Frauennotruf Aachen: Neue Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche

Von: Antje Uhlenbrock
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Druck auf die Kirche wird immer größer. Fast täglich melden sich neue Opfer, die von Geistlichen sexuell missbraucht wurden. Betroffene wenden sich auch an den Frauennotruf Aachen.

Was oftmals unbeachtet bleibt: Druck wird nicht nur auf die Kirche, sondern indirekt auch auf deren Opfer ausgeübt. „Durch die Medienaufmerksamkeit können wir feststellen, dass es einige Menschen nicht mehr schaffen, das zu verdrängen, was oftmals schon 30 Jahre zurückliegt”, erklärt Agnes Zilligen vom Frauennotruf Aachen.

Dieser Offenbarungsdruck sei fatal, da viele Opfer in den vergangenen Jahren mit dem Erlebnis des sexuellen Missbrauchs zurechtgekommen seien. Deswegen hält es Zilligen für falsch, ehemalige Schüler von Internaten mit Missbrauchsfällen anzuschreiben - so wie es die Odenwald-Schulleiterin Margarita Kaufmann plant. Denn viele Opfer stellten unüberlegt eine Anzeige. Die darauf folgenden polizeilichen Ermittlungen und der Gerichtsprozess können zwar wichtig für die Betroffenen sein, stellen aber oftmals auch eine hohe Belastung dar.

Präventionsarbeit intensivieren

Dem Irrglauben, dass die Schilderung des traumatischen Erlebnisses heilen kann, widerspricht Zilligen: „Dadurch, dass die Opfer über die Erlebnisse berichten müssen, findet häufig eine Retraumatisierung statt. Auch in der Therapie sollten die Betroffenen in vielen Fällen nur portioniert erzählen.”

Vor allem die Seelsorger und Geistlichen der katholischen Kirche, die als Ansprechpartner eingesetzt werde, seien häufig nicht ausreichend geschult. Zudem sind sie konfessionell gebundene Ansprechpartner. Es sei stattdessen wichtig, den Opfern neutrale Beratungsstellen anzubieten, so Zilligen. Diese begleiten Opfer individuell - auch bei Prozessen.

Das Problem: Es gibt zu wenige Beratungsstellen, vor allem für Männer. Daher widmet sich der Frauennotruf zurzeit ebenfalls der Beratung männlicher Betroffener. „Die Kirche sollte neutralen Einrichtungen Geld zur Verfügung stellen. Daran ließe sich auch messen, wie ernst es ihnen wirklich ist”, schlägt Zilligen vor. Die Opfer sollten darüber hinaus selbst entscheiden können, welche Schritte sie machen wollen, „denn alles, was über ihren Kopf hinweg entschieden wird, ist fast so schlimm wie die Tat selbst”.

Die Kirche wähle den falschen Weg: Sie versucht, die Fälle geheimzuhalten und intern zu ermitteln. Für die Opfer ist diese Geheimhaltung „ein doppelter Missbrauch”. Daher begrüßt Zilligen die Initiative „Wir sind Kirche”, die keine strukturelle Geheimhaltung duldet.

Der Frauennotruf fordert ferner: „Nun muss die Präventionsarbeit in den Blick genommen werden. Jungen und Mädchen müssen zu selbstbewussten Kindern erzogen werden. Die Autorität von Priestern darf nicht per se angenommen werden.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert