Aachen - „Freie Szene“ kriegt kräftige Finanzspritze

„Freie Szene“ kriegt kräftige Finanzspritze

Von: Robert Esser
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Von Katrin Haas Aachen. Die dreijährige Laila Schuck war noch etwas schüchtern. Verständlich, schließlich war sie zum ersten Mal im Theater. „Die Tigerente kenne ich schon“, erklärte die Dreijährige und wartete gespannt auf die Geschichte von den beid
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Konzerte, Theater, Kunst: Für Veranstaltungen der freien Szene – hier etwa Musikbunker, Das Da Theater und Neuer Aachener Kunstverein – soll es ab diesem Jahr mehr Geld vom städtischen Kulturbetrieb geben. Foto: Andreas Steindl (2) / Andreas Herrmann (1)

Aachen. Freie Theater, Kleinkunstbühnen und Ateliergemeinschaften dürfen jetzt tatsächlich mit mehr Geld rechnen. Bislang teilen sich mehrere Dutzend Kulturinitiativen der sogenannte freien Szene insgesamt rund 350.000 Euro pro Jahr. Was nicht nur nach Einschätzung der Kulturschaffenden viel zu wenig ist.

Nach einem Antrag der Grünen hat der Kulturausschuss nun beschlossen, „nicht verausgabte Mittel“ aus dem Millionenbudget des städtischen Kulturbetriebs zu 50 Prozent an die Freischaffenden auszuschütten. Erstmals soll dieser Beschluss auf der Grundlage des Jahresabschlusses 2013 umgesetzt werden.

Im Mai will der Kulturbetrieb seine Bilanz des Vorjahres vorlegen – dem Vernehmen nach soll sich der „Restbetrag“ der bewilligten Mittel auf mehrere hunderttausend Euro summieren. Nach welchem Schlüssel die Gelder dann auf die verschiedenen Initiativen aufgeteilt werden, ist noch offen. Da dürfte es noch einigen Gesprächsbedarf geben.

Klar ist aber: Es geht um viel Geld. Als der Kulturbetrieb in den vergangenen Jahren Überschüsse zur Finanzierung des neuen Foyers im Ludwig Forum sammelte, blieben jeweils zum Jahresende hohe Summen im Topf. 2012 hortete man 178 000 Euro – das wären damals 89 000 Euro mehr für die freie Szene gewesen. Das hätte einem satten Plus von gut 25 Prozent auf die bisherige Fördersumme entsprochen.

2010 wären sogar 137 000 Euro mehr an „die Freien“ geflossen, 2007 stattliche 142.000 Euro. Doch rückwirkend gilt die neue Regelung natürlich nicht. Zudem ist in den kommenden Jahren keineswegs sicher, dass der Kulturbetrieb weiterhin so knapp wirtschaftet, dass am Ende des Jahres noch Geld übrig bleibt. In den vergangenen Jahren hatte man schließlich schon während des Wirtschaftsjahres ein festes Ziel für etwaige „Euro-Restposten“ im Blick...

So warnte bereits die Vorsitzende des Kulturausschusses Dr. Margrethe Schmeer (CDU): „Wenn das Centre Charlemagne eröffnet ist, werden die Überschüsse nicht mehr so hoch sein.“ Alle Fraktionen betonten unterdessen, die – auch finanzielle – Stärkung der freien Kulturszene müsse forciert werden.

„Letztlich nicht zielführend“

Wobei SPD-Ratsfrau Sibylle Reuß meinte, das nun abgesegnete Überschussmodell sei „letztlich nicht zielführend“. Auch sie erkannte, dass die Empfänger der Zusatzsummen auf diesem Weg wenig Planungssicherheit haben. „Für dieses Jahr können wir das akzeptieren“, meinte CDU-Ratsherr Hubert Bruynswyck. Und Hermann Josef Pilgram von den Grünen, die den Antrag zugunsten der freien Szene initiiert hatten, sprach im Kulturausschuss durchaus zufrieden von einem „ersten, aber wichtigen Schritt“. Er stellte jedoch klar, dass die Freien-Förderung weiter ausgebaut werden müsse.

Aachens neue Kulturdezernentin Susanne Schwier legt unterdessen Wert darauf, dass einzelne institutionelle Kultureinrichtungen – etwa das Ludwig Forum – ihre Etats nicht mehr überziehen. Andernfalls würden der freien Szene nämlich hunderttausende Euro entgehen. Schwier forderte „Budgetdisziplin“ ein.

Es gab auch magere Jahre

Übrigens: Nicht jedes der vergangenen Jahre hätte den freien Kulturschaffenden ein „Ausschüttungsfest“ beschert. 2008 blieben zum Jahresende lediglich 12 000 Euro auf den Konten des Kulturbetriebs übrig. Damals sparte man allerdings auch noch nicht für ein neues LuFo-Foyer. Damit konnte zu jener Zeit eben auch noch niemand rechnen.

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