Aachen - Freie Träger der Kindertagesstätten fühlen sich von der Stadt benachteiligt

Freie Träger der Kindertagesstätten fühlen sich von der Stadt benachteiligt

Von: Laura Laermann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Stillstand. Die freien Träger der Kindertageseinrichtungen in Aachen schränken die Zusammenarbeit mit der Stadt ein.

Zunächst beteiligen sie sich nicht weiter an der Erarbeitung eines gesamtstädtischen Konzeptes für frühkindliche inklusive Förderung. Und das hat Gründe, die sie in einem offenen Brief formulieren, den Vertreter der freien Träger Lebenshilfe Aachen, Caritas Lebenswelten, Studierendenwerk, AWO, Pro Futura, und Evangelische Kinder- und Jugendhilfe Aachen-Brand unterzeichnet haben.

Der Brief ist die Antwort auf einen Beschluss der Stadt vom 22. März 2017, „das bisherige System“ – so heißt es in dem Brief – fortzuführen. Demnach investiere die Stadt freiwillige kommunale Mittel, die von der Verwaltung mit jährlich 500.000 Euro beziffert wurden, in fest angestellte Therapeuten der städtischen Kitas. Das Geld geht jedoch nicht in das gesamtstädtische Konzept zur frühkindlichen inklusiven Förderung; die 70 Einrichtungen freier Träger gehen also leer aus. Rund 50 Kitas sind in Trägerschaft der Stadt Aachen.

„Unser erster Impuls war Verärgerung“, erklärt Heinz Zohren, Geschäftsführer von Pro Futura. Doch nicht alleine die finanzielle Ungleichbehandlung war ausschlaggebend für die freien Träger, sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Sondern viel mehr die Entwicklung in eine „rückwärtsgewandte“ Richtung.

Denn der Plan sah laut den freien Trägern anders aus: Am 1. August 2014 hatte der Landschaftsverband Rheinland (LVR) eine neue Förderstruktur für Kinder mit besonderem Förderbedarf eingeführt. Diese sieht eine Pauschale in Höhe von 5000 Euro pro Kind mit Förderbedarf vor, die von dem LVR gestemmt wird. Diese Pauschale sollte den personellen Mehraufwand decken. Auf diese Weise wurde es auch Kitas, die bisher nicht inklusiv waren, möglich, Kinder mit Förderbedarf zu betreuen.

In einem Übergangszeitraum von zwei Jahren sollte die neue Struktur konzeptionell und finanziell umgesetzt werden. Daher entwickelten die Stadt Aachen und die freien Träger eine gesamtstädtische Vision, wie frühkindliche Bildung nachhaltig in den Aachener Kitas aussehen könnte. Ein Konzept, an dem die freien Träger nun vorerst nicht mehr weiterarbeiten wollen.

Denn in dem Beschluss der Stadt sehen sie einen Rückschritt und keine Weiterentwicklung. „Das überholte Modell der städtischen integrativen Kindertagesstätten sieht pro Gruppe oder Einrichtung zwei fest zugeordnete Therapeuten – einen Logopäden und einen Physiotherapeuten – vor“, erklärt Rita Baumbach von der Lebenshilfe Aachen. In den integrativen Kitas der freien Träger seien dagegen schon vor dem Strukturwechsel Therapeuten verschiedener Fachrichtungen eingesetzt worden. Brauche ein Kind nämlich psychologische Behandlung oder Ergotherapie, müsse die Therapie nach dem alten Modell der Stadt gesondert stattfinden. Die freien Träger wollen die Therapie dagegen in den Kita-Alltag der Kinder integrieren und die zusätzliche Fahrt zum Therapeuten ersparen.

Ein eindeutiges Signal

Lösungen wie diese, die auf die individuellen Bedürfnisse von Kindern eingehen sollen, haben die freien Träger in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt entwickelt. Um daran weiter festzuhalten, fordern sie in dem Brief „verbindliche Maßstäbe für alle Träger“, „Bestehendes zu hinterfragen“ und „auf Augenhöhe [...] Visionen und daraus resultierende Konzepte zu erarbeiten“. Gestern ging der Brief an die Fraktionen, an das Jugenddezernat und das Jugendamt. Die freien Träger appellieren an eindeutige Signale aus Politik und Verwaltung. Sonst dürfte weiter Stillstand herrschen.

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