Aachen - Fronleichnam 2016: Zauberschlüssel ist das Gebet

Fronleichnam 2016: Zauberschlüssel ist das Gebet

Von: Jutta Katsaitis-Schmitz
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Fronleichnam in Burtscheid: Vor den Kurpark-Terrassen hatten sich ebenfalls 800 Gläubige eingefunden. Sie verfolgten den Weg des Allerheiligsten unter dem traditionellen Baldachin. Foto: Martin Ratajczak
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Fronleichnam am Lindenplatz: Zu den rund 800 Teilnehmern gehörten auch die Ritter vom Heiligen Grab (großes Foto), die die Feier mit Bischof em. Heinrich Mussinghoff (kleines Foto) verfolgten. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Es war das vertraute Bild, das sich am Fronleichnamsfest traditionell auf dem Lindenplatz den Blicken bot. Dabei tat der strahlende Sonnenschein das Seine, der sich durch das Grün der inzwischen hochgewachsenen Lindenbäume schlängelte. Etwa 800 Gläubige aus Aachener Innenstadtpfarreien hatten sich zur Fronleichnamsfeier eingefunden, so dass die Stuhlreihen vor dem Hochaltar dicht besetzt waren.

An den beiden Straßenseiten des Lindenplatzes hatten katholische Studentenverbindungen, die Karlsschützengilde und die Herren des Dom-Ehrendienstes Aufstellung genommen. Begleitet von den Klängen der Privatkapelle Neuss hielten, angeführt von Ministranten, Bischof em. Heinrich Mussinghoff als Hauptzelebrant sowie Weihbischöfe und Geistliche des Domkapitels, die Ritter vom Heiligen Grab und Ordensleute Einzug.

„Wir freuen uns, dass es dieses Fronleichnamsfest gibt, das mit den Augen des Glaubens zum Anbeten der Hostie als Leib Christi einlädt“, hieß es im Grußwort Mussinghoffs. In seiner Predigt ging er auf die Wandlungen des 1264 zum ersten Mal in Lüttich gefeierten Festes ein, das 1277 zum ersten Mal mit einer Fronleichnamsprozession in Köln begangen wurde. Mit einem Blick auf sein eigenes Leben schilderte der Bischof die Wandlungen des Festes im Laufe der Zeit. Im Dorf seiner Kindheit seien Blumenteppiche gelegt worden. Vor ihren Häusern hatten die Bewohner eigene Altäre aufgebaut.

Eine Blaskapelle bei der Prozession sei Ausdruck der Lebensfreude gewesen. Während seiner Studienzeit warfen die Studenten nach dem 2. Vatikanischen Konzil die Frage auf, welche Bedeutung diese Zurschaustellung bei der Prozession habe. „So wurde das Fronleichnamsfest zu einem Fest der Verlegenheit, das auf dem Schulhof gefeiert wurde“, so Mussinghoff.

„Heute verehren wir Christus in der Eucharistie und die Prozessionen zeigen, dass wir gemeinsam auf dem Weg sind“, hieß es wörtlich in der Predigt. Der Zauberschlüssel sei dabei das Gebet, das still macht und die letzte Demut des Geistes sei. Im Anschluss an die Eucharistiefeier führte die Prozession zum Aachener Dom, wo der Bischof das Allerheiligste aussetzte und den Gläubigen den Schlusssegen erteilte. Auf der Orgel begleitete Domorganist Prof. Michael Hoppe.

Zeitgleich fand im Burtscheider Kurpark die Feier des Fronleichnamfestes der Gemeinschaft der Gemeinden St. Gregor von Burtscheid statt. Fast 800 Gläubige hatten sich auch hier eingefunden. In den ersten Reihen saßen dabei die Kommunionkinder, während die anderen Kinder einen eigenen Gottesdienst feierten und auch in diesem Jahr wieder zunächst ein Altartuch mit eigenen Malereien gestalteten, das sie zur Gabenbereitung im Kurpark auf dem Altar ausbreiteten.

Fünf Geistliche konzelebrierten den Gottesdienst, zu denen auch die beiden Pfarrer Thomas Faltin und Frank Hendriks gehörten. Hauptzelebrant war Weihbischof Dr. Johannes Bündgens, der auch die Predigt hielt. Seinen einleitenden Worten stellte er das Motto des am Mittwochabend eröffneten Katholikentages in Leipzig voran: „Ecce homo. Seht da ist der Mensch“. „Schaut nicht auf Zahlen und Statistiken, auf Ideologien und Programme, auf Hautfarbe und Sozialstatus, schaut auf jeden Einzelnen in seiner unverwechselbaren Einzigartigkeit. Schaut nicht auf Flüchtlingskrisen, Flüchtlingswellen, Flüchtlingsmassen, schaut auf den Menschen Achmed oder Aishe“, appellierte Bündgens.

Vor dem Kölner Dom auf dem Roncalli-Platz stehe heute ein Flüchtlingsboot wie die Arche Noah auf dem Festland. Der Altar für die Fronleichnamsfeier stehe auf diesem Boot. Es ist ein mutmaßlich libyscher Schlepper, das Kardinal Woelki von Malta nach Köln holen ließ. Er wolle damit die Abschottungspolitik Europas gegenüber den Flüchtlingen anprangern. Jesus, sagte der Kardinal, säße heute im Boot der Flüchtlinge.

Deshalb sei es ein Ort der Gegenwart Gottes. Anhand des Gleichnisses von der wunderbaren Brotvermehrung, bei der im Evangelium 5000 Männer mit fünf Broten und zwei Fischen gespeist und noch zwölf Körbe übrig blieben, seien die Grundsätze des Evangeliums belegt: durch Sammeln, Danken, Teilen die Gesellschaft zu verändern. Musikalisch begleitete ein Posaunenkorps sowohl die Festmesse, als auch die beeindruckende Prozession, an der neben den Gemeindemitgliedern auch drei Schützenvereine, das Trommler- und Pfeiferkorps und der Bürgerverein Burtscheid teilnahmen.

Es war den Tellschützen vorbehalten den Baldachin für die Monstranz zu tragen. Den Schlusssegen erteilte der Weihbischof auf dem Gelände des Marienhospitals, wohin danach zu freundschaftlichen Begegnungen eingeladen wurde.

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