Frisch gewagt: Eine Woche ohne eigenes Auto mobil

Von: Matthias Hinrichs
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Blech ab sofort tabu: Eine Woche lang verzichten die „Kandidaten” des städtischen Experiments aufs eigene Auto. Am Mittwoch sind sie auf Drahtesel, Aseag-Ticket oder auch Teilzeit-Wagen umgestiegen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Treffpunkt: 17 Uhr, Parkhaus Lagerhausstraße. Leicht gesagt. Elmar Bongers kratzt die Kurve zur Tiefgarage mit seinem betagten Renault auf den letzten Drücker. „Mitten in der Stoßzeit von Brand zum Bahnhof”, seufzt der 38-Jährige. „Das stresst.”

Eben. Aber jetzt ist der Mann ja angekommen - längerfristig. Und in bester Gesellschaft mit einem knappen halben Dutzend wild entschlossener Aachener. Alle sagen sie: „Tschö Pneu”, auf Wiedersehen, liebes Auto. Man sieht sich in einer Woche. Denn alle gehören zum erlauchten Kreis jener Bürger, die der ÖPNV-Offerte der Stadt nicht widerstehen konnten. Warum auch? Eine Woche bunkern sie ihr (mehr oder weniger) geliebtes Blech gratis unterm Verwaltungsgebäude. Und packen die Schlüssel artig in einen Briefumschlag, den sie sieben Tagen lang nicht anzurühren geloben.

Dafür winkt reicher Lohn: Zur Woche der Mobilität haben die Verkehrsplaner sich nämlich ein spezielles Schnupperschmankerl für umsteigewillige Kfz-Piloten ausgedacht (wir berichteten). Der Ordnung halber erklärt Armin Langweg vom Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen ihnen nochmal den Ernst der Lage - bzw. deren nachhaltige Vorzüge. Kurzum: Auto gegen kostenfreie Fahrt per Aseag im gesamten AVV-Gebiet und/oder Elektrofahrrad, bei Bedarf inklusive Anhänger, sowie erheblich preisreduzierte Teilhabe beim Cambio-Car-Sharing.

Klingt nicht schlecht, oder? „Schon”, sagt Bongers, „aber wir hätten uns längst ein Auto mit anderen geteilt.” Allein: In Brand, wo der Berufsschulehrer mit Gattin Kerstin, Felix (3), Annalena (5) und Judith (6) wohnt, gibt es keine Cambio-Station. „Leider ist die nächste am Bahnhof Rothe Erde.”

Vielleicht kann Bongers jetzt ja einen Beitrag dazu leisten, dass das Netz der umwelt- und kostenfreundlichen Fortbewegungsmöglichkeiten viel enger geknüpft wird. „Im Grunde nutzen wir schon heute häufig das Rad”, sagt er. Seinen Arbeitsplatz in Horrem erreicht er per Schiene. „Das kostet etwas mehr Zeit, ist aber viel weniger Stress!” Siehe oben. Und selbst die lieben Sprösslinge sind nicht auf die Barrikaden geklettert in Sachen Abstinenz vom Rücksitz. „Die fahren eh´ lieber mit dem Bus.” Und wenn am Samstag der nächste Großeinkauf ansteht? „Wir haben zwei Fahrräder mit Anhängern.”

Man merkt: Schon denkbar, dass der Mann - ebenso wie die übrigen „Kandidaten” - sich demnächst keine Sorgen mehr machen wird über TÜV und Spritkosten, Werkstatt-Termin, Parkplatznot - oder Stoßzeit. „Naja, ein bisschen Manschetten haben wir schon”, bekennt er. „Auf meine Frau und mich kommt ausgerechnet jetzt eine Knallerwoche zu - vollgestopft mit Terminen.”

Trotzdem: Die AZ wird auch einen kriegen bei den BongersÔ. In Kürze berichten wir, wie - und wohin - das „Experiment Ex-Auto” die jungen Brander wirklich bewegt hat.
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