Aachen - Friedrich III. blickt wieder auf die Heinrichsallee

Friedrich III. blickt wieder auf die Heinrichsallee

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Der Kaiser ist zurück: Das Denkmal Friedrichs III. wurde wieder auf seinen Sockel gesetzt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Beim Abbau hatte der Reiter die Steinmetze mächtig auf Trab gehalten. Stundenlang mühten sie sich, ihn vom Sockel zu holen. Die Rückkehr zum Kaiserplatz verlief für das Denkmal Friedrichs III. am schweren Wertz-Kran dagegen ohne Haken – zumindest im übertragenen Sinne.

In aller Früh, genau genommen um 4.30 Uhr, machte sich die sechs Tonnen schwere Bronzefigur auf dem Hof der Steinmetz und Steinbildhauerei Schwartzenberg in Sief, wo der Kaiser zuletzt lagerte, auf den Weg zurück in die Stadt.

Ein Tieflader kurvte Pferd und Reiter über Walheim und Kornelimünster, entlang der Trierer Straße, über die Nordstraße und die Von-Coels-Straße, den Berliner Ring und den Adalbertsteinweg zum Kaiserplatz. Die Zick-Zack-Route war alternativlos. Der gewaltige Kaiser – samt Pferd und Plattform misst er fünf Meter – wäre durch keinen Tunnel und unter keiner Brücke durchgekommen. 45 Minuten später war der dann endlich vor Ort, um 9.40 Uhr war er in Position gebracht und wurde von seinen Fesseln befreit.

Dutzende Zaungäste

Natürlich war auch das ein mühevolles Unterfangen bei sechs Tonnen, die Ross und Reiter auf die Waage bringen. Doch Dutzende Zaungäste konnten verfolgen, wie  gelassen die Experten von Schwartzenberg und der Kunstgießerei Plein aus Bitburg den Kaiser aufsetzen ließen und mit dem Zollstock ausrichteten.
„Der Abbau hatte uns etwas überrascht, dafür war die Montage umso einfacher. Das Aufsetzen verlief sehr angenehm“, erklärte Kunstgießer Heinz Plein.  Damit sind auch die Erinnerungen an die verborgenen Anker im Stein, die die Experten über die Maßen ärgerten, Geschichte. „Schon der Transport hat mehr als reibungslos prima geklappt“, berichtete Steinmetz Christoph Schwartzenberg.

Kleine Nacharbeiten

Mörtel war vorher auf dem Sockel verteilt worden, in diesen Mörtel wurde dann der Kaiser samt Pferd auf seiner Natursteinplatte, gesetzt. Eine weitere Verankerung war nicht mehr notwendig. Das Eigengewicht des Herrschers ist allemal ausreichend, um sicher zu stellen, dass Friedrich III. nicht mehr vom Sockel fällt. An Kaiser und Pferd hatte Kunstgießer Plein in den letzten Wochen die eine oder andere beschädigte Stelle ausgebessert.

„Es waren aber nur ganz geringe Sachen, die wir nacharbeiten mussten“, erzählt er. Der Kaiser –Friedrich III. war übrigens nur 99 Tage in Amt und Würden, am   15. Juni 1888 starb er an Kehlkopfkrebs – hatte sich an seinem Platz wirklich gut gehalten. „In zwei, drei Jahren wird dann auch seine original Patina wieder zum Vorschein kommen“, verspricht Plein, dann seien auch die Nachbesserungen nicht mehr auszumachen.

Zerlegt und aufgebaut

Der Preußenherrscher Friedrich III. – 1911 von Bildhauer Hugo Lederer fertiggestellt – blickt also wieder über die Heinrichsallee, während in seinem Rücken die Kipplaster die Baustelle für das Einkaufszentrum „Aquis Plaza“ anfahren. Diese Arbeiten sind es auch, die den Kaiser überhaupt erst zwischenzeitlich verschwinden ließen. Ein Tunnel wird in Zukunft in das Parkhaus des 290 Millionen Euro teuren Einkaufszentrums führen. Und für den musste der Platz, auf dem der Kaiser thront, verkleinert werden, der Sockel umziehen. Sein Sockel wurde zerlegt und neu aufgebaut. Doch nun ist er dauerhaft zurück. Ein buchstäblich majestätischer Anblick.

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