl-Beton-Konstruktionen, ist ihm jedenfalls nicht anzusehen.

Möglich wird das enorme Einsparungspotenzial durch Maßnahmen, die nicht ins Auge fallen: Spezielle Dämmung, Dreifachverglasung, besondere Winddichtigkeit der Gebäudehülle, ein ausgeklügeltes Lüftungssystem und eine Solaranlage auf dem Dach.

Die Mehrkosten im Vergleich zu einem normalen Haus vergleichbarer Größe schätzt der Architekt auf zehn Prozent. Geld, das schnell wieder eingespart ist. Den Holzofen, der neben der Fußbodenheizung als Wärmequelle dient, hat Bömeke seit April nicht mehr benutzt: „Und wir hatten hier trotzdem immer 22 Grad.”

Das ist es, worum es geht beim Tag der Architektur. Er führt nicht nur vor Augen wo und was gebaut wird. Entscheidend ist das wie. Allein in Aachen luden 14 Bauherren zu sich ein.

Am Grauenhofer Weg wurden umgebaute und sanierte Wohngebäude präsentiert, in der Schervierstraße der Ausbau eines Untergeschosses zu einem Baderaum. Die Architektur geht neue Wege und Michael Rau ist jemand, der sie dabei tatkräftig begleitet. Der Architekt führte durch die ehemaligen Kirchen- und Klosterräume von St. Alfons. Dort hat sich nach der Veräußerung durch das Bistum einiges getan.

In den Seitenschiffen der ehemaligen Kirche sind hochwertige Büros entstanden, dort wo früher der Altar stand, ist jetzt eine Kaffeebar. „Aber das ist immer noch der Energie reichste Platz”, findet Rau. Nicht grundlos hätten die Planer ihn zum „meeting point”, einem Ort des Austauschs gemacht.

Viel Stahl, Glas, Beton und Eiche sind verbaut worden, und trotzdem können die modernen Materialien die ehemalige Funktion des Gebäudes nie vollständig verdecken. Und genau so soll es auch sein, sagt Rau. Nicht nur weil der Denkmalschutz den Architekten genau auf Finger geschaut habe. Michael Rau sagt: „Wir wollten den Bau respektvoll behandeln.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert