Aachen - Frühjahrsbend: Nur ohne Rockerkutten in die Geisterbahn

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Frühjahrsbend: Nur ohne Rockerkutten in die Geisterbahn

Von: Oliver Schmetz
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Die Stadt meint‘s tierisch ernst: Wenn der Öcher Bend am Samstag kommender Woche eröffnet, herrscht „Kuttenverbot“. Die Maßgabe gilt für die gesamte Dauer des Volksfestes. Foto: Michael Jaspers
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Ob Bandidos oder Hells Angels: Sie dürften nur in Zivil auf den Bend kommen. Foto: dpa

Aachen. Kutten aus, Kutten an, Kutten wieder aus – nach dem gut siebenwöchigen Verbot auf bestimmten Straßen und Plätzen in der Innenstadt und im Ostviertel, das am Aschermittwoch endete, verschärft die Stadt jetzt wieder die Kleidervorschriften für Rocker in Aachen.

Auf dem Frühjahrsbend, der am Samstag, 26. März, beginnt und bis zum Montag, 11. April, die Massen anlocken soll, sind Mitglieder der verfeindeten Rockergangs Bandidos und Hells Angels sowie der sogenannten Inmortales nicht erwünscht – es sei denn, die Gangmitglieder lassen die ihnen als Gruppensymbole so wichtigen Kutten im Kleiderschrank.

„Aachener Rockerkrieg“

Das Kuttenverbot erlebt in Aachen damit recht schnell eine Renaissance. Als der Konflikt zwischen Bandidos und Hells Angels zunehmend unter dem Stichwort „Aachener Rockerkrieg“ Schlagzeilen schrieb, hatte die Verwaltung damit begonnen, in enger Absprache mit der Polizei die Sinnhaftigkeit und die juristische Umsetzbarkeit einer solchen Maßnahme zu prüfen.

Seinerzeit hatten sich nicht nur die als „Schaulaufen“ bezeichneten Machtdemonstrationen der beiden Rockergangs rapide gehäuft, sondern es kam auch vermehrt zu schweren Straftaten. Erst gab es Schlägereien, dann Messerstechereien, dann fielen sogar Schüsse – die Lage eskalierte derart, dass man bei der Aachener Polizei schon mit dem Schlimmsten – sprich: Todesopfern – rechnete.

Kriminelle Machenschaften

Die Beamten verstärkten daraufhin massiv ihre Präsenz auf Aachens Straßen, die Fahnder ihre Ermittlungen gegen die kriminellen Machenschaften der Rocker, die sich hauptsächlich um Drogen, Schutzgelderpressung und Förderung der Prostitution drehen. Und die Stadtverwaltung tat das, was ihr möglich war: Mit Verweis auf die vom Rockerkrieg ausgehende Gefahr für die öffentliche Sicherheit erklärte sie Mitte Dezember vorigen Jahres die Elsassstraße, den Elsassplatz und den Kennedypark im Ostviertel, Teile der Pontstraße, den Holzgraben, die Heinrichsallee, die Jülicher Straße und den Weihnachtsmarkt zu kuttenfreien Zonen.

Diese Orte waren zuvor als Treffpunkte von Rockern und teils auch als Schauplätze gewaltsamer Auseinandersetzungen aufgefallen. Und siehe da: Von Aachens Rockern war fortan nicht mehr viel zu sehen. Vom Mittel des Platzverweises oder gar der Festnahme bei Zuwiderhandeln musste laut Polizei kein Gebrauch gemacht werden.

Allerdings verbuchten die Fahnder zur gleichen Zeit auch massive Erfolge im polizeilichen Krieg gegen die Rocker. Wie zuletzt berichtet, wurden bislang 21 Haftbefehle gegen Mitglieder der Bandidos und Hells Angels vollstreckt, 15 von ihnen sitzen aktuell hinter Schloss und Riegel – wohl auch ein Grund dafür, dass die Präsenz der Gangs im Stadtbild mittlerweile zurückgegangen ist.

Erfolge verbucht

Gleichwohl verbuchte man auch das erste Aachener Kuttenverbot bei der Stadt wie auch bei der Polizei als großen Erfolg, weswegen es nun zur Neuauflage kommt. Und wie die städtische Rechtsdezernentin Annekathrin Grehling zuletzt gegenüber der AZ bereits andeutete, ergeht die städtische Allgemeinverfügung, die in Kürze veröffentlicht werden soll, diesmal „anlassbezogen“, nämlich für ein beliebtes Volksfest. „Das ist ein attraktiver Veranstaltungsort, und wir wollen dort kein Schaulaufen, keine Machtdemonstrationen haben“, erklärte Grehling am Donnerstag auf Anfrage.

Trotz der jüngsten Festnahmen sei das Rockerproblem in Aachen nicht gänzlich erledigt, weswegen man gerade bei einem solchen Anlass durch die Präsenz der Gangs eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit befürchte. Und ohne Kutten und damit auch ohne offensichtliches Zurschaustellen verfeindeter Mitgliedschaften, so der dem Verbot zugrundeliegende Gedanke, komme es auch nicht so schnell zu Gewalttaten und Gefahren für unbeteiligte Dritte.

Das bestätigt auch die Aachener Polizei, deren Sprecher Paul Kemen das Verbot ausdrücklich begrüßt: „Wir halten es für ein probates Mittel, um diese Leute, die alleine durch ihr Erscheinungsbild bei vielen Bürgern Angst und Schrecken auslösen, von bestimmten Orten fernzuhalten.“

In diesem Fall ist der Ort eng begrenzt. Das Kuttenverbot gilt nur auf dem Bendplatz und auf den Straßen, die die Veranstaltungsfläche unmittelbar umschließen. Und es beginnt täglich eine halbe Stunde vor Öffnung der Fahrgeschäfte und endet eine halbe Stunde nach Veranstaltungsende, gilt also jeweils von 13.30 bis 0.30 Uhr.

Ab Dienstag, 12. April, dürfen Hells Angels und Bandidos dann wieder überall in Aachen ihre Kutten tragen. Vermutlich heißt es aber schon bald wieder: Kutten aus. „Wir schauen in die Zukunft“, sagt Dezernentin Grehling, „und haben dabei einige Sommerveranstaltungen im Blick.“

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