Friedenslauf: Schüler so etwas wie „Vereinte Nationen“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Kaum zu halten: Beim 14. Aachener Friedenslauf konnten es die rund 2000 Schülerinnen und Schüler aus 24 Schulen – hier der Start zum Lauf der Grundschulen – kaum erwarten, die Strecke für den guten Zweck unter die Laufsohlen zu nehmen. Foto: Andreas Steindl
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Die Friedensbotschaft im Gepäck: Der Lauf unterstützt mit seinen Erlösen viele lokale Projekte – etwa zur Integration und gegen Rassismus.
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Es wird nicht nur gelaufen: Auch viele Rollstuhlfahrer jagten Runde um Runde über die Strecke in der Innenstadt.

Aachen. Die ersten Kinder konnten den Start-Countdown am Elisenbrunnen kaum abwarten. Sobald André Schnitker, der sonst den Zuschauern der „Ladies in Black“ ordentlich einheizt, und der Pantomimekünstler Scheibub auf Null heruntergezählt hatten, flitzten sie auf die etwa einen Kilometer lange Strecke durch die Altstadt. Dabei ging es gar nicht um Schnelligkeit.

Spaß, Gemeinschaftsgefühl und der Einsatz für die gute Sache standen wie immer beim Friedenslauf im Mittelpunkt. Etwa 2000 Schülerinnen aus 24 Schulen aller Schulformen hatten bei der 14. Auflage dieses besonderen Sponsorenlaufes wieder die Laufschuhe geschnürt.

„30.000 Euro wären super“, erwartete Projektleiterin Annett Werner von „pax christi“ ein ähnliches Ergebnis wie im vergangenen Jahr. Erfahrungsgemäß erläuft jeder Schüler im Schnitt einen Spendenbetrag von zehn Euro. Damit finanzieren „pax christi“, das Netzwerk Aachener Schulen gegen Gewalt und Rassismus sowie das Forum Ziviler Friedensdienst Projekte vor Ort als auch in Ländern wie Polen oder dem Libanon, die Konflikte mildern helfen, Gewalt vorbeugen und Versöhnung ermöglichen.

Doch das Geld stand an diesem Vormittag nicht im Vordergrund. Die bunte Vielfalt an Läuferinnen und Läufern zeigte es auf: Hier ein Junge im Rollstuhl, da ein dunkelhäutiges Mädchen, manche schnell unterwegs, andere begnügten sich mit Gehen – jeder war dabei und trug seinen Teil zur guten Sache bei. „Das erinnert mich an einen Satz von Spasoje Kulaga, der im Begleitprogramm des Aachener Friedenslaufes an unserer Schule war.

Er kämpfte als junger Mann im Jugoslawienkrieg und engagiert sich aufgrund dieser Erfahrung jetzt als Friedensaktivist. Als er mitbekam, aus welchen Regionen der Erde die Eltern unserer Schüler stammten, sagte er beeindruckt: ‚Hier sind die Vereinten Nationen.‘“, erzählte Matthias Fischer, Lehrer an der Hauptschule Drimborn und Vertreter des Netzwerkes Aachener Schulen gegen Gewalt und Rassismus. Die Normalität des Zusammenlebens von unterschiedlichen Kulturen und Religionen sei etwas, auf das man stolz sein könne.

Um dem Ausdruck zu verleihen, hatten die Organisatoren im vergangenen Herbst auch die beiden großen Aachener Moschee-Gemeinden Yunus Emre und Bilal angesprochen. „Der Bischof und der Superintendent sind neben dem Oberbürgermeister und dem Städteregionsrat schon lange Schirmherren. Es laufen aber auch sehr viele muslimische Kinder mit. Dem wollten wir bei den offiziellen Unterstützern Rechnung tragen“, erklärte Fischer.

„Die Zusagen von Abdurrahman Kol und Idris Malik kamen sofort.“ Werner ergänzte: „Das Motto ‚Ausgrenzung überwinden‘ haben wir auch gewählt, um daran zu erinnern, dass es noch selbstverständlicher werden muss, dass alle mitmachen können.“ Wie das geht, demonstrierte der Friedenslauf wieder einmal auf eindrucksvolle Weise. Dass dieses Mal – aufgrund des kurzen Schuljahres – weniger Grundschulen den Weg zum Elisenbrunnen fanden – ist da nur ein kleiner Wermutstropfen.

„Dafür sind mehr Schulen aus der Städteregion dabei“, freute sich Fischer, dass die Aachener Idee mittlerweile ein Exportschlager geworden ist. Neben weitangereisten Schulen aus Alsdorf und Langerwehe gibt es mittlerweile auch Nachahmer in Jülich, Neuss und Bonn, aber auch im weit entfernten Berlin, Bremen und Augsburg.

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