Fronten zwischen Alemannia und Stadtrat weiter verhärtet

Von: Christoph Pauli
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Irritiert ob der harschen Worte aus dem Stadtrat: Alemannia-Sprecher Holger Voskuhl. Foto: Steindl

Aachen. Die Worte der Politiker im Rat am Mittwochabend hatten es an Deutlichkeit nicht missen lassen, man unterstellte Alemannia Aachen unter anderem „Lug und Betrug“ (CDU-Fraktionschef Harald Baal). Die Reaktion des Klubs fiel ebenso unmissverständlich aus. „Wir sind äußerst irritiert über solche Unterstellungen“, sagte Klub-Sprecher Holger Voskuhl am Donnerstag.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seien noch lange nicht abgeschlossen, und auch die Insolvenzverwaltung habe noch nicht alle Unterlagen ausgewertet. Erst dann würde feststehen, ob und wer sich bei wem entschuldigen müsste. „Sowohl uns nahestehende Sponsoren als auch Mitglieder des Aufsichtsrats sind schlicht entsetzt, dass sie pauschal in den Kanon einer kriminellen Bande gesetzt werden“, so Voskuhl. „Diese Äußerungen sind harter Tobak.“

Für Alemannias Verantwortliche ist der Bogen überspannt, weil im Rat eben der Bogen auch zu den aktuell Verantwortlichen gespannt wurde. Eine Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Gegenwart fiel weitgehend aus. Selbstverständlich orientierten sich sowohl Interims-Geschäftsführer Michael Mönig als auch Sachwalter Rolf-Dieter Mönning streng an gesetzliche Vorgaben und ständen unter Aufsicht des Gerichts. Den Vorwurf würden die Angegriffenen keineswegs so hinnehmen.

Und auch eine angedeutete Bereicherung mit Spendengeldern wies Voskuhl scharf zurück. Für das Insolvenzverfahren gebe es gesetzlich festgelegte Honorarsätze, keinen willkürlichen Spielraum. „Die Höhe des Honorars steht erst am Ende eines Insolvenzverfahrens fest und wird vom Gericht festgelegt.“

Erfolge zur Kenntnis nehmen

Voskuhl ärgert sich über die einseitige Kritik. Denn auch im Rathaus könne man die Erfolge, die innerhalb weniger Wochen beim insolventen Klub bereits erzielt worden seien, durchaus einmal zur Kenntnis nehmen. „Wir haben es geschafft, das Defizit bis zum Saisonende von mehreren Millionen auf etwa 1,2 Millionen Euro zu reduzieren.“

Der viel zu hohe Personalaufwand sei inzwischen reduziert worden. Mit Streetscooter sei ein interessanter Trikotsponsor aus einem Bereich gewonnen worden, der sich bislang noch nicht bei der Alemannia engagiert habe, aber an die Zukunft des Vereins glaube. Mit anderen wichtigen Sponsoren würden aussichtsreiche Gespräche laufen.

„Aber sie sehen sich nicht gerne mit einer kriminellen Vereinigung in Verbindung gebracht, was einige Politiker gerade versuchen.“ Das Wichtigste: Die Mannschaft sei deutlich verbilligt worden. „Da ist gerade ein junges, talentiertes und sympathisches Team unterwegs, das unbedingt den Klassenerhalt schaffen will.“ Immer noch – und das sei schon ein großer Zwischenerfolg – lasse sich der Abstieg sportlich und finanziell vermeiden.

Die Fronten zwischen dem Klub und den Politikern sind seit der Ratssitzung am Mittwochabend weiter verhärtet. „Es ist Wahlkampf, und da werden populistisch die dicken Geschütze herausgeholt“, findet Voskuhl, „aber sie zielen auf die Leute, die gerade den Verein retten wollen.“

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