Aachen - Friedenspreis: Desaster um Verleihung soll erklärt werden

Friedenspreis: Desaster um Verleihung soll erklärt werden

Von: Oliver Schmetz
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So sehen betretene Mienen aus: Dieter Spoo, Tina Terschmitten und Ralf Woelk (von links) vom Vorstand des Vereins Aachener Friedenspreis beim Versuch, das Desaster um die geplante Verleihung an die Düsseldorfer Hulda-Pankok-Gesamtschule zu erklären. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wer wissen will, was sich wirklich hinter dem Begriff betretene Mienen verbirgt, muss an diesem Montag gegen 11 Uhr in den Mathias-Wilms-Saal im Aachener DGB-Haus schauen. Dort sitzen die Vorstandsmitglieder des Vereins Aachener Friedenspreis am Ende eines langen Tisches: Ernst und betrübt sind ihre Blicke, bedröppelt schauen sie drein, immer wieder müssen Hände herhalten, um Kinnladen abzustützen. Keiner fühlt sich wohl, keinem steht der Sinn nach einem Lächeln.

„Wir wollen niemanden zwingen“

Der Verein hat eingeladen, um zu erklären, zu rechtfertigen und zu entschuldigen, wie aus der beabsichtigten Verleihung eines Friedenspreises an die Düsseldorfer Hulda-Pankok-Gesamtschule ein peinlicher Krach zwischen Verleiher und Empfänger werden konnte. Wie das im Detail abgelaufen ist, dass eine Schule ausgezeichnet werden soll, weil sie die um militärischen Nachwuchs werbenden Jugendoffiziere der Bundeswehr nicht einlädt, und diese Schule am Ende sagt: Stimmt gar nicht, den Preis wollen wir nicht. Wie ein Kommunikationsdesaster entstehen konnte, bei dem sich zuletzt sogar der Eindruck aufgedrängt hat, es solle ein Friedenspreis tatsächlich „gewaltsam“ verliehen werden.

Dem widerspricht man jetzt vehement: „Wir wollen niemanden zu etwas zwingen, das wäre das Letzte“, beteuert Beisitzerin Lea Heuser. Und DGB-Chef Ralf Woelk, Schriftführer im Friedenspreis-Vorstand, unterstreicht: „Wir werden nichts zwangsverleihen.“ Es stehe vielmehr „das Angebot, den Preis an die drei Schulen zu verleihen“ – neben der Düsseldorfer Schule sollen auch das Robert-Blum-Gymnasium in Berlin und die Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach ausgezeichnet werden.

Das hatte vorige Woche noch anders geklungen. Da hatte der Verein quasi auf der Verleihung bestanden, von einer „Einzelmeinung der Rektorin“ gesprochen, die die Ehrung ablehnte, und einen Schulkonferenzbeschluss über die Annahme gefordert. Von „unglücklicher Wortwahl“ spricht Woelk jetzt und sagt: „Wir haben da möglicherweise die schulinterne Debatte kommentiert und uns vielleicht etwas zu weit vorgewagt.“ Und Beisitzer Dieter Spoo ergänzt: „Wir wussten, dass das eine brisante Preisverleihung ist, und fanden das auch sinnvoll, aber wir haben unterschätzt, wie viel Sprengkraft darin steckt.“

Nun sendet der Vorstand Signale der Entspannung: Neben der Offerte, den Preis für die Schule weiter bereitzuhalten, hat man der Schulleitung am vorigen Freitag ein Gesprächsangebot übermittelt, um „Missverständnisse“ auszuräumen und eine „gemeinsame Sprachregelung“ zu finden. „Da ist viel schief gelaufen“, räumt Ex-Vorsitzender Gerhard Diefenbach ein, der die Schule als Preisträgerin vorgeschlagen hatte.

Viel Selbstkritik ist da zu hören, aber auch Erklärendes. Nachdem man von der ablehnenden Haltung der Schulleitung gehört habe, habe man den Preis nicht einfach zurücknehmen können, sagt Tina Terschmitten, stellvertretende Vorsitzende des Friedenspreises: „Wir können als Vorstand nicht die Entscheidung der Mitgliederversammlung umstoßen.“

Und am Tag vor der Verkündung am 8. Mai habe man von der Schulleiterin per Mail bestätigt bekommen, dass der preiswürdige Schulkonferenzbeschluss zum Umgang mit der Bundeswehr aus dem Jahr 2010 „gefunden“ worden sei. „Damit fühlten wir uns auf der sicheren Seite“, sagt Terschmitten. Im Übrigen habe man später, als die Schulleitung behauptete, nahezu die ganze Schule stehe hinter der Ablehnung des Preises, aus anderen Quellen glaubhafte Informationen gehabt, dass das nicht stimme.

Dass der Friedenspreis an der Düsseldorfer Schule – und nicht nur dort – nun Debatten auslöst, findet man in Aachen gut. Dass der Preis aber zumindest in Aachen durch das peinliche Gezerre Schaden genommen hat, sieht man auch: „Hier ist es doch so, dass die Leute jetzt sagen, was seid ihr für ein Verein“, weiß Spoo. Dieser Verein wird jetzt erst einmal per Brief seine Mitglieder informieren und auf eine Reaktion der Schule warten, die am Montag noch aussteht. Und trotz allem blickt man optimistisch auf die Verleihung am 1. September. Dann dürften sich die Mienen aller Beteiligten auch wieder erhellen. „Denn eigentlich freuen sich unsere Preisträger immer“, erinnert sich Diefenbach.

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