Für das Sinfonieorchester brechen goldene Zeiten an

Von: Robert Esser
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Goldene Zeiten: Am 31. August
Goldene Zeiten: Am 31. August wird das Sinfonieorchester erstmals im ehemaligen Umspannwerk nahe der Borngasse proben. An den Wänden sorgen 20 bis zu 6,80 Meter hohe Absorber-Flügel für den perfekten Nachhall von 0,8 Sekunden. Sie sind mit 25.000 goldfarbenen Folien beklebt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Egal wie laut der nächste Generalmusikdirektor seinem Orchester den Marsch bläst, draußen wirds keiner hören. Und drinnen kein Zuschauer sehen.

Für 2,4 Millionen Euro hat die Stadt über den Bauherrn Eurogress das historische Umspannwerk der Stawag neben dem Kapuziner Karree in ein äußerst schmuckes, abgeschottetes und absolut exklusives Probedomizil für das Sinfonieorchester des Theaters Aachen verwandelt. Fünf Jahrzehnte mussten über 50 Musiker im schmuddeligen Dachgeschoss der Elisabethhalle zwischen glucksenden Heizungsrohren proben. Das ist endlich vorbei. Am Mittwoch feierten die Handwerker das Finale der achtmonatigen Bauarbeiten. Am 31. August steht die erste Orchesterprobe an der Borngasse auf dem Spielplan.

Dann brechen wahrlich goldene Zeiten an. Denn dieser Farbton dominiert auf zehn Deckensegeln und 20 bis zu 6,80 Meter hohen Absorber-Flügeln den 480 Quadratmeter großen Proberaum. „Die Flügel lassen sich flach an die Wand legen oder wie Türen in den Raum hineinrichten”, erklärt Architekt Bernd Horschmann vom Aachener Architekturbüro Höhler und Partner. „Damit lässt sich der Nachhall des Orchesters präzise feintunen - auf Zeiten zwischen 0,8 und 1,6 Sekunden”, rechnet er vor. Bis zu 99 Musiker - Orchester und Chor - dürfen auf dem kerngeräucherten Eichenparkett spielen. Damit fallen viele Proben im Eurogress weg, das seine sehr gefragten Säle lukrativ für andere Veranstaltungen vermieten kann. Aber nicht nur deswegen zeigte sich Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf in Feierlaune: „Wir haben den Kostenrahmen gehalten und sind im Zeitplan geblieben - darauf dürfen wir alle wirklich stolz sein”, sagte sie im Foyer vor Dutzenden von Mitarbeitern der Handwerksfirmen.

Wie ein Damoklesschwert hing dabei der 15-Tonnen-Kranhaken über der Festgesellschaft - ein imposant restauriertes Überbleibsel aus Zeiten, in denen hier noch Straßenbahnwaggons repariert wurden. Denn einigen Gästen - darunter auch Ratspolitiker - schwante am Mittwoch, dass es nun erneut Kritik am Ausschluss der Öffentlichkeit geben könnte. Zumal neben den 2,4 Millionen Euro Umbaukosten auch 200.000 Euro Miete pro Jahr anfallen. Aber ein Umbau, der das Umspannwerk für einige hundert Zuschauer etwa zu Kammerkonzerten oder sonstigen Veranstaltungen ertüchtigt hätte, wäre mindestens 1,5 Millionen Euro teurer ausgefallen, hieß es. Vor allem wegen der umfangreichen Brandschutzvorschriften.

Feuer und Flamme ist Architekt Horschmann jedenfalls angesichts des gelungenen Werks. Eine Handvoll Proberäume, Stimmzimmer, Instrumentenlager, eine Notenbibliothek, das GMD-Büro und sogar die Voraussetzungen für ein komplettes Tonstudio wurden im zweigeschossigen Bau geschaffen. „All dies im unglaublich engen Kostenkorsett. Hier haben sich alle krummgelegt”, sagt der 43-Jährige.

Fast jedem Raum - etwa für Blechbläser oder Streicher - wurde ein eigenen Dämmkonzept für besten Klang zuteil. Die geziegelte Rückwand Richtung Supermarkt im Kapuziner Karree wurde mit Lochdämmplatten, Hohlräumen, Sandkammern und einer neuen Kalksandstein-Wand akustisch abgekoppelt. Und so wird es auch bleiben. Ein späterer Umbau zugunsten des Publikums dürfte unbezahlbar sein. Egal wie laut das Wehklagen der Klassikfans ist.
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