Freundin brutal erschlagen: Acht Jahre Haft für 46-Jährigen

Von: Wolfgang Schumacher
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Soll seine Ex-Freundin im Streit brutal erschlagen haben: Paolo F. (rechts) beim Betreten des Gerichtssaals, links von ihm ein Justizbeamter und sein Anwalt. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Langerwehe. Weil er seine Freundin mit brutalen Schlägen und Tritten umgebracht hat, ist der 46-jährige Paolo Joao B. am Dienstag vor dem Aachener Landgericht zu acht Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden. Der Kraftfahrer sei zudem psychisch krank und müsse zunächst in der Psychiatrie behandelt werden, stellte das Gericht fest.

Der wegen etlicher Gewaltdelikte vorbestrafte Frechener habe, so der Vorsitzende Richter Arno Bormann, in seinem letzten Wort einmal mehr deutlich gezeigt, wie unberechenbar er sei. Darin hatte der im Prozessverlauf des öfteren aufbrausende Angeklagte in einer zehnminütigen Rede nochmals versucht, die Schuld am Tod seiner 54-jährigen Freundin jenem Bekannten in die Schuhe zu schieben, der ihn am Abend vor der Tat am 7. Juli 2013 in die Wohnung seiner Geliebten gefahren hatte.

Das Gericht folgt dem nicht, sondern stellte fest, dass es ausschließlich der Angeklagte war, der in einem Ausbruch von Brutalität in jener Nacht von Samstag auf Sonntag die Frau so lange mit Händen und Füßen eintrat und schlug, bis sie tot war. „Sie hatte die Rippen gebrochen. Das Opfer sah aus, als ob eine Herde wilder Stiere über es hinweggerast wäre“, stellte der Richter fest.

Täter und Opfer seien beide alkoholabhängig gewesen. Dazu habe es „ungezügelte Leidenschaft und Gewalt“ bei ihren sexuellen Zusammentreffen gegeben. Das alles habe eine fatale Rolle gespielt, beschrieb der Richter die Umstände der Tat. Bereits am Vorabend vor den Geschehnissen, einem Freitag, habe es wieder Sex- und Alkoholexzesse gegeben, so dass die 54-Jährige von oben bis unten mit blauen Flecken übersät war. Eine Freundin aus der Nachbarschaft habe sie bereits da zum Krankenhaus bringen wollen, doch die Frau habe sich wohl geschämt.

Dann habe das Paar in der Nacht des 6. auf den 7. Juli wieder Streit bekommen. Warum, das habe das Gericht auch in der Hauptverhandlung nicht klären können. Denn der Angeklagte hatte in verschiedenen Versionen seines Geständnisses auch immer wieder Gedächtnislücken ins Feld geführt. Er könne sich bis heute nicht an die eigentliche Tat erinnern - an das Davor und das Danach aber schon.

So hatte er am Sonntagmittag das Haus wieder verlassen und vordergründig pietätvoll eine Decke über die Tote ausgebreitet. An anderer Stelle wieder sagte er, er sei in dem Bewusstsein aus dem Haus gegangen, dass „die Frau, die ich liebe, wieder wach wird“ - wie so oft in jüngster Zeit, als er sie „auf Verlangen“ geschlagen hatte.

Für das Schwurgericht steht die Schuld des Angeklagten eindeutig fest. Es gebe überhaupt keine Anhaltspunkte dafür, dass ein weiterer Mann in dieser Nacht am Tatort war. Wie bei dem Opfer, das einen Blutalkoholwert von 4,1 Promille aufwies, sei gleichfalls beim Täter von einer erheblichen Promille-Zahl auszugehen. Das führe zu einer Verminderung seiner Schuldfähigkeit. Von einer völligen Schuldunfähigkeit könne jedoch keine Rede sein, stellte der Richter fest.

Staatsanwalt René Gilles hatte zehn Jahre Haft gefordert, die beiden Verteidiger sahen „nur“ eine Körperverletzung mit Todesfolge als gegeben an; eine angemessene Strafhöhe dafür sei sechs Jahre Haft. Mit seinem Urteil von acht Jahren blieb das Gericht genau in der Mitte zwischen beiden Forderungen.

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