Friedenspreis macht Front gegen Armee

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Aachen. Gerhard Diefenbach braucht nicht lange, um deutliche Worte zu formulieren: „Die Bundeswehr ist kein gewöhnlicher Betrieb und die Tätigkeit als Soldat ist kein normaler Beruf, weil sie auf Krieg, Gewalt und Tod ausgerichtet ist”, meint der Sprecher des Arbeitskreises Antimilitarisierung im Aachener Friedenspreis.

Die Offiziere der Bundeswehr werden es vermutlich nicht gerne hören, was den Friedenspreis sowie weiterer 14 Organisationen aus Aachen und Städteregion nicht daran hindert, das Werben der Bundeswehr um Nachwuchs in den Schulen scharf zu kritisieren.

In einem Schreiben an die Verwaltung wurde nun darum gebeten, an die jeweiligen Schulleitungen im Rahmen einer Resolution zu appellieren, künftig keine Bundeswehrvertreter mehr in den Schulunterricht einzuladen. Die Bemühungen seitens der Bundeswehr, Schülern den Bundeswehrdienst schmackhaft zu machen, werde besonders angesichts der Abschaffung der Wehrpflicht demnächst weiter zunehmen.

„Die Bundeswehr hat ein Rekrutierungsproblem, was auch daran liegt, dass die Akzeptanz für die Bundeswehr in Deutschland nachlässt. Die Folge sind aufwendige Werbemaßnahmen. Es liegen uns Zahlen vor, dass die Bundeswehr 2009 rund zwölf Millionen Euro in Werbezwecke investiert hat, im vergangenen Jahr sogar 27 Millionen Euro”, sagt Diefenbach. Aus zahlreichen Gesprächen mit

Jugendlichen sei in der Vergangenheit hervorgegangen, dass immer mehr Jugendoffiziere im Rahmen von Infoveranstaltungen in den Schulunterricht eingeladen worden seien, um über Berufsmöglichkeiten bei der Bundeswehr zu referieren. „Die Bundeswehr ist keine ausgewiesene Bildungseinrichtung. Es gibt bessere Institutionen, die Schüler aufklären können”, meint Friedenspreis-Vorsitzender Karl Heinz Otten.

„Verschönte Darstellung”

Die scharfe Kritik solle Eltern gleichermaßen wie Schüler über ihr Einspruchsrecht bezüglich Schulbesuche der Jugendoffiziere informieren. Eine direkte Kritik seitens der Schüler oder Eltern hinsichtlich der Präsenz der Bundeswehr in Schulen sei den Organisationen bisher allerdings noch nicht zu Ohren gekommen.

Dennoch: In den Augen der Friedensorganisationen werde insbesondere Schülern und jungen Menschen ohne Perspektive der Beruf bei der Bundeswehr verschönt dargestellt. In diesem Zusammenhang wird vor allem auch die Landesregierung kritisiert. Rot-Grün hatte erst vergangene Woche einen Antrag der Linksfraktion zur Aufhebung des bestehenden Kooperationsvertrags zwischen dem Schulministerium und der Bundeswehr abgelehnt.

Bundeswehr ist besser ausgestattet

Mehr Friedensaktionen in den Schulen statt steigender Besuche der Bundeswehr so der Wunsch der Organisationen. Doch das ist leichter gesagt, als getan: „Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen: Wir sind der Bundeswehr sowohl personell, strukturell als auch finanziell unterlegen”, stellt Diefenbach fest.

Am Samstag, 2. April, ist der Friedenspreis trotzdem von 11 bis 14 Uhr mit einem Informationsstand zu dem Thema auf dem Holzgraben in Aachen vor Ort.
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