Aachen - Friedensgebet rückt Flüchtlingsschicksale in den Mittelpunkt

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Friedensgebet rückt Flüchtlingsschicksale in den Mittelpunkt

Von: Kathrin Albrecht
Letzte Aktualisierung:
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Das Ökumenisches Friedensgebet rückt Flüchtlingsschicksale in den Mittelpunkt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Bitterkalt ist es in den Bergen bei Ushtar im Grenzland zwischen Marokko und Algerien. Für Flüchtlinge, die über Marokko versuchen, Europa zu erreichen, ist es oft die letzte Station. In den Bergen versuchen sie, der Grenzpolizei zu entkommen, alle Habseligkeiten wurden ihnen meist bei Razzien bereits abgenommen.

Die ärmliche Kleidung der Flüchtlinge, die kaum Schutz vor der Kälte bietet, habe ihm Tränen in die Augen getrieben. So schildert Superintendent Jens Sannig des Evangelischen Kirchenkreises Jülich seine Eindrücke einer Reise, die er nach Marokko unternahm.

Doch so absolut das Elend der Flüchtlinge sei, so sehr ihn die Zustände entsetzt haben – er sei so wütend geworden, dass er jeden EU-Politiker am liebsten in diese Berge gezerrt hätte – genauso habe er dort Hoffnung verspürt. Eine Gruppe Studenten, meist ebenfalls aus afrikanischen Ländern, kümmert sich um die Menschen, versorgt sie mit Essen, Socken oder Medikamenten. Diese „wahren Friedensnobelpreisträger“ ließen Lichter der Hoffnung aufleuchten.

Sannigs Schilderung bildete einen Teil des ökumenischen Friedensgebets im Dom, das daran erinnern sollte, dass Flucht kein Verbrechen, sondern ein Menschenrecht ist. Organisiert hat das Gebet die seit 1994 aktive ökumenische Plattform Euregio Maas-Rhein.

Unter dem gleichen Namen hat die Plattform vor kurzem eine Resolution veröffentlicht, die von elf kirchlichen Gruppen und Bischöfen aus dem Grenzgebiet zwischen Eupen, Roermond und Aachen unterzeichnet wurde. Teilnehmer am Gebet waren unter anderem Dechant Helmut Schmitz aus Eupen, Weihbischof Everardus Johannes de Jong aus Roermond und Superintendent des Aachener Kirchenkreises Hans-Peter Bruckhoff.

Wenn über Flüchtlinge berichtet wird, dann meist in Form von Zahlen und Statistiken. Während des Friedensgebets erhielten diese Zahlen ein Gesicht durch Beiträge, die die Schicksale von Flüchtlingen veranschaulichten. Emmanuel Ndahayo erzählte seine Geschichte persönlich. In Ruanda musste er mit ansehen, wie Familienmitglieder getötet wurden.

Er begann sich politisch zu engagieren, weil er es nicht ertragen konnte, wenn Menschen ohne Grund, verschleppt, inhaftiert und unmenschlich behandelt wurden. Dadurch wurde er selbst Opfer von Verfolgung und Gewalt. Ihm gelang die Flucht, doch in Deutschland erlebte er die Härte der Asylpolitik und die oft unzureichenden Bedingungen, unter denen Flüchtlinge untergebracht sind. Ndahayo will sich dafür einsetzen, dass die schriftlich verankerten Rechte auch konkret umgesetzt werden.

Deutliche Worte fand auch Edmund Erlemann, katholischer Pfarrer im Ruhestand aus Mönchengladbach. Er kritisierte vor allem die „Abschottungspolitik“ der Europäischen Union, die nach dem Unglück vor Lampedusa, bei dem über 1000 afrikanische Flüchtlinge im Mittelmeer ertranken, weiter verschärft worden sei. „Während viele EU-Politiker am Morgen nach dem Unglück dicke Krokodilstränen vergossen, ratifizierten sie am Nachmittag bereits das Abkommen Eurosur.“ Europa führe einen Krieg gegen Flüchtlinge, mithilfe von Drittstaaten wie Marokko, die vor Ort unmenschlich gegen Flüchtlinge vorgehen.

Nach Razzien würden ihnen alle Habseligkeiten, vor allem Kleidung, Essen und Trinken, abgenommen. Dann würden sie in der Wüste ausgesetzt – in der Hoffnung, dass sie dort nicht überlebten. Das sei geduldeter Mord, den die EU durch Subventionen unterstütze. Er mahnte zum Abschluss, dass dieser Abend weitergehen müsse. Die Hoffnungen, die dieser Gottesdienst habe anklingen lassen, müssten verwirklicht werden.

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