Aachen - Fredy Hirsch: Vorbild, freundlich und eine besondere Persönlichkeit

Fredy Hirsch: Vorbild, freundlich und eine besondere Persönlichkeit

Von: Kathrin Albrecht
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Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Geburtstages von Fredy Hirsch: Im Festsaal gedachten Marcel Philipp, Evelina Merova, Edith Kraus, Dr. Hans Gärtner, Rachel Masel und Dr. Robert Neugröschel des gebürtigen Aacheners. Foto: Andreas Steindl
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Ein Bild aus frühen Tagen: Fredy Hirsch als 15-Jähriger im Jahr 1931. Foto: Stadt Aachen

Aachen. Am 11. Februar wäre der in Aachen geborene Erzieher und Sportlehrer Alfred, genannt Fredy, Hirsch 100 Jahre alt geworden. Die Stadt und die Jüdische Gemeinde gedachten mit einer Feierstunde im Gemeindezentrum der jüdischen Gemeinde an einen besonderen Menschen, der am 8. März 1944 in Auschwitz ums Leben gekommen ist.

„Er ist einer der bedeutenden Söhne der Stadt, wenn auch nicht der bekannteste,“ sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp. Im Haus Neupforte 13, fast im Schatten des Rathauses, wurde Hirsch vor 100 Jahren geboren. Gemeinsam mit seinem Bruder Paul engagierte er sich im jüdischen Pfadfinderbund. Auch in der jüdischen Gemeinde brachte Hirsch sich aktiv ein.

Mit der Feierstunde an diesem Ort schließe sich auch ein Kreis, sagte Philipp weiter, denn am Standort der 1983 erbauten neuen Synagoge und des Gemeindezentrums stand die alte Synagoge, die 1938 in der Reichspogromnacht geschändet, in Brand gesteckt und völlig zerstört wurde. 1929 empfing der damals 13-jährige Fredy Hirsch in dieser Synagoge seine Bar Mitzwa. Es gebe, sagte Philipp, „wohl keinen besseren Ort, um seiner heute zu gedenken, als diesen: eine historische Stätte, in der auch heute wieder eine lebendige jüdische Gemeinde wirkt, lernt, feiert und betet.“

Unter den Ehrengästen der Gedenkfeier waren seine Nichte, Rachel Masl, die Tochter seines Bruders Paul, und Ehemann Ari, sowie Wegbegleiter Hirschs, die aus Prag und Israel angereist waren und bei einer Reihe von Veranstaltungen zu seinen Ehren mitwirkten. Dita Kraus, die „Bibliothekarin von Auschwitz“, arbeitete mit Hirsch im von ihm geleiteten Kinderblock zusammen. Evelina Merova war eines der Kinder, die Hirsch im Kinderblock betreute.

Sie wurde nach der Befreiung des Konzentrationslagers von einem russischen Kinderarzt adoptiert und lebte 50 Jahre in St. Petersburg, bevor sie in ihre Heimatstadt Prag zurückkehrte. Hans Gaertner kannte Fredy Hirsch bereits aus seiner Prager Zeit Ende der 1930er Jahre. Hierhin war Hirsch vor den nationalsozialistischen Verfolgungen geflohen. Er trat dem Turnverein Makkabi bei und avancierte bald zu dessen Leiter.

Gaertner wirkte auch als Zeitzeuge bei einer bisher unveröffentlichten Dokumentation des Filmemachers Helge Cramer mit, der den Anwesenden eine Ahnung gab, was Hirsch den Kindern und Jugendlichen bedeutete. „Fredy war ein Vorbild, schön, sportlich, freundlich, eine Persönlichkeit“, sagen die Zeitzeugen mehrfach. 1941 begannen die Deportationen in die ehemalige Garnisonsstadt Theresienstadt. Weil den Befehl der NS-Aufseher ignorierte, sich nicht um neu eingetroffene Kinder zu kümmern, wurde Fredy Hirsch mit einigen Tagen Bunkerhaft bestraft. Ob dies auch zu seiner späteren Deportation nach Auschwitz im September 1943 führte, ist unklar.

In Auschwitz setzte sich Hirsch für die Einrichtung eines Kinderblocks ein. „Wenn wir uns heute an ihn erinnern, sind wir aufgerufen, alles dafür zu tun, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Deshalb treten wir ein gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, gegen Terror und Gewalt, gegen die Verächter und Gegner der Demokratie“, betonte Marcel Philipp und sagte, auch hier sei Hirsch ein Vorbild: „Die Unerschrockenheit, mit der er den SS-Schergen gegenübertrat, zeugt von einer bewundernswerten Festigkeit seiner Persönlichkeit. Auch wir dürfen sagen: Fredy Hirsch war ein großer Aachener!“

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