Aachen - Friedhofsgärtner: Bedürfnis nach einem Ort für die Trauer

Friedhofsgärtner: Bedürfnis nach einem Ort für die Trauer

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
Ruhig und fast schon idyllisch
Ruhig und fast schon idyllisch: Der Garten der Erinnerung auf dem Friedhof Hüls beweist, dass ein Friedhof auch schön und ein Ort der Begegnung sein kann. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ruhig und fast idyllisch ist es auf dem Friedhof auf der Hüls. Die Sonne lässt die Farben der vielen Blumen in hellem Licht erstrahlen und das Zwitschern der Vögel wird nur ganz selten von vorbeifahrenden Autos gestört.

Vereinzelt laufen Menschen mit Gießkannen und Blumen in den Händen vorbei und manch einer zündet noch eine Kerze an und scheint für einen Moment lang in vergangenen Erlebnissen verhaftet.

Idylle und Friedhof - kann das zusammenpassen? Für Heinz Günter Arnouts, Vorstandsvorsitzender der „Genossenschaft Aachener Friedhofsgärtner e.G.” passt es nicht nur zusammen, es ist für ihn ein alltägliches Bild.

Wenn auch dieses Bild nicht unbedingt die Regel sein muss, zumindest in einem anderen Punkt, denn nicht jeder kann und will sich selbst um die Grabstätte seiner Verwandten kümmern. Sei es aus beruflichen Gründen, wegen eines Wohnortswechsels oder einfach der Regelmäßigkeit, mit der ein Grab gepflegt werden muss. Gründe gib es viele.

Für die Genossenschaft, die dieses Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feiert, ist das Wie und Warum uninteressant. Fest steht: Wer sich um Grabpflege, Grabherrichtung und Blumenbepflanzung nicht kümmern kann, der ist bei der Genossenschaft in den richtigen Händen.

Am 17. Juli 1962 von den in Aachen ansässigen Friedhofsgärtnereien gegründet, befinden sich heute 17 Friedhofsgärtnereien in der eingetragenen Gesellschaft. Vor allem die Belange der Kunden stehen bei den Aufgaben klar im Mittelpunkt, wie Arnouts betont: „Wir bauen ein Vertrauensverhältnis auf und geben die Sicherheit, dass sich ums Grab gekümmert wird, wenn der Kunde es selbst nicht mehr kann.” Konkret bedeutet dies, dass ein Einmalbetrag gezahlt wird, der in den nächsten Jahren für die Pflege und das Drumherum anfallen wird. Im Regelfall spricht man von 20 Jahren. Die Gräberlangzeitversorgung beinhaltet eine Dauergrabpflege.

Dass das Angebot auf großes Interesse trifft, machen die Zahlen deutlich. Aktuell laufen 8000 Verträge für eine Dauergrabpflege auf Aachens Friedhöfen. Die Genossenschaft regelt die finanzielle Abwicklung und verwaltet das Geld.

Arnouts erklärt: „Es sind nicht weniger Leute geworden, die ihre Angehörigen besuchen. Vor allem auch viele junge Leute wollen sich die Zeit nehmen, auf den Friedhof zu gehen. Das geläufige Bild, was in diesem Bereich vermittelt wird, entspricht nicht unseren Erfahrungen. Es ist ihnen besonders wichtig, einen Ort zu haben, wo sie trauern können. Das ist meistens gar nicht mit einem negativen Bild von dunklen Friedhöfen verbunden. Und wenn sie es eben nicht mehr selbst können, dann sind wir da. Wir tun alles, damit das Vergessen nicht ganz da ist.”
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