Frithjof Kraemer: „Nicht beschämend, sondern nur ehrlich”

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Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Die Existenz der Alemannia ist nicht gefährdet.” Das ist der wichtigste Satz einer Presseerklärung, die die Geschäftsführer Frithjof Kraemer und Erik Meijer am Mittwoch als Reaktion auf die Diskussionen der vergangenen Tage veröffentlicht haben. Gefährdet sei die Alemannia auch dann nicht, wenn sich nichts ändern würde.

Sprich: Wenn die Bitte um Hilfe der Stadt am Ende ins Leere laufen würde. Dennoch: Die Alemannia will neun Millionen Euro in ein Nachwuchsleistungszentrum inklusive Jugendtrainingsplätze und Stadion für die „U23” investieren. Alleine stemmen kann sie dies jedoch nicht. Deshalb hatte man sich an die Stadt gewandt - mit den entsprechenden und zum Teil empörten Reaktionen in der Öffentlichkeit. Über das Thema sprach mit Frithjof Kraemer AZ-Redakteur Stephan Mohne.

Wie ist es um die Alemannia bestellt?

Kraemer: Wie meinen Sie das denn genau?

Sie haben die Stadt um Unterstützung gebeten, da drängt sich die Frage also auf: Wie geht es der Alemannia finanziell?

Kraemer: Wir stehen davor, den nächsten Schritt zu tun, nachdem das Stadion steht. Dabei geht es um den Bau des Nachwuchsleistungszentrums inklusive Jugendtrainingsplätze und U23-Stadion. Wir sind aber in der Situation, die 2,5 Millionen Euro für Plätze und Stadion nicht aus eigener Kraft schultern zu können. Im gesamten Verlauf des Stadionprojekts sind Kosten auf uns zugekommen, die wir jetzt aus dem operativen Geschäft stemmen müssen. Alleine sechs Millionen Euro Pacht für Kapitaldienst und Stadionbetrieb sind ein fixer Kostenblock. Aber wir wollen unbedingt an unserem Plan festhalten, junge Spieler selbst auszubilden, statt teure Spieler zukaufen zu müssen. Ich stehe da voll hinter den Plänen von Erik Meijer.

War es nicht viel früher abzusehen, dass sich die Situation irgendwann so darstellen würde?

Kraemer: Wir haben immer gesagt, dass wir die weitere Infrastruktur schaffen wollen, wenn das Stadion steht. Vom Projektbeginn 2006 bis heute ist vieles passiert, darunter eine Finanz- und Wirtschaftskrise. Wie jeder Häuslebauer hatten wir viele Vorlaufkosten und haben hohe Nebenkosten. Das haben wir uns irgendwann sicher anders vorgestellt, und das entspricht auch nicht unseren Wünschen. Aber wir können das Geld für die Investitionen nicht herzaubern.

Investitionen sind die eine Seite, die laufenden Kosten die andere. Stimmt es, dass Gehälter nicht gezahlt wurden und Sie auch andere Verpflichtungen nicht bedienen können?

Kraemer: Das ist Unsinn. Man muss hier die Investitionen und das operative Geschäft klar trennen. Keine einzige Gehaltszahlung kam in den vergangenen Jahren verspätet bei unseren Mitarbeitern an. Die Ertragslage ist auch nicht das Problem, sie hat sich durch das neue Stadion verbessert. Natürlich ist die Situation nicht leicht, natürlich haben wir Nöte. Ich will das keineswegs verniedlichen. Aber wir sind nicht Uli Hoeneß, der mal flott ein paar Millionen locker machen kann.

„Nach heutigem Stand”, so heißt es in einer Presseerklärung, werden Sie den Etat für die Lizenzspielerabteilung kräftig, um bis zu eine Million Euro, reduzieren - um eben in besagte Infrastruktur zu investieren. Ist das eine Drohung gegenüber der Stadt oder lediglich eine Feststellung?

Kraemer: Das ist natürlich eine Feststellung. Und jetzt will ich einmal eines sagen: Wir sind bei dem gesamten Projekt enorm und immer wieder in Vorleistung gegangen. Wir sind mutig nach vorne gegangen, auch zum Wohle der Stadt. Jetzt wollen wir den Weg gehen, lieber eigene Spieler auszubilden, als viel Geld in Spieler von weither zu investieren. Ich stehe voll hinter diesem Konzept. Das ist ein großer Beitrag für einen Weg in die Zukunft, von dem wir überzeugt sind, dass er uns nach vorne bringt. Das stiftet Sinn. Und das ist für uns nicht beschämend, sondern einfach nur ehrlich.

Wie gehen Ihre Gespräche mit der Verwaltung jetzt weiter?

Kraemer: Wie verabredet schaut die Stadt jetzt nach möglichen Lösungswegen. Dann werden wir uns wieder an einen Tisch setzen. Wichtig ist natürlich, dass eine solche Lösung nicht zu Lasten der Allgemeinheit geht. Ich finde es jedoch nicht unverschämt, dass wir uns als größter Verein und Werbeträger an die Stadt gewandt haben.

Gehen Sie auch andere Möglichkeiten an, weitere Geldquellen aufzutun als jene bei der Stadt?

Kraemer: Es ist doch nicht so, dass wir hier jahrelang herumsitzen. Natürlich sind wir ständig unterwegs, prüfen weitere Ertragsmöglichkeiten und analysieren, wie man Geschäftsmodelle optimieren kann. Um es nochmal zu sagen: Wir sind ertragsmäßig gut aufgestellt, aber solch ein neues Stadion ist wie jeder Hausbau zunächst auch ein Klotz am Bein, der Kosten verursacht. Und die hat man zu bewältigen.
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