Freiheit und Familie für Gefangene größtes Glück

Von: Stephan Mohne
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Auch das symbolische Hufeisen darf nicht fehlen: Ruth Hildebrandt und ihr pädagogisches Team der JVA Aachen organisierten eine Projektwoche zum Thema „Glück” mit Gefangenen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Drogen haben ihn ins Gefängnis gebracht. „Haschisch war´s”, sagt Martin. „Jetzt steht der 23-Jährige unter einer Collage: „Machen Drogen glücklich? Was meinst du?”, steht in großen Lettern darauf.

Martin führt einen Dialog mit einem Knast-Kollegen, den alle nur mit „Wuff” anreden. Der eine plädiert gegen, der andere für den Rausch. Es ist ein inszeniertes Zwiegespräch fürs Publikum. Und das ist an diesem Vormittag zahlreich in der Aachener Justizvollzugsanstalt vorstellig geworden. Anlass: die Präsentation der Ergebnisse einer Projektwoche hinter Gittern. Thema: „Glück”.

Thema war vorgegeben

Glück in Gefangenschaft? Das kam manchem der Teilnehmer zunächst einmal doch ziemlich merkwürdig vor, wie Ruth Hildebrandt erzählt. Die Leiterin der Pädagogischen Abteilung der JVA und ihr Team hatten das Thema vorgegeben. Und schnell zogen die Teilnehmer mit.

Auch Martin fand die Projektwoche gut: „Das war positiv. Manche Dinge sieht man jetzt mit anderen Augen.” Und was empfindet er als Glück in der Haft? „Im Knast gesund zu sein. Und gesund hier rauszukommen”, sagt der 23-Jährige.

Und da ist natürlich seine Verlobte, die „draußen” auf ihn wartet. Im Januar oder Februar ist Martin wieder in Freiheit, dann geht es in eine Therapie. 16 Monate war er „drin”, für Aachener JVA-Verhältnisse verschwindend wenig. Für den 45-jährigen „Wuff” haben auch die Drogen mit Glück im Knast zu tun: „Sie machen das Leben leichter”, sagt er offen. Dass in der JVA Drogen weit verbreitet sind, ist nichts Neues.

Manche Zeugenaussage im Heckhoff/Michalski-Prozess hat das ebenfalls noch einmal eindrucksvoll belegt. „Man muss aber aufpassen, dabei nicht an die falschen Leute zu geraten”, fügt Martin hinzu. Denn dann ist man schnell bei Heroin.

Normalerweise sind Martin und „Wuff” Schüler. Ja, hinter Gittern wird die Schulbank gedrückt. „Wir haben drei hauptamtliche Pädagogen und wechselnde nebenamtlich Tätige”, erzählt Ruth Hildebrandt. 32 Schüler zwischen 20 und weit über 50 Jahren werden unterrichtet.

Es könnten viel mehr sein. „Die Warteliste ist lang”, so Hildebrandt, die auf eine vierte Pädagogenstelle hofft. Deutsch als Fremdsprache ist angesichts eines hohen Migrantenanteils ein wichtiges Fach.

Aber natürlich gibt es auch die üblichen Schulfächer wie Mathe und Englisch. Zusammen mit der VHS werden auch Kurse angeboten. Yoga zum Beispiel. Einen Abschluss kann man in Aachen nicht machen, aber in der JVA Münster.

Schule eine Woche zu

Eine Woche lang blieb die Schule nun zugunsten der Projektwoche geschlossen. Stattdessen wurde in Arbeitsgruppen das Thema Glück seziert. Und wie lautet das Fazit, was benennen die Häftlinge als größtes Glück? „Vor allem die Freiheit und die Familie”, bilanziert Ruth Hildebrandt. Genau das also, worauf man hinter Gittern weitgehend verzichten muss.
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